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Krimi „Nachtschicht“ zeigt Bürokratie in Flüchtlingsheimen

Es ist Maja Maranows letzte Rolle: In „Nachtschicht“ leitet sie ein Flüchtlingsheim. Der Krimi zeigt die Absurdität der Bürokratie.

Von Heinrich Oehmsen
Die Kommissarin Lisa Brenner (Barbara Auer, rechts) besucht eine Flüchtlingsunterkunft. Die Erstaufnahmeleiterin Olga König (Maja Maranow) empfängt sie am Eingang.

Die Kommissarin Lisa Brenner (Barbara Auer, rechts) besucht eine Flüchtlingsunterkunft. Die Erstaufnahmeleiterin Olga König (Maja Maranow) empfängt sie am Eingang.

Foto: Andreas Schlieter / dpa

Hamburg.  Es ist eine ihrer letzten Rollen. Am 4. Januar starb die charismatische Schauspielerin Maja Maranow mit 54 Jahren an Krebs. Sie sei friedlich im Kreise ihrer Freunde zu Hause in Berlin eingeschlafen, schrieb der „Stern“. Im ZDF-Fernsehfilm „Nachtschicht – Der letzte Job“ besetzte Regisseur Lars Becker sie als die Erstaufnahmeleiterin eines Flüchtlingsheims: Olga König, eine entschlossene, aber auch geheimnisumwobene Frau. Tatsächlich eine Schlüsselfigur der Geschichte.

Der Regisseur und seine aus Eritrea stammende Ehefrau Fana sind derzeit sehr engagiert für Flüchtlinge. Da wundert es nicht, dass Becker seinen aktuellen „Nachtschicht“-Film in diesem Milieu der Menschen spielen lässt, die Zuflucht vor Krieg in ihren Heimatländern suchen. Odile Bakri (Pegah Ferydoni) ist so eine Frau. Mit ihrer Tochter wird sie von Schleppern aus Syrien nach Deutschland gebracht.

Rückblenden erzählen Geschichte

Als Gegenleistung wird sie in die Agentur eines türkischen Heiratsvermittlers geführt. Hochzeitsfahrten nennt Abu Haddad (Hilmi Sözer) zynisch seinen Service, der die Frauen zum Heiraten zwingt. Doch bei der Fahrt nach Hamburg gibt es einen Zwischenfall. Ein Polizist stoppt den Transporter mit seiner illegalen Fracht, einer der beiden Schleuser erschießt den Polizisten. Der Lkw wird in Hamburg gefunden, der Fall landet auf dem Schreibtisch der Kommissare Erichsen (Armin Rohde) und Brenner (Barbara Auer).

Becker erzählt dieses Mal nicht chronologisch, sondern in Rückblenden. Lisa Brenner wird von zwei Kollegen (Rainer Bock, Cornelius Obonya) in die Mangel genommen, weil der Fall damit endet, dass die Kommissarin den Polizistenmörder erschießt. In Notwehr, sagt sie, in Selbstjustiz, werfen ihr die internen Ermittler vor.

Erichsen nur der Sidekick

Immer wieder werden Szenen aus dem Verhör in den Ablauf der Geschichte hineingeschnitten. Durch die besondere Form dreht sich in dieser „Nachtschicht“ mit dem Titel „Der letzte Job“ fast alles um Lisa Brenner. Erichsen ist dieses Mal nur der Sidekick. Auch wenn von Anfang an klar ist, dass der Fall mit einem Schusswechsel endet, erzählt Becker, der auch das Drehbuch geschrieben hat, eine spannende Story mit überraschenden Wendungen und weiteren Leichen. Dabei verliert er jedoch nie das Schicksal der Flüchtlinge aus den Augen.

Seine Figuren dürfen schildern, was sie zur Flucht getrieben hat; er zeigt ihre Angst und die Konflikte im Auffanglager und er wirft einen Blick auf diejenigen, die von der Not dieser Menschen profitieren und mit ihnen Geschäfte machen, wie Abu Haddad. In seinem Polizeifilm thematisiert Becker auch die oft frustrierende Arbeit der Kriminalbeamten. Lisa Brenner trägt sich mit dem Gedanken, ihren Abschied zu nehmen. „128 Fälle in zehn Jahren, davon 25 Verurteilungen“, beziffert sie frustriert ihre Bilanz.

Fazit: Ein abendfüllender Krimi, der durch seine Flüchtlingsgeschichte, seine überforderte Beamtin und wegen der Übermacht der kleinteiligen Bürokratie brandaktuell ist. ;

K Montag (1. Februar), ZDF um 20.15 Uhr