Hart aber fair

Wie Dunja Hayali AfD-Chefin Frauke Petry vergeblich lockte

AfD-Chefin Frauke Petry ist in Talkshows kaum zu packen. Bei „Hart aber fair“ versuchte es eine Kontrahentin auf unkonventionelle Art.

Wenn Frauke Petry eines kann, dann ist es, Kritik an ihr und der AfD abtropfen zu lassen.

Wenn Frauke Petry eines kann, dann ist es, Kritik an ihr und der AfD abtropfen zu lassen.

Foto: AXEL SCHMIDT / REUTERS

Berlin.  Nach gut einer Stunde gab Dunja Hayali scheinbar resigniert auf. „Sind Sie überhaupt zugänglich für irgendwas?“, fragte die TV-Moderatorin entnervt ihr Gegenüber, die AfD-Vorsitzende Frauke Petry.

Zuvor hatte die Parteichefin die Vorhalte und die Kritik aus Frank Plasbergs Montagsrunde bei „Hart aber fair“ routiniert an sich abtropfen lassen: Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit gebe es bei der AfD nur in Einzelfällen, von denen sie sich umgehend distanziere. Die Partei greife nur die Sorgen und Ängste aus der Mitte der Gesellschaft auf. Denn, so Petry: „Viele Menschen in Deutschland äußern nicht mehr was sie denken.“ Sie hätten Angst, „als rechtsradikal gebrandmarkt“ zu werden. So weit, so bekannt.

Anleihen bei „Aktenzeichen XY-ungelöst“

Frank Plasberg hatte seine Runde zum Thema „Vom Wutbürger zum Brandstifter – woher kommt der rechte Hass?“ zuvor mit einer Neuerung begonnen. In einer gut 15-minütigen Reportage wurde die Geschichte eines Brandanschlags auf eine Flüchtlingsunterkunft in der niedersächsischen Provinz erzählt. Mit nachgestellten Szenen in schummerigem Kneipenlicht und rekonstruierten Dialogen – es war ein bisschen wie bei „Aktenzeichen XY-ungelöst“ im ZDF.

Spannender als dieses etwas aufgesetzt wirkende Erzählformat ist die Erkenntnis: Es waren keine stadtbekannten Neonazis, die den Molotow-Cocktail auf das Haus warfen, keine organisierten Rechtsradikalen, keine Neonazi-Gang – sondern drei bis zum Tatabend unbescholtene Bürger, polizeilich nicht aufgefallene Männer, die da zu Gewalttätern wurden. Aber Alkohol hin, Gruppendynamik her - „Das sind Rassisten und nichts anderes!“, befand Hayali, die wegen ihrer Zuwanderungsgeschichte tagtäglich mit Hass-E-Mails übelster Sorte konfrontiert wird.

„Den Linksextremismus salonfähig gemacht“

Dies war der Zeitpunkt, wo nicht Frauke Petry, sondern Joachim Lenders, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, etwas klarstellen wollte, was anscheinend schon länger in ihm rumorte. Dieser Hass, diese Gewalt: „Von der linken Seite ist das nicht anders.“ Das hatte zwar auch niemand behauptet, aber das störte Lenders nicht. Man habe in Deutschland „den Linksextremismus salonfähig gemacht“. Über linke Gewalt habe es „solche Sendungen nicht gegeben“, polterte Lenders.

Die AfD-Chefin empfand dies offenbar als Ermunterung. Die angeblich unterschiedlich bewertete Gewalt – von links oder von rechts – gehöre „sehr wohl dazu“ in der Debatte. Im übrigen bekomme auch sie täglich Hass-Emails, die könne sie bei der nächsten Talkshow „gern mal mitbringen“, so Petry.

„Aus Unsicherheit entsteht Angst“

Deutlich wurde aber auch, dass Petrys AfD nicht nur die Schreihälse und Brandstifter auf ihrer Seite hat. „Aus Unsicherheit entsteht Angst“, schrieb eine Zuschauern in Plasbergs Gästebuch im Internet. Wie das dann aussehen kann, zeigte ein Interview, das die TV-Journalistin Hayali als Reporterin bei einer Pegida-Veranstaltung mit einer älteren Dame geführt hatte.

Was die Frau artikulierte, war kein dumpfer Fremdenhass, sondern ehrliche Sorge: um ihre Rente, um drohende Steuererhöhungen zur Finanzierung der Flüchtlingsbetreuung, um die Zukunft der Kinder und Enkel in einem Land, das sich rasant wandelt. Sie habe früher SPD gewählt, erzählte die Frau. Aber dass SPD-Chef Sigmar Gabriel von „Pack“ und „Mob“ gesprochen habe, das sei „nicht richtig“ gewesen.

„Pinocchio-Presse“ statt „Lügenpresse“

Und dann war ja noch das „Lock-Angebot“ Dunja Hayalis an die AfD-Chefin. Sie solle doch mal vorbeischauen gelegentlich, ob im Studio oder privat. Dann könne sich Petry, die ja immer die Presse der einseitigen Berichterstattung beschuldige, das gedrehte Rohmaterial ansehen. Da werde nichts manipuliert und weggelassen. Gleich dreimal lud die Moderatorin die Politikerin ein – doch Petry traute der Sache offenbar nicht und ließ ihre Antwort im Ungefähren. Man darf vermuten: Die beiden werden nicht zueinander finden.

Nur ein kleines Zugeständnis machte Petry: Die Pegida-Parole von der „Lügenpresse“ mache sie sich nicht zu eigen, so die AfD-Vorsitzende. Sie redet jetzt lieber von der „Pinocchio-Presse“. Petry fand ihre Idee lustig.