Fernsehen

Mörderischer Auftakt für das neue „Tatort“-Team in Dresden

Die Ermittlerinnen in Sachsen untersuchen einen Mord im Schlagermilieu. Sie machen das mit viel Dialogwitz und skurrilen Figuren.

Schlagersängerin Tina Derlinger (Alexandra Finder, vorne) bekommt Besuch von den Ermittlerinnen Henni Sieland (Alwara Höfels), Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Maria Mohr (Jella Haase, v.l.).

Schlagersängerin Tina Derlinger (Alexandra Finder, vorne) bekommt Besuch von den Ermittlerinnen Henni Sieland (Alwara Höfels), Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Maria Mohr (Jella Haase, v.l.).

Foto: MDR/Andreas Wünschirs

Dresden.  Es fängt wie an wie ein übler Trip: Da steht eine Dirndl-Trägerin beim Soundcheck und schlagert daher: „Mein Sachsen, hier bin ich geboren/Mein Sachsen, hier gehör’ ich hin/Ich hab mein Herz an dich verloren/Weil ich ein Sachsenmädchen bin/Wer braucht New York, wenn er Zwickau haben kann/Wer je in Dresden war, muss nicht mehr nach Amsterdam.“

Dieser „Tatort“, der erste des neuen Dresdener Ermittlerteams – zum ersten Mal sind es zwei Frauen – , ist in vielerlei Hinsicht eine ironiegewaltige Angelegenheit und eine schwerkomische dazu. Drehbuchautor Ralf Husmann („Stromberg“) gönnt sich, was die Populismus und Pegida gebeutelten Dresdener angeht, aber nur eine weitere Anspielung: „Der Sachse sieht am liebsten andere Sachsen.“

Er scheut sich allerdings nicht, das Sachsen-Stereotyp des notorischen „Zukurzgekommenseins“ anhand eines dümmlich dahersächselnden Schlagerfans satirisch zu verdichten.

Für die Rollen wurden die Schauspieler perfekt ausgewählt

Aber was ist das für ein guter Auftakt für die Neuen! Und dazu die Rollen der Oberkommissarinnen Karin Gorniak (rotzig: Karin Hanczewski) und Henni Sieland (beeindruckend: Alwara Höfels) sowie Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel – formidabel gespielt von Martin Brambach als ein von den gar nicht so neuen Geschlechter- und Technikverhältnissen überforderten Relikt von anno dunnemals. Das ist gut besetzt.

Der erste Fall? Ein bisschen sehr erwartbar in mancherlei Hinsicht, dreht er sich rund um ein verlogenes Seichtmusikmilieu.

In „Auf einen Schlag“ wird der Tod des Schlagersängers Toni Derlinger untersucht. Zwei Tage vor einem Auftritt lag der Mann tot im Backstagebereich. Neben diversen Alkoholleichen, denn in der Volksmusik wird natürlich mächtig getrunken. Hier wird alles in kräftigen Farben ausgemalt: der abgehalfterte Schlager-Impresario mit Schlangenlederstiefelletten (Hilmar Eichhorn).

Der zynische Musikveranstalter, der tatsächlich über Leichen zu gehen scheint (Andreas Guenther). Der ganz einfache Schlagerfan (Michael Specht). Die Volksmusikboygroup, zynisch, berechnend und voller Publikumsverachtung. Und die Schlagerduo-Witwe Tina Derlinger (Alexandra Finder), für die die Show weitergeht.

Gute Gags und aktuelle Themen

Ein deftiges Ensemble, mit dem sich das nicht weniger deftige Ermittlergespann, zu dem auch Kommissar-Auszubildende Maria Magdalena Mohr (penetrant niedlich: Jella Haase) gehört, wortgewaltig austoben darf. Die Gags sind nie schal und die Charaktere gut getroffen, und trotzdem ist der durchaus ernsthafte Unterton der Emanzipations-Debatte nicht zu übersehen: Dieses Frauenduo musste in einem sich nur langsam von männlicher Handlungshoheit lösenden Spezialsoziotop ackern, um da zu landen, wo es jetzt ist.

Fazit: Es sind viele kleine Drehbuchideen, oft mit dem Holzhammer verabreicht, die den Dresden-„Tatort“ sehenswert machen. Und es ist gekonnt, wie der Krimi sich bis zum überraschend dramatischen Ende an seinen Themen wie eben Emanzipation abarbeitet, ohne je zu langweilen.

Sonntag, 6. März, ARD, 20.15 Uhr