Krimi

„Der Komissar und das Meer“ – Fahrerflucht auf Gotland

Robert Anders (Walter Sittler) ermittelt in der 20. Folge von „Der Kommissar und das Meer“ in einem rätselhaften Fall von Fahrerflucht.

Robert (Walter Sittler) erfährt von Ewa, dass Lucie zahlreiche alte Verletzungen hat, die nicht vom Unfall herrühren.

Robert (Walter Sittler) erfährt von Ewa, dass Lucie zahlreiche alte Verletzungen hat, die nicht vom Unfall herrühren.

Foto: ZDF und Stefan Erhard

Berlin.  Auf der Insel Gotland trügt der schöne Schein. Kommissar Robert Anders (Walter Sittler) ermittelt im 20. Fall der deutsch-schwedischen Co-Produktion von „Der Kommissar und das Meer“ in einem besonders rätselhaften Fall von Fahrerflucht. Der Filmtitel „In einer sternlosen Nacht“ verheißt es schon: Die Geschehnisse bleiben zunächst im Dunkeln.

Ein Mädchen ist verschwunden. Lucie, die hyperaktive achtjährige Tochter des Bäckers, hatte eigentlich Hausarrest. Aber sie kletterte aus dem Fenster ihres Kinderzimmers und radelte davon. Kurz darauf erhält Hauptkommissar Robert Anders den entscheidenden Anruf: Sie wurde gefunden, tot, offensichtlich überfahren. Vom Fahrer fehlt jede Spur. Doch ein Zeuge konnte ein Autokennzeichen liefern. Das führt zu Hannah Kroog, einer bekannten Politikerin, die sich als Spitzenkandidatin ihrer Partei gerade um das Amt der Regionalrätin bewirbt. War sie die Unfallfluchtfahrerin? Oder möchte ihr jemand die Tat in die Schuhe schieben, um ihre Wahlchancen zu vereiteln?

Ein komplexer Fall

Der Fall scheint eigentlich schon nach 13 Minuten geklärt. Nur ungern mag man glauben, dass das Auto der Politikerin am frühen Abend gestohlen wurde, wie sie aussagt. Und auch hinter der Aussage von Jenny, ihrem rätselhaften neuen Kindermädchen, vermutet man eine faustdicke Lüge: Sie will Hannah Kroog mit ihrem Mietwagen nach Hause gefahren haben. Was also ist passiert, in dieser sternenlosen Nacht, dass niemand die Wahrheit sagen mag?

Die Handlung ist komplex. Details, die den Tathergang betreffen, bleiben bis zum Schluss ungeklärt. Dafür gibt es immer neue, überraschende Wendungen, Nebenschauplätze und filmische Flashbacks, die Ermittlungen wie Erzählverlauf erschweren. Das Gespinst aus Lügen und Ungereimtheiten lässt die idyllische Insel Gotland zu einem Höllenort für Heranwachsende werden. Hinter der Fassade von vermeintlichem Familiensinn und schwedischem Möbeldesign lauern ungeahnte Abgründe: Kinder werden geschlagen, gequält, weggegeben. Kaum jemand ist das, was er vorgibt zu sein.

Ein Wiedersehen mit Pippi Langstrumpf

Da fragt man sich zwischendurch, ob die Geschichte von Annette Hess überhaupt für so ein Krimiformat taugt. Die Drehbuchautorin wurde schon für die ARD-Reihe „Weissensee“ gefeiert, die mit den bisherigen drei erfolgreichen Staffeln als eine Art „Dallas der DDR“ gilt und jetzt fortgesetzt wird. In dem 90-minütigen Gotland-Krimi fehlt die Zeit, um die Themen angemessen auszuspielen: Deshalb ist sehr viel Familiendrama auf einmal, Tränen und verzweifeltes Haareraufen inklusive. Allein Walter Sittler bleibt als Kommissar Robert Anders stets ruhig und unbeirrt. In einer Nebenrolle: der ehemalige Pippi-Langstrumpf-Kinderstar Inger Nilsson, heute 56, als Pathologin Ewa Svensson. Einer muss ja schließlich der moralisch Integre sein – und bleiben.

Fazit: Ein düsteres, abgründiges Familiendrama, getarnt als Inselkrimi mit schöner Aussicht auf das winterliche, schwedische Meer.

ZDF, 20.15 Uhr