TV-Kritik

„Das beste aller Leben“: Familienfeste und andere Lügen

In „Das beste aller Leben“ will es ein Schraubenfabrikant noch einmal wissen. Ein kluger, unterhaltsamer Film über Familienkonflikte.

Foto: ZDF/Christian Hartmann

Berlin..  Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, es ist auch ein Fest für Freudianer. Wenn sich die Mitglieder einer Kernfamilie wieder treffen, werden gleich die alten Muster aktiv: die sich benachteiligt wähnende Tochter, der besserwisserische Bruder, der unzuverlässige Vater, die sorgenvolle Mutter. Oft kommen noch Schwager und Schwägerinnen dazu, die von den einen geliebt und von den anderen heimlich für grauenhaft gehalten werden. So oder ähnlich, sicher ist: die Neurosen wuchern und es gibt kein Entkommen.

Im Fernsehen konnte man das vor zwei Jahren anhand der Familie Maillinger besichtigen, „Beste Bescherung“ hieß die Folge. Schon seit 2009 gehört das großbürgerliche Ensemble rund um den Schraubenfabrikanten Karl Maillinger (Friedrich von Thun) zu den unregelmäßig wiederkehrenden Bekannten auf den Bildschirmen. In loser Folge erschien immer wieder eine Fortsetzung der Familiensaga um den Fabrikanten. „Beste Bescherung“ spielte tatsächlich in der Weihnachtszeit und exerzierte lustvoll alle Konflikte durch, die sich aus dieser Ausnahmesituation ergeben – die noch dadurch verschärft wurde, dass der Patriarch wegen eines Steuervergehens hinter Gitter musste.

Statt Weihnachten steht dieses Mal eine Taufe im Zentrum

Dass Uli Hoeneß, der in groben Zügen mit Karl Maillinger übereinstimmt, nun wirklich ins Gefängnis musste, gehört zu den lustigen Zufällen, über die sich Drehbuchautoren freuen.

Die diesjährige Folge heißt nun „Das beste aller Leben“, womit der bei den Maillingers fast naturgemäße Superlativ nach „Das Beste kommt erst“ (2008), „In den besten Familien“ (2012) und eben „Beste Bescherung“ erneut aufgegriffen wird. Diesmal steht eine Taufe im Zentrum, aber das ist für den Familienkonflikt ganz einerlei. Karl Maillinger kommt nach zwei Jahren aus dem Gefängnis frei und ist guten Mutes: Er will die Geschäfte wieder übernehmen. Das entspricht nicht ganz den Absprachen mit seiner Tochter Anna (Sophie von Kessel), die sich an der Spitze des Unternehmens ganz gut eingerichtet hat. In den ersten Szenen des Films kauft sie dem Alten einen Schaukelstuhl, um ihm die neue Rolle des Ruheständlers auch symbolisch zuzuweisen. Der reagiert in etwa so euphorisch, als hätte sie ihm eine dicke Spinne überreicht.

Gemeinsame Ausflüge zum Angeln

Regisseur Rainer Kaufmann, der auch für die bisherigen Folgen verantwortlich war, rückt von der ersten Minute an den Konflikt zwischen Tochter und Vater ins Zentrum seines Films. Dieser ergibt sich allerdings nicht nur aus der Konkurrenz um geschäftliche Aufgaben. Denn Karl Maillinger hat jemanden mitgebracht: seinen gut aussehenden, jungen Knastkumpel Edward (Christoph Letkowski). Die beiden stimmen andauernd gemeinsam Lieder an (was etwas aufgesetzt wirkt), lachen über dieselben Witze und gehen gemeinsam zum Angeln. Klar, dass so viel Zuneigung beim Rest der Familie auf wenig Gegenliebe stößt.

Fazit: „Das beste aller Leben“ ist ein kluger, unterhaltsamer Film über Familienkonflikte, der allerdings nicht an die Stärke des Vorgängers heranreicht.

K Dienstag (22. Dezember), ZDF um 20.15 Uhr