Als Stefan Raab kurz die Tränen kamen

Sechzehn Jahre lang hat er Radau gemacht und herumgeblödelt - am Mittwochabend verabschiedete er sich. So war die letzte Sendung von “TV total”.

Von Felix Müller

Stefan Raab, das war immer ein riesiges Grinsen, das in seinem Gesicht wie festgetackert wirkte. “Wir haben doch keine Zeit!”, rief er dann mit dem immer gleichen Rudern der Arme in den tosenden Applaus seines Studiopublikums hinein, 19 Jahre lang. Gestern tat er dies zum letzten Mal.

Und das hätte natürlich eine Art Nummernrevue werden können aus all den Jahren, in denen “TV total” Pro 7 halbwegs stabile Quoten hatte. Ein Rückblick im klassischen Sinn also. Aber Raab war nie ein Mann für das Klassische.

Stattdessen war nun Elton sein einziger Gast, er trug einen Weihnachtspulli. Und wie die beiden alten Herren auf dem Zuschauerbalkon der “Muppet Show” kabbelten sie sich ordentlich. Und sie sahen sie sich an, was sie in den letzten Jahren so an Unsinn angestellt hatten. Den Moment etwa, als sie zusammen ein Beauty-Center besuchten und sich mit Wachsstreifen den Allerwertesten enthaaren ließen, natürlich mit Schmerzensschreien. Oder die Aktion “Elton redet Bauch”, als Elton als vermeintlicher Bauchredner Passanten anquatschte, die tatsächlich gesprochene Stimme aber von Raab stammte. Und so weiter.

Das war lustig, und man begann es gleich zu vermissen. “Du hast einfach das beste Publikum der Welt”, sagte Raabs ewiger Assistent, und plötzlich schien sich alles in vorweihnachtlicher Wehmut zu wiegen.

Dann der Schlussakkord. “Heute ist der Tag des Abschieds”, sagte Raab. “Vielen Dank, dass Sie zugeschaut haben. Machen Sie’s gut. Danke schön.” Dabei brach ihm die Stimme und er weinte ein bisschen. Ein rührender, offenbar ungeplanter, stiller Moment eines Showmasters, der immer eher für die lauten Töne zuständig war. Auch wenn er am 19. Dezember letztmals mit “Schlag den Raab” zu sehen sein wird: Vermissen darf man ihn jetzt schon.