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Das ist der Alltag der ältesten Vierlingsmutter aus Berlin

Die 65-jährige Annegret Raunigk gibt Einblicke in ihren Alltag als älteste Vierlingsmutter der Welt. Wie gewöhnlich kann der sein?

Von Nadine Gewehr
Annegret Raunigk machte vor zehn Jahren schon einmal Schlagzeilen, als die damals 55-Jährige Mutter einer Tochter wurde.  Sie posierte mit Lelia fürs Foto.

Annegret Raunigk machte vor zehn Jahren schon einmal Schlagzeilen, als die damals 55-Jährige Mutter einer Tochter wurde. Sie posierte mit Lelia fürs Foto.

Foto: Patrick Lux

Köln.  Birgit Schrowange versucht alles; bohrt und fragt immer wieder nach. Aber eines scheint für ihre Gesprächspartnerin Annegret Raunigk festzustehen: Noch einmal schwanger werden möchte sie nicht. Sie habe auch noch anderes zu tun, sagt sie im Interview mit der Moderatorin des RTL-Magazins Extra. Ihr Studium der Belletristik beenden zum Beispiel. Zeit dürfte sie dafür allerdings momentan nicht haben, das hat die Homestory am Montagabend gezeigt. Die 65-Jährige ist alleinerziehende Mutter. Ihre Vierlinge sind nicht einmal ein Jahr alt. Und auch ihre zehnjährige Tochter verlangt derzeit viel Aufmerksamkeit. Raunigk hat mit dem Sender RTL inzwischen einen Exklusivertrag abgeschlossen.

Annegret Raunigk hat Anfang des Jahres weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Schwanger mit 65! Und dann auch noch mit Vierlingen! Die ehemalige Lehrerin hatte sich damals in der Ukraine künstlich befruchten lassen – mittels einer Methode, die in Deutschland verboten ist. Im Mai brachte sie ihre Kinder in der Berliner Charité per Kaiserschnitt zur Welt – viel zu früh. Auch das löste ein weltweites Medienecho aus.

Den Kindern ging es lange Zeit nicht gut; eines musste am Darm operiert werden, ein anderes erlitt eine Gehirnblutung und wird wohl ohne Hilfe nicht Laufen lernen können. Doch seit August gelten Bence, Fjonn, Neeta und Dries als fit. Zeit für Birgit Schrowange, zur exklusiven RTL-Homestory vorbeizuschauen.

Umzug von Berlin nach Höxter in NRW

Dafür musste sie allerdings nicht wie früher nach Berlin reisen, wo Annegret Raunigk lange gelebt hat, sondern ins nordrhein-westfälische Höxter. Hierher ist Raunigk mit ihren vier Kindern gezogen. Hier sei es „ruhiger als in der Hauptstadt“, erklärt sie.

Was Birgit Schrowange bei ihrem Besuch sofort auffällt: Die Türklingel hängt lose an einem Kabel. Oh je! Erste Anzeichen der Überforderung? Bekommt die 65-Jährige ihren Alltag nicht in den Griff? Lebt die Familie etwa in einer Bruchbude?

So ganz wird nicht klar, was die Moderatorin eigentlich sagen will. Es scheint, als suche sie krampfhaft ein Haar in der Suppe, Indizien für den triumphierenden Beweis, dass Frauen mit 65 Jahren zu alt zum Kinder kriegen sind: Die neuen Kinderstühle sind noch nicht aufgebaut, die Umzugskartons noch nicht alle ausgepackt. Die zehnjährige Tochter ist nicht immer ganz glücklich damit, ihre Mama nun mit vier Geschwisterchen teilen zu müssen. Und es gibt tatsächlich Nächte, in denen die frisch gebackene Mutter nur vier Stunden Schlaf bekommt. Doch was ist daran so außergewöhnlich, dürften sich nicht nur andere junge Mütter da fragen.

Raunigk scheint die Situation unter Kontrolle zu haben

Man kann Annegret Raunigk viel vorwerfen: das hohe gesundheitliche Risiko für Mutter und Kinder sowie die begrenzte Lebenszeit, die die 65-Jährige mit ihren Kindern verbringen wird, zum Beispiel. Aber Überforderung sieht anders aus. Abgekämpft wirkt sie, aber ist das so verwunderlich? Zumindest während des Besuchs des Fernsehteams scheint die älteste Vierlingsmutter der Welt die Situation unter Kontrolle zu haben.

Rätsel geben da ganz andere Dinge auf: Mehrfach weisen Annegret Raunigk und Birgit Schrowange darauf hin, dass die 65-Jährige ganz alleine dasteht. Das gilt in erster Linie in Bezug auf den fehlenden Mann im Haus. Doch der Zuschauer fragt sich unweigerlich: Was ist mit der restlichen Familie der Seniorin? Immerhin hat die 65-Jährige neben den vier Kindern zu Hause 13 weitere – insgesamt 17 Kinder von fünf Vätern und einem Samenspender. Ihre älteste Tochter ist 44 Jahre alt.

Vor zehn Jahren, als die damals 55-Jährige Mutter von Tochter Lelia wurde, war die Großfamilie noch zu Gast in der TV-Show von Günther Jauch. Schon damals ist eine gewisse Skepsis beim Raunigk-Nachwuchs zu spüren. Hat die Familie etwa nun, nach dem noch späteren Mutterglück, mit der heute 65-Jährigen gebrochen? In der RTL-Homestory ist kein Familienmitglied zu sehen, niemand hilft beim Kisten schleppen oder Windeln wechseln. Als die Kamera auf das riesige Familienfoto schwenkt, sind die abgebildeten Personen allesamt verpixelt.

„Unverantwortlich, egoistisch, verwerflich“

Moderatorin Schrowange verliert darüber kein Wort. Sie bleibt weiter unkonkret. Sie zeigt, wie anstrengend es ist, vier Säuglinge zu versorgen – und mit ihnen einen Umzug zu organisieren. Sie urteilt über die 65-Jährige, hängt sich aber nicht all zu sehr aus dem Fenster: Raunigk sei mit ihren Kräften wohl irgendwann am Ende. Aber zugeben würde die Vierlingsmutter das wohl nie. Die Relativierung kommt kurz darauf: Auch für junge Vierlingsmütter sei eine solche Situation nur schwer zu meistern.

Die harte Kritik an Annegret Raunigk überlässt Schrowange anderen, indem sie Schlagzeilen von damals wieder aufwärmt: „Psychisch krank“ sei die 65-Jährige, „unverantwortlich, egoistisch und verwerflich“ würde sie handeln. Die Kritik an ihrer Person kann Raunigk allerdings nicht verstehen. Auch das öffentliche Interesse an ihrer Schwangerschaft nicht. Sie sei doch eigentlich eine „ganz normale Frau“.

Und Sorgen um ihre Kinder müsse sich auch niemand machen. Sie habe „gute Gene“ und werde wahrscheinlich sehr viel älter als andere Menschen, sagt sie in die Kamera und lacht. Bis sie sterbe, seien ihre Kinder sicherlich längst erwachsen. Nur zur Erinnerung: Wenn die Vierlinge in die Pubertät kommen, geht Raunigk auf die 80 zu.