ZDF-Serie

Bastian Pastewka spielt wütender als Walter White

Eine ZDF-Serie soll das deutsche Breaking Bad sein. Bastian Pastewka spielt nicht den neuen Walter White, aber verdammt gut.

 Jochen Lehmann (Bastian Pastewka) verheimlicht seiner Frau Julia (Susanne Wolff), dass er Falschgeld druckt.

Jochen Lehmann (Bastian Pastewka) verheimlicht seiner Frau Julia (Susanne Wolff), dass er Falschgeld druckt.

Foto: Martin Valentin Menke/zdf / dpa

Berlin.  Eigentlich ist Jochen Lehmann (Bastian Pastewka) ein ruhiger und unbescholtener Familienvater, der eine alteingesessene Druckerei im Umland von Frankfurt leitet. Seine beiden Töchter und sein Sohn komplettieren die Vorort-Idylle, doch trotzdem ist Lehmann nicht zu beneiden, denn er wird in der Abstellkammer eines zwielichtigen Geschäftes in der Frankfurter Innenstadt festgehalten. Zwar sucht Lehmann schnell nach einem Ausweg aus den Fängen des schmierigen österreichischen Ladenbesitzers, doch was ihn umtreibt ist die Frage, wie er nur dorthin gekommen ist.

In dieser und vielen anderen misslichen Lagen, fiebert der Zuschauer der ZDF-Miniserie “Morgen hör’ ich auf” mit der von Bastian Pastewka verkörperten Figur aus Bad Nauheim mit. Kritiker hatten die Serie vorab als das neue Breaking Bad bezeichnet. Und auch wenn Pastewka in Interviews Verbindungen zu der US-Erfolgsserie um den Drogenproduzenten Walter White abwiegelte: die Parallelen sind verblüffend. Zum einen arbeitet die Serie mit Rückblenden und Blicken in die Zukunft zum anderen wird die Hauptfigur von einem ehemaligen Comedy-Schauspieler dargestellt.

Im Büro des Bankberaters kocht die Wut über

Dabei ist von Komik bei “Morgen hör’ ich auf” zunächst wenig zu spüren. Die Geschichte von Jochen Lehmann startet so unbedarft und taumelt zwischen Langeweile, komisch wird es nur, wenn man sich die überzeichneten Nebencharaktere genauer ansieht. Diese Nebenfiguren reichen vom cholerischen Nachbarn über den heimlichen Liebhaber der Ehefrau bis hin zum abgehalfterten Mitarbeiter der Druckerei.

Das Leben plätschert dahin, die Finanzsorgen sind bei Lehmann gedanklich gut versteckt, auch im Haus lagern sie schwer auffindbar in einem Karton. Doch im kleinen Büro seines Bankberaters kocht Lehmanns Wut dann über. Ein heißer Kaffee landet auf dem günstigen Anzug des Bankers und Lehmanns Arm landet im Schwitzkasten eines Sicherheitsmitarbeiters.

Anders, aber nicht schlechter als Breaking Bad

Sowohl Bastian Pastewka wie auch Susanne Wolff (Ehefrau) und Moritz Jahn (Sohn) spielen einfach über die Momente hinweg, an denen der Zuschauer bei Pastewkas Comedy-Serien sonst Lacher erwarten würde. Stattdessen steigert sich nach diesen Szenen die Dramatik stetig. Und mit dieser Steigerung werden dann doch Unterschiede zu Breaking Bad deutlich: statt ins Drogengeschäft einzusteigen, entschließt sich Lehmann Falschgeld zu drucken. Entschlossen schreitet er dabei an den Druckmaschinen entlang, die ihm sein Schwiegervater samt der Firma überschrieben hat. Anders als der Drogenproduzent Walter White rastet Lehmann auch schon zu Beginn seiner kriminellen Karriere aus. Er verschüttet heißen Kaffee, spielt wütend seinen Tennispartner an die Wand und befreit sich gewaltsam aus den Fängen des österreichischen Kaufmanns in Frankfurt.

“Morgen hör’ ich auf” könnte für Bastian Pastewka den Weg in ernstere Rolle ebnen. Dabei hilft auch die professionelle Produktion hinter der ZDF-Serie, die lediglich bei der Musik Schwächen aufweist. Songs wie “Hit The Road Jack” während eines Tennis-Matches wirken zum Beispiel sehr überholt.

Hier gibt es die erste Episode in der ZDF-Mediathek.

“Morgen hör ich auf”, samstags um 21.45 Uhr im ZDF.