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Wenn Helene Fischer im „Tatort“ gegen Til Schweiger kämpft

In Berlin ist die „Tatort“-Doppelfolge aus Hamburg vorgestellt worden. Helene Fischer ist darin im Hamburger Milieu unterwegs.

Von Felix Müller
Fahri Yardim, Til Schweiger, Britta Hammelstein und Erdal Yildiz bei der Premiere (v.l.)

Fahri Yardim, Til Schweiger, Britta Hammelstein und Erdal Yildiz bei der Premiere (v.l.)

Foto: Clemens Bilan / Getty Images

Eigentlich hätte alles komplett anders laufen sollen. Der NDR kündigte eine „Tatort“-Doppelfolge mit Til Schweiger alias Nick Tschiller aus Hamburg an. Der geplante Ausstrahlungstermin war der 22. November und der darauf folgende Sonntag. Zu erwarten war das übliche Actiontrommelfeuer nebst Handlungsversatzstücken mit Alibifunktion. Nach diesem Rezept funktionieren die Tschiller-Fälle nun schon seit drei Jahren, und man muss ihnen zugestehen, dass sie häufig schneller und spannender sind als die übliche Durchschnittsware am Sonntagabend.

Dann aber ereigneten sich die Pariser Terroranschläge vom 13. November, und nun fand man den sehr gewalttätigen Krimi pietätlos und deplatziert. Man schob ihn auf den 1. Januar, nicht ohne öffentliche Beschwerde Schweigers. So kam es zustande, dass erst am Mittwoch in Berlin die beteiligte und die unbeteiligte Prominenz über den roten Teppich schritt, um den Film erstmals vorzustellen.

Das ist für einen „Tatort“ schon ungewöhnlich, angesichts des großen Aufwands und der bekannten Schauspieler – neben Til Schweiger ist auch die Erfolgsschlagersängerin Helene Fischer beteiligt – vielleicht sogar berechtigt. Dass die Deutschlandpremiere der Weltraumsaga „Star Wars“ am Mittwoch viel Aufmerksamkeit abzog, mag manchen schmerzlich berührt haben.

Die zweite Folge hält der NDR bislang streng unter Verschluss

Aber ist dieser „Tatort“, gedreht unter der Regie von Christian Alvart und geschrieben von Christoph Darnstädt, überhaupt so viel Aufhebens wert? Das kann man nur für die erste der beiden Folgen beurteilen, weil der NDR die zweite aus Angst vor Spoilern gegenüber Journalisten unter strengstem Verschluss hält – was wiederum alles denkbar erscheinen lässt, bis hin zu einem Tod Tschillers und einem damit verbundenen Ausstieg Til Schweigers aus der Serie. Nur zum Beispiel. Aber wir wollen hier nicht spekulieren.

Die spannendste Frage lautet sicher, was zum Geier eigentlich Helene Fischer im schwerkriminellen Hamburger Milieu verloren hat und wie sie sich da so macht. Bevor wir sie beantworten, vielleicht ein paar Worte zur Geschichte des Falles. Das Gerüst bildet wieder Nick Tschillers Kampf gegen den Astan-Clan, der von seinem Oberhaupt Firat Astan (Erdal Yildiz) vom Gefängnis aus gelenkt wird. Firat soll auf Betreiben des koksenden Hamburger Innensenators Constantin Revenbrook (Arnd Klawitter) nach Bayern verlegt werden, um sein Netzwerk ins Milieu zu zerschneiden.

Der Clanchef findet das natürlich nur mäßig amüsant und lässt nicht nur Tschillers Tochter Lenny (Luna Schweiger), sondern auch noch deren Mutter Isabella Schoppenroth (Stefanie Stappenbeck) entführen – um auf diese Weise Tschiller zu erpressen, ihn während der Überführung entkommen zu lassen.

Professionell produzierter Thriller

Das ist, wie die meisten Fälle von Nick Tschiller, wieder einigermaßen hanebüchen konstruiert und hinkt an etlichen Stellen. Aber es besitzt den schnellen Rhythmus eines professionell produzierten Thrillers, und wen die schauspielerischen Durchschnittsleistungen nicht stören, der kann sich davon durchaus unterhalten lassen.

Womit wir bei Helene Fischer wären. Die Pointe ihres Auftritts besteht darin, dass sie gar nicht schauspielern muss. Sie spielt die russische Auftragskillerin Leyla und ist eigentlich kaum zu erkennen – weil sie dunkle Haare hat und die Maske ihr absurd grüne Pupillen verschrieben hat. Sonst bleibt sie starr und sagt kaum ein Wort. Ob sie eine gute Filmdarstellerin ist, lässt sich mit diesem Krimi nicht beantworten.