Fernsehen

ProSieben hat wegen „Wild Island“ Ärger mit Tierschützern

ProSieben startet mit „Wild Island“ eine neue Überlebensshow - und handelt sich schon vorab harsche Kritik von Tierschützer ein.

So sieht der Überlebenskampf bei ProSieben aus: Die Kandidaten von "Wild Island" leben vier Wochen auf der unbewohnten Pazifikinsel Gibraléon vor Panama.

So sieht der Überlebenskampf bei ProSieben aus: Die Kandidaten von "Wild Island" leben vier Wochen auf der unbewohnten Pazifikinsel Gibraléon vor Panama.

Foto: P4444/_ProSieben / obs

Berlin.  Ob Charles Darwin, als er im 19. Jahrhundert über die Galapagos-Inseln streifte, Tiere beobachtete und dabei zu seiner Theorie des „Survival of the Fittest“ kam, jemals geglaubt hätte, dass sich seine Erkenntnis als Zauberformel der TV-Unterhaltung entpuppen würde? Und ob ihm die vielen, vielen Shows gefallen hätten, die in den vergangenen Jahrzehnten dies zum obersten Prinzip machten? Falls ja: Der TV-Herbst 2015 wäre für ihn ein Fest geworden.

Selten hatte die versammelte Voyeursgemeinde so eine breite Auswahl an Survival-Shows: Auf DMAX muss sich gerade ein Pärchen nackt im Nirgendwo durchschlagen. Der US-Sender National Geographic Channel setzt zwei Fremde mit einem Boot auf offener See aus. Und beim Bezahl-Sender History kann der Zuschauer Woche für Woche zehn Männern noch einmal beim Überlebenskampf in der Natur zuschauen. Und nun legt auch noch ProSieben mit einer eigenen Show nach: „Wild Island“ - Sie startet an diesem Sonntag um 23.10 Uhr, danach ist sie täglich um 22.15 Uhr zu sehen.

Es wird gekreischt, geweint, geblutet

Im Trailer wird gekreischt, geweint, geblutet. Und es gibt Tiere zu sehen, wilde Tiere. „24 essbare Arten... du bist eine davon“, heißt es auf der Internetseite der Show, daneben schwimmt ein Alligator lauernd im Wasser. Und täglich brutzelt bei den Urwald-Pionieren der Grill. Und das ist vermutlich der Grund, dass die Show sofort ihre Gegnerschaft auf den Plan gerufen hat.

„Dass Laien dazu befugt sein sollen, Vögel, Fische, Schweine und sogar Reptilien zu schlachten, ist aus Tierschutzsicht völlig inakzeptabel“, kritisierte der Deutsche Tierschutzbund kurz vor Ausstrahlungsbeginn in Bonn. Es sei traurig, dass es offensichtlich immer skandalöserer Situationen und drastischerer Bilder bedürfe, um die Zuschauerquote zu erreichen, hieß es dagegen vom Tierschutzbund.

#StopWildIsland - Auch auf Twitter wird protestiert

Auch im sozialen Netzwerk Twitter meldeten sich viele Gegner unter dem Hashtag „#StopWildIsland“. „In einer Welt, in der man bestens anders überlebt, müssen keine Tiere gequält werden. Danke für nichts“, schrieb „NIKA“ - ein anderer äußerte aber den Verdacht, dass ProSieben die PR gerade recht komme. Protest von Tierschützern ist von TV-Sendern immer wieder als wohltuend für die Quote empfunden worden.

ProSieben widersprach den Kritikern. „Alle Abenteurer wurden in einem Survivaltraining unterrichtet, wie man Tiere artgerecht tötet“, sagte Sendersprecher Christoph Körfer. „Im Cast ist mit Gregor ein Jäger, der auf einem Bauernhof lebt und seit Jahren Erfahrungen mit dem Leben und Töten von Tieren hat.“ Er bemängelte, dass keiner, der das Programm anklage, eine Folge von „Wild Island“ gesehen habe.

Kein Kamerateam, kein Eingriff von außen

Die Kandidaten hatten während des Drehs jedoch andere Gedanken im Kopf. „Ich war noch nie so an meinen Grenzen“, sagt Kandidatin Irina und blickt dabei erschöpft in die Kamera. Normalerweise verkauft die 21-Jährige Schuhe. Jetzt ist sie oft barfuß unterwegs auf einer Insel im Pazifik. Gemeinsam mit 13 anderen deutschen Kandidaten geht es vier Wochen lang darum, Essen zu finden, Wasser und einen Schlafplatz. Die Männer und Frauen filmen sich dabei gegenseitig. Kein extra Kamerateam, kein Eingriff von außen, verspricht der Sender.

„Sie kämpfen nicht um Geld und Ruhm. Sie kämpfen ums pure Überleben“, prophezeit eine düstere Stimme im Trailer. Der Zuschauer schaudert. Und das will er auch, erklärt Mediensoziologe Rainer Winter. Zur Vorbereitung. „Das Fernsehen ist heute nicht mehr nur Unterhaltung“, sagt der Forscher, „der Zuschauer will auch etwas lernen.“

TV-Überlebenskampf mit richtigen Helden?

In unsicheren Zeiten hätten die Menschen Angst vor Terror, Klimakatastrophen oder um den eigenen Job, sagt er. Deshalb erscheine ein Überlebenskampf durchaus als etwas, was den Menschen passieren könne. „Der Zuschauer möchte wissen: Was geschieht, wenn so eine Situation eintritt? Welche Kompetenzen brauche ich?“ Sich auf diese Weise vorzubereiten, wirke auf die eigenen Ängste beruhigend, erklärt Winter.

Außerdem reizen offenbar viele Menschen die klaren Rollen solcher Formate: Während die meisten TV-Serien von Anti-Helden dominiert würden, gehe es in den Survival-Shows um den klassischen Helden, um Stärke und darum, sich zu beweisen, so der Experte.

Wenn es danach geht, wird „Wild Island“ wohl zum Erfolg. Denn: Gelegenheiten, sich im Überlebenskampf zu beweisen, bieten sich auf der einsamen ProSieben-Insel reichlich. Oder um es mit dem Sender zu sagen: „1,4 Trilliarden Liter Wasser... und nichts zu trinken.“ (dpa)

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.