Flüchtlingskrise

„Hart aber fair“: Integration ist, wenn du richtig schwitzt

Bei „Hart aber fair“ drohte am Montagabend ein müder Integrationstalk. Gerettet wurde die Sendung von einem beherzten Porsche-Mann.

Am Montag diskutierte Frank Plasberg mit seinen Gästen bei „Hart aber Fair“ über die Chancen der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Am Montag diskutierte Frank Plasberg mit seinen Gästen bei „Hart aber Fair“ über die Chancen der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Foto: imago stock&people / imago/Metodi Popow

Berlin.  Die Flüchtlingskrise ist seit Monaten auch mit einer neuen Integrationsdebatte verbunden. Spätestens seit den Übergriffen von Köln steht die Frage im Raum: Wie kann es gelingen, so viele Menschen zu integrieren? Als wichtiges Instrument gilt der Arbeitsmarkt. Flüchtlinge mit Bleibeperspektive sollen schnell in Arbeit gebracht und auf diesem Weg zu einem Teil der Gesellschaft werden.

Lange Zeit sah es so aus, als ob die Unternehmen diese Entwicklung begrüßen würden. Mittlerweile klagt der Arbeitgeberverband BDI allerdings über hohe rechtliche Hürden. Zudem wisse man oft nicht, wie es um die Qualifikation der Menschen bestellt sei. Kommen da wirklich die erhofften Fachkräfte ins Land? Diese Frage stellte am Montagabend auch Frank Plasberg. Bei „Hart aber fair“ diskutierten Uwe Hück von Porsche, Cem Özdemir (Grüne), Emilia Müller (CSU), der Bildungsökonom Ludger Wößmann und Petra Bosse-Hubert von der Evangelischen Kirche, welche Chancen Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben.

„Du musst schwitzen“

In der Diskussion stellte sich schnell heraus, dass Porsche-Mann Hück der Star des Abends sein würde. Immer wieder erfrischte der Betriebsratsvorsitzende des Sportwagen-Herstellers die Debatte mit klaren Ansagen. „Unsere Jugendlichen brauchen Vorbilder, sie werden heute ja über Facebook erzogen“, sagte Hück. Dabei sei es ganz gleich, ob es um Flüchtlinge oder um Einheimische gehe. Beide Gruppen bräuchten eine deutlich Ansprache und müssten verstehen, dass man nur mit Leistung weiterkommen könne. „Wir müssen denen erklären: Du musst schwitzen.“ Zugleich müsse mit der Ausgrenzung aufgehört werden. „Die Nationalität entscheidet nicht darüber, ob jemand gescheit ist oder nicht.“

Ganz ähnlich sah das Cem Özdemir, der in seiner Rolle als Oppositionspolitiker zugleich auf die Verfehlungen der Bundesregierung hinwies. Eine schnelle Eingliederung werde von Hindernissen bei der Integration in den Arbeitsmarkt behindert, sagte der Parteichef der Grünen. Ein weiteres Problem sei, dass die Entscheidung über eine Bleibeperspektive oft bis zu einem Jahr und länger dauere. „Wir verschwenden Zeit“, sagte Özdemir.

Unterstützung erhielt er von CSU-Politikerin Emilia Müller. Özdemirs Forderung nach einem Sprachangebot für jeden Flüchtling konnte die bayrische Sozialministerin mit einem Verweis auf ihr Bundesland untermalen, wo schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen Kurse angeboten würden. Zugleich erklärte Müller, dass gelungene Integration eine Frage der Zugangszahlen sei. „Wir können nicht alle aufnehmen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen.“ Andernfalls könne Integration nicht gelingen.

Geringe Qualifikationen und die Sprache als Problem

Die sachdienlichsten Hinweise zur eigentlichen Frage der Sendung konnte Bildungsökonom Wößmann liefern. „Viele Flüchtlinge bringen erst mal keine ausreichende Qualifikation mit“, fasste der Leiter des Münchner ifo Instituts zusammen. Das größte Problem sei die Sprache, aber auch an der schulischen und beruflichen Bildung mangele es. Aus diesem Grund seien viele Investitionen nötig, die dann aber tatsächlich dazu führen könnten, dass der Fachkräftemangel mittelfristig ein Ende habe. Auf dem Arbeitsmarkt würden die Flüchtlinge im Übrigen nicht wie häufig behauptet mit den einheimischen Geringqualifizierten konkurrieren, sondern vor allem mit Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits länger hier seien.

Petra Bosse-Hubert trat vor diesem Hintergrund dafür ein, die Ausbildungswege zu flexibilisieren. Es müsse für Flüchtlinge beispielsweise möglich sein, eine Ausbildung zu unterbrechen und sich eine Zeit lang nur auf den Spracherwerb zu konzentrieren. Mit Blick auf vermeintliche faule junge Flüchtlinge verwies die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche darauf, dass viele deutsche Jugendliche genauso seien. Es müsse grundsätzlich endlich Schluss sein mit der gesonderten Behandlung von Flüchtlingen: Unter ihnen befänden sich genauso Leistungsbereite und Faule, wie in der einheimischen Bevölkerung auch.

Nur einer sorgt für Pepp

Insgesamt krankte diese Ausgabe von „Hart aber Fair“ daran, dass zu viel Einvernehmen bestand – und sich diese Übereinstimmung wiederum nur auf Allgemeinplätze bezog. Mehr Integrationsangebote und -pflichten, mehr Praxisbezug, mehr Bildung, weniger Hürden, schnellere Asylentscheidungen – all das wird in Deutschland seit Jahren und in der Flüchtlingskrise im Besonderen seit Monaten diskutiert. Der Erkenntnisgewinn fiel auf dieser Grundlage dürftig aus.

Am Ende oblag es deswegen immer wieder Hück, wenigstens für etwas Pepp zu sorgen. Sein Ansatz – man könnte sagen: „Hart aber fair“ – führte schließlich auch zu einem kleinen Zwischenfall mit Sitznachbar Özdemir. „Wenn jemand nach acht Stunden sagt, er ist müde, was soll ich dem sagen? Es können doch nicht alle Politiker werden!“ Sprach’s, lachte, und warf sich dem gespielt beleidigt guckenden Grünen in die Arme. Auch wenn er selbst fast nur Allgemeinplätze zu bieten hatte: Diesen Mann kann man nur mögen.