ARD-Krimi

Der „Tatort“ zeigt das brutale Geschäft der Schleuser

Der Stuttgarter „Tatort“ führt die Ermittler diesmal in Flüchtlingsheime. Der Fall sorgt bei Kommissar Thorsten Lannert für Entsetzen.

Stuttgart.  Auch wenn er am Arm verletzt ist: Jetzt, denkt man, muss Lannert (Richy Müller) doch nur einmal im richtigen Moment abdrücken. Polizisten schießen eigentlich besser als Gangster. Allerdings: Lannert, der trotz Porsche leicht biedere Schwabenermittler, ist halt nicht Nick Tschiller. Til Schweigers Hamburger Kommissar Tschiller ist ein Nicht-lange-fackeln-Mann. Lannert ist ein Lieber-labern-Mann. Und man kann auf beiderlei Grundlage „Tatorte“ fabrizieren.

Im Stuttgart-Tatort „Im gelobten Land“ von Regisseur Züli Aladag geht zu Beginn ein Polizeieinsatz furchtbar schief. Statt Drogen finden die Fahnder 23 Tote in einem Lastwagen auf einem Autobahnrastplatz. Die Flüchtlinge waren in Bretterverschlägen erstickt – hätte die Polizei nicht so lange auf die Ankunft von Schmugglern gewartet, wären die Afrikaner gerettet worden. „23 Menschen sind krepiert, während wir 20 Meter entfernt waren“, ringt Ermittler Thorsten Lannert um Fassung.

Für eine Heimbewohnerin ist Deutschland entzaubert

Die düstere Story hat einen realen Bezug. Im vergangenen Sommer machte der Tod von 71 Flüchtlingen in einem Lastwagen in Österreich grauenvolle Schlagzeilen. Der „Tatort“ nähert sich dem Thema über einen fiktiven Fernsehfall an. Die Schleuser seien weltweit vernetzt – „wie Reiseveranstalter“, erklärt Staatsanwältin Álvarez (Carolina Vera). „Die haben überall Büros, wo sie Schleusungen nach Europa anbieten, Nordafrika, Syrien, Istanbul.“ Nicht nur die Handlanger vor Ort wollen die Ermittler zur Strecke bringen, sondern auch die Hintermänner, „die Bosse der Bosse“, wie die Staatsanwältin sagt. Als ominöser Schattenmann wird der Oberschleuser in einer Szene schablonenhaft in die Handlung eingeführt.

In einem parallelen Handlungsstrang lernt der Zuschauer die Afrikanerin Lela (Florence Kasumba) kennen, die schon als Flüchtling in Deutschland ist und auf die Ankunft ihrer Familie wartet. Ihr bitteres Fazit über das Gastland: „In Afrika alle glauben, ist Paradies, aber ist nix.“

Kulisse für den Großteil des Films sind Plattenbauten, in denen Flüchtlinge ihr Leben fristen. Dorthin führen die Wege der Menschenschlepper, dorthin irrlichtert Lannert mit seinem Partner Sebastian Bootz (Felix Klare), entschlossen, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Dazu kommen Zutaten aus dem üblichen Krimi-Repertoire der Öffentlich-Rechtlichen. „Tatort“-Macher verpassen der Handlung ja häufig auch einen privaten Strang: Familienstress oder Eheprobleme sollen Zuschauern alltagstaugliches Identifikationspotenzial bieten. Im Fall der Stuttgarter Kommissare hat sich dies erschöpft, nachdem die beiden Kommissare so ziemlich alle möglichen privaten Rückschläge meistern mussten.

Fazit: Trotz logischer Schwächen – etwa den Schüssen von Kommissar Bootz auf einen Elitekiller in John-Wayne-Manier – ist der „Tatort“ überaus sehenswert. Dem Themenkomplex „Zuwanderung“ fügt der Film allerdings so gut wie nichts Neues hinzu.

K Sonntag, 21. Februar, 20.15 Uhr, ARD