TV-Satire

Wie Olli Dittrich in der ARD Franz Beckenbauer entlarvte

Eine Viertelstunde TV-Hochgenuss. Olli Dittrich entlarvte als Beckenbauer-Double „Schorsch Aigner“ in der ARD die Verlogenheit im Fifa-Skandal.

Von Walter Bau
Olli Dietrich ist Schorsch Aigner.

Olli Dietrich ist Schorsch Aigner.

Foto: Beba Lindhorst/WDR / dpa

Berlin.  Die Affäre um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland lässt eine völlig neue Seite an Franz Beckenbauer hervortreten: Er schweigt. Der ehemalige TV-Co-Kommentator und „Bild“-Kolumnist, der zu jedem Doppelpass und zu jedem Eckball etwas zu sagen wusste – plötzlich lässt er die Reporter-Mikrofone links liegen und hüllt sich in Schweigen.

FIFA-Skandal, Gekauftes Sommermärchen? War da was?

Für Beckenbauer ließ TV-Komiker Olli Dittrich am Donnerstagabend in der ARD Schorsch Aigner reden. Jene Kunstfigur also, die den deutschen Fußball-Kaiser jahrzehntelang bei öffentlichen Auftritten oder Werbe-Spots gedoubelt haben will. Jetzt, da in Deutschland die Wellen der Empörung über FIFA und DFB hochschlagen, flieht Aigner per Privatjet ins Ausland. Denn: „Ich habe die Nase voll von dem Rummel.“

Auf dem Flug gibt er aber noch schnell ein Exklusiv-Interview.

Was Olli Dittrich, der fantastische Verwandlungskünstler des deutschen Fernsehens, aus dieser Konstellation macht, ist große Kunst. Er schlüpft in die Rolle des „Aigner Schorsch“, der anstelle Beckenbauers mit den Großen des Fußball-Business umgeht; der mit „dem Scheich in Katar“ speist (“Es gab ein opulentes Essen“), dem man für seine Großzügigkeit (“Mädels mit transparenten Kleidungsstücken!“) gern einmal eine Gefälligkeit tue. Daraus entspinnt Aigner/Dittrich eine haarsträubende Geschichte, die jener Geschichte, die der reale Beckenbauer dem ebenfalls realen DFB-Chef Wolfgang Niersbach erzählte, an Abstrusität ins nichts nachsteht.

Nicht zum ersten Mal musste Schorsch Aigner ran. Bereits im Sommer hatte Dittrich dem TV-Publikum den vermeintlichen Doppelgänger als „der Mann, der Franz Beckenbauer war“ präsentiert. Die im Stil einer TV-Dokumentation angelegte ARD-Satire wurde seinerzeit zu einer Sternstunde des deutschen Fernsehschaffens.

Dittrichs genialer Trick: Er lässt seinen Schorsch Aigner sprechen, doch jeder weiß: Hier ist Beckenbauer selbst gemeint. Was ist Realität, was Satire? Die Grenzen verschwimmen. All die Kungeleien mit „den Zwergstaaten“, die dem FIFA-Boss Sepp Blatter die notwendigen Stimmen sichern; all die „wattierten Umschläge“ mit Geld, die unter den Türen durchgeschoben wurden; all die Tricks, um die Schmiergeldzahlungen zu vertuschen - Schorsch Aigner, der Doppelgänger, nimmt am Ende die Schuld auf sich. „Der Franz“ selbst habe mit alledem „nichts, aber auch gar nichts zu tun. Es ist eine Tragödie“. Aigners gespielt bitteres

Resumée: „Es ist zu viel Geld im Spiel.“

Egal, ob der real existierende Franz Beckenbauer demnächst sein Schweigen bricht. Und egal was er uns dann sagen wird - er wird es schwer haben, diesen Auftritt Dittrichs zu toppen.