ARD-Film

„Der Hodscha und die Piepenkötter“ räumt mit Vorurteilen auf

„Der Hodscha und die Piepenkötter“ ist eine erfrischend politisch inkorrekte Komödie. Und zeigt, das ein Miteinander der Kulturen geht.

Begegnung der Kulturen: Der Hodscha (Hilmi Sözer, M.) und die Piepenkötter (Anna Stieblich).

Begegnung der Kulturen: Der Hodscha (Hilmi Sözer, M.) und die Piepenkötter (Anna Stieblich).

Foto: WDR / WDR/Martin Valentin Menke

Essen.  Der türkische Geistliche Nuri Hodscha (Hilmi Sözer) und die Bürgermeisterin Ursel Piepenkötter (Anna Stieblich) haben viele Schwierigkeiten miteinander. Aber sie sind gar nicht so verschieden. Beide sind allein erziehende Eltern von Kindern, die ihren eigenen Weg finden wollen. Beiden gehen irgendwann die Argumente aus. Sowohl die Bürgermeisterin wie auch der Geistliche sagen zu ihren Kindern in dieser Situation: „Was bildest du dir ein?“ In der Komödie „Der Hodscha und die Piepenkötter“ werden Vorurteile über das Miteinander verschiedener Kulturen genussvoll gegen den Strich gebürstet.

Gemeinsames Lachen für mehr Harmonie im Alltag

Die Piepenkötter will unbedingt Bürgermeisterin bleiben. Da passt ihr der angestrebte Neubau der Moschee gar nicht, zumal ihr Konkurrent, der politische Rechtsaußen Dr. Schadt (Fabian Busch) mächtig Stimmung macht. Er schwingt Reden wie: „Der Islam ist ja gar keine Religionsgemeinschaft. Er ist eine politische Gruppierung mit dem Ziel, in der freien Welt die Demokratie abzuschaffen und die Scharia einzuführen.“

Der Hodscha und die Piepenkötter umkreisen einander wie Boxer. Jeder versucht beim anderen Wirkungstreffer zu landen. Zum gemeinsamen Gespräch in ihrem Büro gibt es auch Gebäck: Schweinsohren. Für einen Moment zuckt der Moslem wegen des Schweinefleischverbots zusammen. „Ist aber saulecker“, schickt sie hinterher. Als sie ihn in der baufälligen Moschee besucht, revanchiert er sich, indem er ihr Pansensuppe anbietet.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Birand Bingül. Der Hamburger Gernot Gricksch hat daraus ein Drehbuch destilliert, dessen Handlung zwar etwas zu stark konstruiert wirkt, in dem es aber erfrischend vor politisch inkorrekten Dialogen nur so wimmelt. Weder christliche noch muslimische Standpunkte werden hier tierisch ernst genommen.

Jeder hat das Recht gemäß seiner Kultur zu leben

Regisseurin Buket Alakus sagt, das gemeinsame Lachen sei ein guter Weg, den gemeinsamen Alltag zu bewältigen. Ihr Plädoyer: „Lacht miteinander über beide Seiten, über Nazis und über religiöse Fanatiker. Ob jemand rassistisch oder fanatisch für seine Religion in den Kampf zieht – beides hat wenig mit Menschsein zu tun. Wir ertragen es, wenn man Witze über uns macht, und wir ertragen es, dass sich unsere Kulturen unterscheiden.“

Alakus sieht sich angesichts ihres deutschtürkischen Hintergrunds und der Flüchtlinge in besonderer Verantwortung. „Man muss den Menschen helfen, anzukommen. Jeder hat das Recht, gemäß seiner eigenen Kultur zu leben. Aber es gibt das Grundgesetz und demokratische Werte, die stehen über der Religion.“

Fazit: Der Film wirkt so, als habe jemand ein Fenster aufgemacht, um bei häufig verkrampft wirkenden öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema einmal richtig durchzulüften. Das liegt nicht zuletzt an Stieblich und Sözer, die sich in ihren Rollen ein schlitzohriges Duell à la „Don Camillo und Peppone“ liefern.

K ARD, Mittwoch, 17. Februar, 20.15 Uhr