Krimireihe

Dem zweiten „Bozen-Krimi“ in der ARD fehlt es an Raffinesse

Mädchenmord, Mafia, Kokain: Der zweite „Bozen-Krimi“ mit Chiara Schoras und Tobias Oertel bietet krasse Themen, aber wenig Spannung.

Sonja Schwarz (Chiara Schoras) muss im zweiten „Bozen-Krimi“ in der ARD einen Mafia-Killer stoppen.

Sonja Schwarz (Chiara Schoras) muss im zweiten „Bozen-Krimi“ in der ARD einen Mafia-Killer stoppen.

Foto: ARD Degeto/Marco Nagel

Berlin.  Ein lang zurückliegender Mord wurde für Sonja Schwarz (Chiara Schoras), deutsche Kommissarin in den Dolomiten, zu einem sehr persönlichen Fall. Und so erzählte der erste ARD-„Bozen-Krimi“, damals noch unter dem Reihentitel „Kripo Bozen“, vor allem ein Familiendrama. Über fünf Millionen Zuschauer schalteten vor fast genau einem Jahr ein.

Sonja Schwarz war im ersten Teil ihrem Mann Thomas (Xaver Hutter) in dessen Heimat Südtirol gefolgt und musste sich dort mit der Mutter seiner ersten Frau rumplagen. Als in den Bergen das Skelett eines vor zehn Jahren verschwundenen Mädchens gefunden wurde, mehrten sich die Hinweise, dass Thomas etwas mit der Tat zu tun haben könnte.

Gemessen an der Dramatik der aus diesem Verdacht resultierenden Eheprobleme war ein zweiter Handlungsstrang mit der Suche nach dem Mörder eines Apothekers weitaus weniger spannend.

Rahmenhandlung überlagert aktuellen Fall

Für „Das fünfte Gebot“ (Donnerstag, 4. Februar, 20.15 Uhr in der ARD) gilt genau das Gleiche, denn das Muster ist identisch: Wieder gibt es eine aktuelle Ermittlung, die innerhalb der 90 Minuten abgeschlossen wird, aber die sich fortsetzende Erzählung ist ungleich interessanter. Und weil das Gespann Chiara Schoras/Tobias Oertel offenbar gut angekommen ist, wirkt der Mafiaexperte aus dem Süden, der im ersten Film großen Gefallen an seiner Kollegin fand, ebenfalls wieder mit: Er wird ihr neuer Chef. Neu im Team ist Floriane Daniel als Rechtsmedizinerin aus der Kategorie Paradiesvogel, die regelmäßig ihren kleinen Sohn mit zur Arbeit bringt, weil sie auf die Schnelle keinen Babysitter gefunden hat.

Am Tatort muss der uniformierte Kollege Kerschbaumer (Hanspeter Müller-Drossaart) auf das Kind aufpassen. Das ist ein kleines bisschen witzig, sieht aber vor allem so aus, als habe der Sender „Ein bisschen Spaß muss sein“ gefordert.

Ähnlich wie vor Jahren bei der Einführung des „Polizeiruf“-Teams aus Rostock erstreckt sich die Rahmenhandlung über die ersten drei Filme und kreuzt sich immer wieder mit einem aktuellen Fall, der allerdings wie in Teil eins wesentlich herkömmlicher ist.

Die Mafia will ihren Stoff zurück

Da stolpert nämlich ein Tagelöhner (Roeland Wiesnekker) beim Aushilfsjob in einer Kellerei über zwei Kokainpakete, die in einem Weinkarton nach Deutschland geschmuggelt werden sollen. Der Mann freut sich, das große Los gezogen zu haben, aber natürlich sind die Drogen einige Nummern zu groß für ihn, denn er hat sich mit der Mafia angelegt; dem regionalem Statthalter (Thomas Sarbacher) ist es selbstredend egal, wie viele Menschen sterben müssen, damit er das Kokain zurückbekommt.

Fazit: Gefällig inszeniert, aber echte Krimispannung will nicht aufkommen. Nicht alle Darsteller überzeugen restlos. Dem Film fehlt es insgesamt an Raffinesse. Das gilt sogar für die Musik von Mario Lauer. Trotzdem weckt der Cliffhanger-Schluss clever die Neugier auf den nächsten Film, den die ARD am 11. Februar zeigt.

• Donnerstag, 4. Februar 2016, 20.15 Uhr, ARD: „Bozen-Krimi: Das fünfte Gebot“

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