Fernsehen

Ranga Yogeshwar: Die deutsche Seele liebt die Heimat sehr

Moderator Ranga Yogeshwar macht sich für die Sendung „Quarks & Co.“ auf die Suche nach dem Wesen der Nation. Mit einigen Erkenntnissen.

Ranga Yogeshwar recherchierte jenseits der üblichen Klischees und will herausfinden, wie Deutschland tickt.

Ranga Yogeshwar recherchierte jenseits der üblichen Klischees und will herausfinden, wie Deutschland tickt.

Foto: WDR/Klaus Görgen/mauritius images/Michael Weber / WDR/Klaus Görgen/mauritius image

Berlin.  Was ist typisch deutsch? Ranga Yogeshwar (56) ist es jedenfalls nicht hundertprozentig. Der Moderator und Physiker hat eine luxemburgische Mutter und einen indischen Vater. Dennoch besitzt er sehr deutsche Eigenschaften. Immerhin lebt er seit 30 Jahren hier. „Meine Gewissenhaftigkeit, meine Pedanterie, meine Zuverlässigkeit sind deutsch“, sagte er.

„Ich werde nie in den Zellen meines Körpers Deutscher sein. Aber ich liebe und verstehe die Deutschen.“ Um sie noch besser zu verstehen, reiste er für seine Reportage „Quarks & Co: Was ist deutsch?“ wochenlang durchs Land und machte sich auf die Suche nach dem deutschen Wesen.

Das deutsche Gen gibt es nicht, aber im Denken gibt es Gemeinsamkeiten

Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Die Wissenschaft sagt: nein. Ein deutsches Genprofil existiert nicht. Ein Urbayer ähnelt genetisch mehr dem Schweizer, Österreicher und Italiener als dem Norddeutschen. Dessen Genprofil ist dem der Holländer und Skandinavier verwandt. Aber im Seelenleben der Deutschen entdeckte Yogeshwar ein gemeinsames Motiv.

„Es lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben“, sagt er. „Sehnsucht. Der Sehnsucht danach, eine bessere Nation zu werden, Sehnsucht nach Frieden, nach einer besseren Welt.“ Dieses Gefühl erst führe zu sogenannten typisch deutschen Tugenden, „die auf den ersten Blick wenig emotional erscheinen: Gründlichkeit, Disziplin, dem Streben nach Perfektion. Dahinter steckt jedoch immer eine Sehnsucht, wie sie auch schon in der Romantik beschrieben wurde“.

Außerdem seien die Deutschen sehr ehrlich und kritisch. „Vor allem mit sich selbst. Das kann aber Antrieb für Veränderungen sein.“ Wir wollen es eben besser machen. Das bestätigt auch Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, mit dem Yogeshwar über das deutsche Wesen spricht: „Was man an uns wahrnimmt, ist unser Hang, gründlich sein zu wollen.“

Das Ausland spottet über die „German Angst“

Und manchmal schießen wir übers Ziel hinaus. Besuch beim „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann. Der sagt in der Sendung: „Wenn es darum geht, hysterisch zu sein, sind wir Weltmeister. Sowohl, was unsere Überheblichkeit angeht – wir können alles besser – als auch unseren Alarmismus.“ „German Angst“, spöttelt man im Ausland. Wir planen gerne und sind verstört, weil unsere Welt immer weniger vorhersehbar wird.

„Technischer Fortschritt verunsichert, der Wind der Globalisierung weht, Grenzen zerfließen. Da suchen wir etwas, was uns ausmacht“, sagt Yogeshwar. Das ist nicht unbedingt die nationale Identität, sondern immer öfter die regionale. „Die Herkunftsregion gewinnt an Bedeutung“, sagt er. „Während uns die EU als abstraktes Gebilde erscheint, habe ich an meine unmittelbare Heimat emotionale Bindungen.“

Die wichtigste Eigenschaft des „Volks mit einer Narbe“? „Die Gabe, aus der Vergangenheit zu lernen und Fehler zu thematisieren.“ Was können andere besser? „Andere Länder sind geübter darin, zu improvisieren.“

Und: „Deutsche lassen sich oft über den Tisch ziehen, weil sie nicht negativ auffallen wollen.“ Dabei ist er sicher: „Die Deutschen sind beliebter, als sie glauben.“

K Dienstag, 1. März, 21 Uhr, WDR