Jubiläum

Die größten Aufreger – So politisch ist die "Lindenstraße"

Die „Lindenstraße“ wird 30 Jahre alt. Immer wieder wollte die Serie auch sozialkritisch sein. Einige Male sorgte sie so für Aufsehen.

Im März 1990 sorgte die „Lindenstraße“ mit dieser Szene für einen Tabubruch: Carsten Flöter (Georg Uecker) und Robert Engel (Martin Armknecht) küssen sich.

Im März 1990 sorgte die „Lindenstraße“ mit dieser Szene für einen Tabubruch: Carsten Flöter (Georg Uecker) und Robert Engel (Martin Armknecht) küssen sich.

Foto: Screenshot WDR.de

Berlin.  • 8. Dezember 1985: Die erste Folge der „Lindenstraße“ mit dem Titel „Herzlich willkommen“ wird ausgestrahlt. Zum Auftakt sieht man unter anderem die Familie Beimer, wie sie sich zur vorweihnachtlichen Hausmusik versammelt. Der Cliffhanger am Ende der Folge (siehe Video) ist in die deutsche Fernsehgeschichte eingegangen: Tochter Marion Beimer steht um Mitternacht mit blutendem Gesicht in der Tür – und dann setzt der Abspann ein. Erst in der nächsten Folge erfährt man, dass sie mit ihrem Freund in eine Schlägerei mit türkischen Jugendlichen geraten war. Ein offenes Ende in einer Serienfolge – das gab’s bis dahin noch nicht im deutschen TV.

• 9. Oktober 1988: Nachdem der CSU-Politiker Peter Gauweiler gefordert hat, das Bundesseuchengesetz auf Aids-Kranke anzuwenden, sagt die Serienfigur Chris Barnsteg: „Gauweiler und Co. – das sind doch alles Faschisten!“ Gauweiler reagiert mit einer Strafanzeige, 1990 erhebt die Kölner Staatsanwaltschaft tatsächlich Anklage wegen Beleidigung. Das Verfahren endet jedoch in allen drei Instanzen mit Freisprüchen. Die „Lindenstraße“ stehe als künstlerisches Produkt unter einem besonderen Schutz, hieß es.

• 25. März 1990: Die Serienfiguren Carsten Flöter und Robert Engel küssen sich leidenschaftlich. Für damalige Verhältnisse ein Skandal, der einen Aufschrei in der Boulevardpresse auslöst. Der Darsteller des Carsten Flöter, Georg Uecker, erhält sogar Morddrohungen. Das Bayerische Fernsehen sendet die Wiederholung dieser Folge nicht, was dem Sender den Vorwurf der Zensur einbringt.

• 31. Januar 2010: Die Serienfigur Jimi Stadler betreibt Politikerschelte: „Die Politik hilft uns auch nicht. Unsere Super-FDP: Die steckt’s den Hoteliers und den Ärzten hinten und vorne rein. Aber wir vom Handwerk, wir sind die Dummen. Wahrscheinlich, weil wir nicht gespendet haben.“ Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhardt Müller-Sönksen, beschwert sich beim Sender und spricht von einer „einseitigen Parteinahme“. Der WDR weist die Vorwürfe zurück und betont, die Figur spreche nicht für die ARD.

• 29. Januar 2012: Die Serienfiguren Caro und Josi rufen zu einem Flashmob gegen den Klimawandel auf: So viele Menschen wie möglich sollen sich am 2. Februar in allen Lindenstraßen Deutschlands vor der Hausnummer 3 versammeln. Die Münchner Polizei hält die Aktion für bedenklich: Auch eine friedlich angedachte und legale Aktion könne schnell zur Party ausarten, die Polizeieinsätze zur Folge habe. Die „Lindenstraße“ stellt daraufhin klar, dass es um einen Teil der Serienhandlung und nicht um einen realen Aufruf handle. In München bleibt die befürchtete Menschenansammlung aus.

• 17. August 2014: Unter den Bewohnern verbreitet sich das Gerücht, dass eine Moschee in der Lindenstraße gebaut werden soll. Dieser Handlungsstrang löst Kritik in sozialen Netzwerken aus. „Moschee, alles rosarot und soooo tolerant“, meckert ein Nutzer. Produzent Hans W. Geißendörfer erklärt: „Die Integration des Fremden ist ein Kernthema der ‘Lindenstraße’.“ Bis heute ist die Moschee nicht gebaut worden. Das islamische Gotteshaus werde aber verzögert kommen, kündigt Geißendörfer im Oktober 2015 an. (epd)