TV-Tipp

Karoline Eichhorn verleiht ARD-Krimi echte Kino-Qualität

In der Link-Verfilmung „Der Beobachter“ mimt Karoline Eichhorn eine unterkühlte Gattin. Die Schauspielerin glänzt mit Authentizität.

Von Karolin Jacquemain
Andreas Herzog führte die Regie bei „Der Beobachter“.

Andreas Herzog führte die Regie bei „Der Beobachter“.

Foto: ARD Degeto/UFA/Wolfgang Aichholz

Hamburg.  Fernsehgesicht. Kein Schauspieler würde das hässliche Wort freiwillig in den Mund nehmen. Ein Maler nennt sich schließlich auch nicht Farbkleckser. Aber Karoline Eichhorn lehnt sich sehr entspannt auf ihrem Stuhl zurück und sagt lachend: „Na klar, ich bin ein Fernsehgesicht.“

Aber natürlich ist Karoline Eichhorn viel mehr als das. Sie ist eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation. Wenn ihr Name auf der Besetzungsliste steht, ist der Filmtitel fast schon egal. Es gehört zu den Rätseln dieser Branche, warum Eichhorn hierzulande kein Star ist, sondern eine Darstellerin, die mit Fernsehrollen ihren Lebensunterhalt verdient. Das Leben von Karoline Eichhorn spielt sich nur selten auf roten Teppichen ab, sondern zwischen Theaterbesuch, Markt und Hausaufgabenbetreuung. Das ist ihr Alltag in Hamburg.

Eichhorn lehnte es mehrmals ab, Tatort-Kommissarin zu werden

Ihr Schauspieltalent stellt Eichhorn dann regelmäßig vor der Kamera unter Beweis. Dieses Mal spielt sie in einer Charlotte-Link-Verfilmung eine wohlstandsgelangweilte Ehefrau, die sich in eine Affäre mit dem Sportlehrer der Tochter stürzt. Es geht um Stalking und Mord, Liebe und Freundschaft, irgendwann ist jeder verdächtig. „Der Beobachter“ heißt der Film. Er ist gute Unterhaltung (Regie: Andreas Herzog). Seine Hauptdarstellerin ist besser. Fast überflüssig zu sagen, dass „Der Beobachter“ ein öffentlich-rechtlicher Krimi ist – so wie die allermeisten Stücke, die sich das deutsche Erzählfernsehen für das Publikum einfallen lässt. Eine Tatsache, über die Karoline Eichhorn sehr hübsch die Augen verdrehen kann. „Im Fernsehen ist alles immer Krimi, Krimi, Krimi. Mir gefällt das gar nicht, ich finde es schauspielerisch eindimensional“, stöhnt sie.

Das Angebot, sich als „Tatort“-Kommissarin eine größere Bekanntheit zu erspielen, sich einen sicheren TV-Job zu schnappen, hat sie mehr als einmal abgelehnt. Ob sie es manchmal bereut, sich in diesen Tagen nicht mit Til Schweiger und Ulrike Folkerts in der Champions League der ARD-Kommissare zu tummeln? Eichhorn gluckst und schiebt einen Blick hinterher, als habe ihr Gegenüber einen ziemlich schlechten Scherz gemacht.

Eichhorn setzt auf gesunden Abstand zu Filmbranche

Redet man mit Schauspielern über ihren neuen Film, wird in der Regel vom Regisseur bis zur Maskenbildnerin jedes Detail gelobt. Eichhorn erzählt lieber von der Musik in den Straßen von Manchester, die sie bei den Dreharbeiten von „Der Beobachter“ ständig begleitete. Aber sich über Branchenbelanglosigkeiten aufzuregen oder den zunehmenden Qualitätsverfall im Fernsehen zu bejammern, hat Eichhorn sich abgewöhnt. Was nicht mit Gleichgültigkeit gegenüber ihren Filmen zu verwechseln ist. Nur hat die 50 Jahre alte Schauspielerin es in ihrer Karriere niemals zugelassen, dass der Beruf sie auffrisst. Sie setzt auf gesunden Abstand.

Fazit: „Die Link-Verfilmung „Der Beobachter“ glänzt als Krimi durch die Authentizität seiner Hauptdarstellerin Karoline Eichhorn als unterkühlte Gattin, die ihre weibliche Seite enthüllt und schließlich um ihr Leben kämpft.

K Samstag, ARD, 20.15 Uhr