TV-Kritik

Kurt Wallander – Ein Skandinavier ermittelt in Kapstadt

Kenneth Branagh spielt einen kühlen Kommissar Wallander in hitziger Umgebung: Tolles Weihnachtskino mit einem Schuss Sozialkritik.

Wallander (Kenneth Branagh) und seine Kapstadter Kollegin Grace Mthembu (Bonnie Mbuli) ermitteln gemeinsam.

Wallander (Kenneth Branagh) und seine Kapstadter Kollegin Grace Mthembu (Bonnie Mbuli) ermitteln gemeinsam.

Foto: ARD Degeto/Yellow Bird/Left Bank

Berlin.  Eigentlich ist Kurt Wallander in Südafrika zu Besuch, um bei einer internationalen Konferenz in Kapstadt über den kleinen „Unterschied erfolgreicher Polizeiarbeit“ zu sprechen. Plötzlich bittet ihn die örtliche Polizei, mit einem schwedischen Landsmann zu reden, dessen Frau seit zehn Tagen vermisst wird: Axel Hedemann, der sich wie seine Frau Inga in einem kirchlichen Projekt sozial engagiert, ist aufgebracht und der schwedische Kommissar soll ihn beruhigen.

Der Ermittler gerät zunehmend selbst in Gefahr

Nur wäre der Mann aus Ystad eben nicht der erfolgreichste Kommissar Schwedens, wenn er bei dieser Gelegenheit nicht auch gleich praktisch vorführen könnte, was möglicherweise das Geheimnis erfolgreicher Polizeiarbeit ausmacht: Aufmerksam zuhören, genau beobachten, auf den Befragten möglichst vorurteilsfrei eingehen… Und erst ganz am Ende eigene Schlussfolgerungen ziehen. So beginnt er, auf eigene Faust zu ermitteln und gerät alsbald selbst in Gefahr.

Kenneth Branagh gibt diesen Wallander als wortkargen, zurückhaltenden Eigenbrötler seit 2008. Neunmal zeigte er schon den melancholischsten aller drei Wallander (neben Rolf Lassgård und Krister Henriksson). Ab dem ersten Weihnachtstag macht das Erste an drei aufeinander folgenden Tagen mit „Die weiße Löwin“, „Lektionen der Liebe“ und „Der Feind im Schatten“ das Dutzend der Branagh-Wallander komplett. Und lässt den bekannten Shakespeare-Darsteller gleich im ersten Teil zur Bestform auflaufen.

Letzten drei Folgen in Kooperation mit ARD

Anders als in der bereits 1996 mit Rolf Lassgård verfilmten Wallander-Episode spielt die neue „Weiße Löwin“ vollständig am Originalschauplatz Kapstadt. Das bringt Farbe in die Geschichte – nicht nur, was die Licht durchflutenden Bilder der grandiosen südafrikanischen Naturlandschaft betrifft. Gerade in der Millionenstadt Kapstadt werden auch die sozialen Unterschiede, die den einstigen Apartheidstaat immer noch prägen, krass spürbar. Die Hautfarbe spielt keine Rolle mehr. Wohl aber, wer Macht hat und sie unbedingt behalten will. So erhält die Folge eine sozialkritische, politische Dimension, für die skandinavische Krimis zwar bekannt sind, aber in dieser Klarheit bei einem Wallander noch nicht zu sehen war.

Zugleich sind es die letzten drei Folgen der erfolgreichen BBC-Reihe, die u. a. in Koproduktion mit ARD Degeto entstanden sind und auf den Romanen des im Oktober verstorbenen Autors Henning Mankell basieren. Benjamin Caron hat alle drei Filme inszeniert. Dramaturgisch klug durchdacht und mit wenigen gezielten Einstellungen eröffnet er weite Spielräume, die alle Mitspieler glänzen lassen. So gerät diese britisch-schwedisch-deutsche TV-Produktion am Ende zum Filmfest.

Fazit: Großes Fernsehkino mit einem gut dosierten Schuss Sozialkritik, hervorragend inszeniert und gespielt.

ARD, 25.12., „Die weiße Löwin“, um 21.45 Uhr

ARD, 26.12. „Lektionen der Liebe“, um 21.45 Uhr

ARD, 27.12., „Der Feind im Schatten“, um 21:45 Uhr

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