Tatort

Ermittler Thiel und Boerne jagen Täter im „Schwanensee“

Die beiden Ermittler aus Münster Thiel und Boerne bleiben im aktuellen Tatort auf Kurs. Es geht etwa auf Täterjagd im Schwanenteich.

Axel Prahl, (l) und Jan Josef Liefers als TV-Kommissare an Bord eines ungewöhnlichen Tretbootes auf dem Münsteraner Aasee.

Axel Prahl, (l) und Jan Josef Liefers als TV-Kommissare an Bord eines ungewöhnlichen Tretbootes auf dem Münsteraner Aasee.

Foto: ARD / WDR/Willi Weber

Münster.  Auf die Frage, welcher „Tatort“ uns wohl die erste Tretbootverfolgungsjagd bescheren dürfte, müsste man nicht überlegen, weil man sofort Münster sagen würde. Die Herren Thiel und Boerne alias Axel Prahl und Jan Josef Liefers sind ja seit Jahr und Tag damit beauftragt, ihre Auftritte im besten Fall komödiantisch, im schlechtesten klamaukig zu würzen, und das Publikum liebt sie dafür. Im aktuellen Fall „Schwanensee“ klappt das meistens ganz gut, auch wenn man spürt, wie anstrengend es sein kann, mit dem Rollenspiel die Erwartungen der Zuschauer ständig zu befriedigen.

Komik und ernster Krimi wechseln sich im Drehbuch ab

So stapft Boerne, der Meisterschnösel, erst mal auf Flossen und in voller Tauchermontur durch die Wohnung, weil das zu der Scherzkultur gehört, mit der man sofort punkten kann. Boerne will auf die Malediven, aber daraus wird natürlich nichts, auch wenn er schon im Taxi von Vater Thiel (Claus Clausnitzer) zum Flughafen sitzt (es gibt, wie wir längst verstanden haben, ja nur ein Taxi in Münster). Die Leiche einer schönen Frau wird im Pool eines Therapiezentrums für Psychofälle gefunden und stachelt Boernes Ermittlungsehrgeiz an. Die Unbekannte, so wird sich später herausstellen, war einem gewaltigen Betrug auf der Spur.

Neben den heiteren Scharmützeln, die sich Boerne und Thiel in bester Tradition ihrer Hassliebe liefern, schaffen die Autoren Thorsten Wettcke und Christoph Silber den beiden mit der Klinik und ihren durchgeknallten Patienten als Verdächtigen eine Spielwiese, auf der sie sich so richtig austoben können. Die Balance zwischen Krimi und Comedy halten sie mit Mühe.

Manches verliert sich in Klischees

Das Panoptikum bietet, vom Autisten, der in Computergeschwindigkeit herumrechnet, über den Dauerpöbler bis zur nymphomanen Sechzigerin, die dem leicht irritierten Boerne beim Gruppenmittagessen mit vier Fingern im Mund mehr als eindeutige Signale gibt, einen reichen Fundus für absurde Momente und politisch unkorrekten Humor. Natürlich ertrinkt manches dabei in einem Vollbad von Klischees, witzig allerdings ist vieles.

Dahinter indes geht die etwas kompliziert verstrickte Geschichte um Steuergekungel und Behördenverwicklungen beinahe verloren, aber das stört im Münsterschen „Tatort“-Universum ja nie wirklich. Man ahnt, dass Boerne und Thiel das Chaos letztendlich irgendwie entwirren werden, den Schuldigen schnappen, und mehr muss ja auch nicht sein. Selbst der Showdown auf dem Aasee wird zum einem Heiterkeitsspektakel. Immerhin schwingt sich das Duo in den großen weißen Tretbootschwan, der bei einem echten Fiedergenossen in Schwarz einst derartige Liebesgefühle auslöste, dass er ihm tagelang nicht von der Seite wich: Das ungleiche Paar beglückte wochenlang die Medien in ganz Deutschland.

Fazit: Münster wie es grinst und lacht. Der „Tatort“ kann hier nicht anders, und meistens geht es ja auch gut.

K ARD, 20.15 Uhr