TV-Krimi

Kommissarin Helen Dorn fehlen die zündenden Ideen

Der Film ist gewohnt solide aber in etwa so unübersichtlich wie ein Kriminalroman von Edgar Wallace. Und die Schauspieler enttäuschen.

Von Ulrich Schilling-Strack
Helen Dorn (Anna Loos, l.) und Gregor Georgi (Matthias Matschke, r.) ermittelten bislang gemeinsam. Damit ist nun Schluss.

Helen Dorn (Anna Loos, l.) und Gregor Georgi (Matthias Matschke, r.) ermittelten bislang gemeinsam. Damit ist nun Schluss.

Foto: Willi Weber / ZDF/ Willi Weber

Düsseldorf.  Krimis gibt es ja inzwischen wie Sand am Meer. Wer da nicht weggespült werden will, muss ganz schön strampeln, also den Kommissar mit einem monströsen Psychoknacks auspinseln und die Geschichten so schräg wie nur eben möglich erzählen.

Freunde des klassischen Krimis stehen dieser Entwicklung eher kritisch gegenüber. Aber auch für sie ist was im ZDF-Angebot, etwa diese Helen Dorn. Die wohnt beim Papa, verzieht nie das Gesicht, und die Fälle erinnern irgendwie an Edgar Wallace: möglichst viele Verdächtige, mehr falsche Spuren, als der Hexer Masken hat. Aber so sehen Sieger aus: Helen Dorn bringt Quote, satte acht Millionen gleich zum Auftakt der Serie.

Die Hauptfigur Matthias Matschke muss auf rätselhafte Weise gehen

Teil vier serviert uns aber erst mal den Abschied von einer Hauptfigur. Gregor Georgi hört auf. Matthias Matschke hat einen neuen Job beim Magdeburger „Polizeiruf“ gefunden. Man plane eine „dramaturgische Neuausrichtung“, heißt es etwas rätselhaft beim ZDF. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Ob sich durch Matschkes Abschied die Betriebstemperatur der Dorn-Reihe erhöht, bleibt abzuwarten. Der vielseitige Schauspieler fügte sich Leo P. Ards überraschend biederem Drehbuchschema und legte seinen Georgi so hölzern wie einen Buchhalter an. Aber gegen Anna Loos war er geradezu ein Temperamentsbolzen. Eisig wie die Schneekönigin stapft diese Dorn einmal mehr durch eine schier unüberschaubare Flut von Verhören, Ermittlungen, Todesfällen. Anna Loos verzieht nicht einmal eine Miene, wenn der Papa in Todesgefahr gerät.

Dann noch eine tote Richterin und das Verwirrspiel ist perfekt

Das muss man mögen, und natürlich auch einen überkonstruierten Fall wie diesen. Ein soeben entlassener Sexualtäter wird erhängt aufgefunden. Seine Freilassung hatte für erheblichen Unmut in der Bevölkerung gesorgt. Mahnwachen bauten sich vor seiner Wohnung auf, es gab heftigste Drohungen. Als kurz darauf auch noch die Richterin, die seine Verurteilung aufgehoben hatte, tot aufgefunden wird, graben Dorn und Georgi in der Vergangenheit und werden fündig: Zwei weitere Morde scheinen ins Bild zu passen, und nun wird es endgültig unübersichtlich.

Was hat der pensionierte Kommissar damit zu tun, was weiß Dorns Papa, gibt es vielleicht ein dunkles Geheimnis in dessen Skatrunde, und warum erlaubt sich das ehe schon vollgepackte Drehbuch auch noch solch einen Ballast wie die Liaison zwischen dem Anführer des Bürgermobs und dem Opfer der angeblichen Vergewaltigung? Viele Wendungen also, aber keine einzige zündende Idee. Es ist eben, wie es ist, und alles bleibt, wie es war: Anna Loos also so wortfaul und mürrisch wie Matthias Matschke ein bornierter Bürokrat. Beide können mehr.

Fazit: Dutzendware vom Fließband. Dennoch erfolgreich, weil man als Krimifan mit Exotik überfüttert wird. Wer dauernd Rote-Bete-Carpaccio und Steinpilzrisotto aufgetischt bekommt, freut sich eben auch mal über ein Kotelett.

K ZDF, 20.15 Uhr