TV-Show

Der Bachelor: So läuft es hinter den Kulissen der Kuppel-Show

Der Kampf um den neuen Bachelor Leonard ist eröffnet. Aber was kommt nun auf die Kandidatinnen zu? Eine Ex-Bachelor-Siegerin klärt auf.

Leonard aus Berlin ist der Bachelor 2016.

Leonard aus Berlin ist der Bachelor 2016.

Foto: Foto: RTL/Tom Clark

Berlin.  „Alle wollen ihn. Nur eine kriegt ihn.“ Mit diesen Worten will RTL auch dieses Jahr die Zuschauer zur neuen Staffel von „Der Bachelor“ vor die Fernseher locken. Es ist eines der umstrittensten TV-Formate, die der Sender zur Primetime zu bieten hat: 22 Frauen buhlen um einen Mann – setzen dabei auf vollen und vor allem leicht bekleideten Körpereinsatz. Es wird gekreischt und gezickt. Das war in den vergangenen Jahren so und wird auch dieses Jahr so sein.

Dumm und frauenverachtend nennen Kritiker die Kuppel-Show. Dass die Frauen sich das alles selbst ausgesucht haben und meistens Kalkül hinter der Teilnahme steckt, sollte bei aller Kritik nicht vergessen werden. Deshalb lohnt sich auch mal ein Blick hinter die Kulissen – vom ersten Casting bis hin zum Leben nach dem Bachelor.

Kaum jemand kennt sich besser mit der Show aus, als die Bachelor-Siegerin von 2012, Anja Polzer. Sie buhlte damals um die Gunst von Paul Janke – für manche noch immer der erste und einzige wahre Bachelor. Es war die erste Staffel nach neunjähriger Pause und dementsprechend unbedarft und ohne große Erwartungen gingen die damaligen Kandidatinnen an die Sache ran. Im Gespräch schildert Polzer ausführlich ihre Erfahrungen mit dem Format – vom Anfang bis zum Ende.

Der Weg zur Bewerbung:

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, sich als Frau für eine Kuppel-Sendung à la Bachelor zu bewerben? Im Fall von Anja Polzer kam alles eher zufällig zustande. Eine klassische Bewerbung gab es nicht. Sie wurde auf einer After-Work-Party in Karlsruhe von einem Casting-Team angesprochen. „Wenn es nur über den Weg der Bewerbung gegangen wäre, wäre ich wahrscheinlich nie dort gelandet“, sagt sie dieser Redaktion. „Ich wurde wirklich aktiv angesprochen und habe dann erst den ganzen Casting-Prozess durchlaufen“. Dass sie letztendlich wirklich ausgewählt wird, hätte sie nie gedacht. „Für mich war das so just for fun“.

Die Beweggründe:

Den Traumprinzen finden und mit ihm in den Sonnenuntergang reiten – das erwarten letztendlich wohl die wenigsten von ihrer Teilnahme. Auch Anja Polzer nahm es mit der Traummannsuche nicht so ernst. „Ich dachte mir: ‚Cool, Südafrika! Da wollte ich eh schon immer mal hin, das wird sicher ein riesiger Spaß‘. Ich habe nicht gedacht, dass ich da vielleicht die Liebe meines Lebens kennenlerne. Klar, die Option besteht sicherlich, aber ich hatte mir keine Hoffnungen gemacht.“

Hinzukommt, dass es die erste Staffel – abgesehen vom Bachelor aus dem Jahr 2003 – war, an der Polzer mitwirkte. Was eine Teilnahme an solch einem Format bedeuten kann, hat sie zu dem Zeitpunkt nicht geahnt. Heutzutage sieht das natürlich anders aus. Bereits ab Staffel zwei spielte bei vielen Kandidatinnen vor allem der Wunsch nach öffentlichem Ansehen eine Rolle.

Die Casting-Phase:

Auch beim Bachelor durchlaufen die Kandidatinnen einen klassischen Casting-Prozess. „Zunächst gab es einen Bewerbungsbogen. Da gibt man schon viel von sich preis“, sagt Polzer. „Es ist ja auch klar, jemand der dort nichts über sich preisgibt, der passt auch nicht in so eine Sendung.“ Anschließend gab es ein erstes Telefon-, danach ein Videointerview, anschließend das persönliche Casting. Im Falle von Anja Polzer gab es direkt danach die Zusage.

Während des persönlichen Castings kam es auch bereits zu ersten flüchtigen Begegnungen mit potenziellen Mitstreiterinnen. Zum ersten Mal tatsächlich aufeinandergetroffen sind die 20 Frauen dann beim Dreh für den TV-Trailer in Köln – etwa drei oder vier Wochen bevor es zum ersten Treffen mit dem Bachelor kam. „Es war zu dieser Zeit auch noch keinerlei Konkurrenzkampf da und es war ein total witziger Tag, wobei schon damals erste Sympathien entstanden sind“, erinnert sich Polzer.

Vorbereitungen und Reaktionen auf das TV-Abenteuer:

Bestenfalls etwas mehr als sechs Wochen in Südafrika warteten auf die Kandidatinnen der ersten Staffel. Wer einen richtigen Job hatte, musste sich diesen Zeitraum freischaufeln. Im Fall von Polzer bedeutete das unbezahlter Urlaub – immer mit der Option auf vorzeitige Rückkehr, denn das TV-Abenteuer hätte ja auch bereits nach zwei Wochen wieder vorbei sein können. Das Ganze mit dem regulären Jahresurlaub abzudecken, wäre übrigens kaum machbar gewesen. Gedreht wurde im Herbst, wo ein Teil der Urlaubstage bereits aufgebraucht war.

Glücklicherweise nahm der Chef der damaligen Marketing- und PR-Managerin die Teilnahme an der Show ganz locker und fand es erst sogar ganz witzig.

Die Dreharbeiten in Südafrika:

„Man darf sich das vorstellen wie in einem Landschulheim oder in einer Mädchenschule – und ich war tatsächlich auf einem Mädchengymnasium“, sagt Polzer. 20 Frauen ziehen in eine Villa ein – heute sind es 22 – und werden von der Außenwelt abgeschirmt. Keine Handys, keine Laptops, kein Internet. Auch Fernsehen, Bücher oder MP3-Player sind tabu. Schließlich sollen sich die Damen voll und ganz auf den Mann konzentrieren. Und eines ist natürlich klar: Unter diesen Umständen kommt es unweigerlich zu Konflikten innerhalb der Gruppe – genau wie im Dschungelcamp.

Auch sonst gab es einige Regeln zu beachten. Das Tragen eines Mikrofons war Pflicht. „Man muss sich das ein bisschen wie bei ,Big Brother’ vorstellen. Es gab Mikrofon-Zeiten von etwa neun bis 20 Uhr. Das wusste man auch von vornherein“, berichtet die einstige Kandidatin. Lediglich beim Duschen, auf der Toilette oder abends im Bett musste man es nicht tragen. Klar, dass die ein oder andere Kandidatin hin und wieder auch versuchte zu tricksen – allerdings vergeblich.

Ansonsten standen verschiedene Dates mit dem Bachelor auf dem Plan: Gruppen- und Einzeldates. Wer nicht zu einem Treffen geladen wurde, hatte Freizeit – oder musste zum Interview anrücken. Letztere standen ohnehin täglich auf dem Programm. Dabei ging es vor allem um die aktuelle Gefühlslage. „Es wurden schon immer gewisse Gefühle aktiv geschürt“, durch gezieltes Nachfragen der Redakteure vor Ort. Freizeit bedeutete für die Kandidaten aber auch nicht, dass sie machen konnten, was sie wollten. „Man konnte nicht einfach an den Strand gehen. Das ging alleine schon aus Sicherheitsgründen nicht.“ Und im Zweifelsfall musste man ohnehin abrufbar sein, denn das ist Teil der Sendung und somit Teil des Jobs.

So echt ist das Format:

Das ist doch eh alles vom Drehbuch vorgegeben und jeder spielt darin eine Rolle. Und sowieso zieht RTL bei allem die Fäden. Kritik dieser Art wird immer wieder laut. So ist es laut Anja Polzer aber nicht. „Die Szenen waren immer One-Shot, es wurde also nichts wiederholt“, sagt sie. Sie könne bezeugen, dass nie etwas gestellt wurde. Zudem seien den Kandidatinnen keine Rollen zugeschrieben worden. „Aber natürlich wurden die Kandidaten so ausgesucht, dass Charaktere dabei waren, die sich auch ohne Anweisung speziell verhalten.“

Auch welche Frau eine Rose erhält, soll allein beim Bachelor gelegen haben – zumindest zum großen Teil. Paul Janke habe ihr damals gesagt, dass er natürlich von Anfang an seine Favoritinnen hatte. Die blieben so lange wie möglich in der Show. Bei einigen anderen Frauen wurde nach Unterhaltungswert entschieden. „Paul hat es mal ehrlich in einer der Sendungen gesagt, warum beispielsweise Georgina (Anm. Redaktion: eine der polarisierenden Kandidatinnen der ersten Staffel, die 2013 Kandidatin im Dschungelcamp wurde) noch weiter dabei ist: Damit ihr Frauen noch was zu lachen habt“, berichtet Polzer. Sie ist sich jedoch auch sicher, dass RTL an manchen Entscheidungen nicht ganz unschuldig war und auch heute noch ist.

Der plötzliche „Ruhm“:

Von einem Tag auf den anderen stehen die Kandidaten im Fokus der Öffentlichkeit. Nach den vergangenen Staffeln wissen die Teilnehmerinnen, worauf sie sich einlassen. 2012 war das nicht der Fall. „Es war wirklich so, dass du von einem Tag auf den anderen bekannt bist. Beim Bäcker, im Supermarkt – egal wo, man wurde erkannt. Darauf hat uns keiner vorbereitet.“ Einerseits hat Anja Polzer die plötzliche Aufmerksamkeit genossen, andererseits aber auch versucht, auf dem Boden zu bleiben. „Das ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen.“

Was alles nach der Teilnahme an „Der Bachelor“ möglich ist, hat die Staffel-Siegerin aus 2012 den künftigen Kandidatinnen vorgelebt. Es folgten TV-Auftritte, Werbekooperationen, ein Playboy-Shooting, eine eigene Handtaschenkollektion und Einladungen zu glamourösen Veranstaltungen inklusive dem obligatorischen Auftritt auf dem roten Teppich. Allerdings: „Sich nur mit ,Der Bachelor’ in den Medien zu halten, ist nicht so einfach. Ich glaube, das verkennen viele. Man muss sich immer neu erfinden.“

Was die Kandidatinnen an der Show reizt:

„Ich glaube mittlerweile ist es für die Kandidatinnen nur noch ein Sprungbrett. Die Kandidatinnen nutzen die Show gezielt, um danach in den Medien weiterhin präsent zu bleiben.“ Dass jemand wirklich teilnimmt, um die große Liebe zu finden, kann sie sich nicht vorstellen. „Es haben ja jetzt alle schon Fan-Seiten und ihre Bookings haben sie auch bereits klar gemacht. Just for fun, wie wir damals, nimmt niemand mehr teil.“

Was den Zuschauer an der Show reizt:

„Für den Zuschauer ist es sicher auf der einen Seite der Voyeurismus, so wie auch bei ,Big Brother’ oder beim Dschungelcamp“, sagt Polzer. Es sei nunmal spannend, zu sehen, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten. „Denn nichts anderes als das ist die Show ja.“ Andererseits haben viele Zuschauer auch die Hoffnung auf ein Happy End inklusive wahrer Liebe und einer glücklichen Beziehung noch nicht aufgegeben. „In jedem steckt immer noch diese kleine Hoffnung.“

Tipp für die Bachelor-Kandidatinnen:

Die 31-Jährige rät den Frauen vor allem eins: Nicht den Job aufgeben. „Man sollte immer langfristig denken. Schließlich gibt es jedes Jahr eine neue Bachelor-Staffel, DSDS und Co.“ Es kämen jedes Jahr neue Leute aus diesen Formaten – und jeder wolle in den Medien bleiben. „So viele Medienjobs und Aufträge gibt es gar nicht“, sagt Polzer. Denn wer will schon für ein paar Monate durch Diskotheken tingeln und danach wieder in der Versenkung verschwinden? „Da muss man wirklich realistisch sein. Wenn man kein echtes Talent hat, nicht richtig gut singen oder schauspielern kann, dann kann ich den Kandidatinnen nur raten, das als schöne Erfahrung zu sehen – mehr nicht.“