TV-Krimi

"Polizeiruf 110" - Olga Lenski ermitteln nun im Grenzgebiet

Nach dem Abgang von Polizeihauptmeister Krause wird TV-Kommissarin Olga Lenski nach Polen versetzt und bekommt einen neuen Kollegen.

Von Jeanette Bederke
Vor dem deutsch-polnischen Kommissariat in Swiecko reden Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon, r.) und ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) über ihren ersten gemeinsamen Fall. Ausgestrahlt wird der „Polizeiruf 110“ im Dezember 2015

Vor dem deutsch-polnischen Kommissariat in Swiecko reden Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon, r.) und ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) über ihren ersten gemeinsamen Fall. Ausgestrahlt wird der „Polizeiruf 110“ im Dezember 2015

Foto: rbb/Conny Klein

Der Beifall kommt bereits mit den ersten Bildern. Als der neue deutsch-polnische "Polizeiruf" des RBB als Preview über die große Kinoleinwand in Frankfurt (Oder) flimmert, klatschen die mehr als 300 Gäste spontan. Unter ihnen auch Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke, der später von einem „gelungenen Auftakt“ sprechen wird. „Frankfurt und Slubice haben sich als gute Kulisse verkauft.“ Der neue „Polizeiruf 110“ zeigt in seiner ersten Einstellung ein malerisches, grünes und sonniges Oder-Panorama, im Hintergrund die Silhouette der deutschen Grenzstadt.

Was dann folgt, sind 90 Minuten inhaltlicher Neuanfang: Nachdem Polizist Horst Krause in den Ruhestand gegangen ist, wird Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski, gespielt von Maria Simon, an die deutsch-polnische Grenze versetzt – in ein binationales Kriminalkommissariat mit Sitz im polnischen Swiecko am früheren Autobahn-Grenzübergang Frankfurt.

Was zunächst klingt, wie reine Fiktion, ist es eigentlich gar nicht. Hat doch hier seit acht Jahren das gemeinsame Zentrum der deutsch-polnischen Polizei- und Zollzusammenarbeit seinen Sitz. Vor zwei Jahren waren die Redakteure des RBB-"Polizeirufs" erstmals bei dessen Koordinator Ulf Buschmann, um ihm ihre Ideen vorzustellen.

Der Krimi soll möglichst nah an der Realität sein

„Was Sie da erfinden, planen wir bereits“, lautete damals der Kommentar des Polizeioberrates, der am neuen deutsch-polnischen Polizeiabkommen mitgearbeitet hat, welches im Sommer 2015 in Kraft trat. Es ermöglicht mit seinen Regelungen, größere Befugnisse deutscher und polnischer Ermittler im jeweils anderen Land, beispielsweise die Anwendung der Schusswaffe oder die Möglichkeit von Festnahmen mutmaßlicher Täter.

Buschmann fungierte beim Entstehen des neuen "Polizeirufs" als Berater und neudeutsch „Realitychecker“, denn der binationale Neuanfang sollte so realitätsnah und authentisch wie möglich werden. „Ist er auch, obgleich die polizeiliche Alltagsarbeit wesentlich langweiliger ist, als im Film“, bemerkt der Ermittler.

Gemeinsame Streifen-Dienststelle und Ermittlungsgruppe

Was es allerdings noch nicht gibt, ist so eine gemeinsame deutsch-polnische Mordkommission, muss Buschmann einschränken. „Aber es gibt zumindest Vorläufer: Die Bundespolizei und der polnische Grenzschutz haben eine gemeinsame Streifen-Dienststelle, die sächsischen Kollegen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit den polnischen Kollegen.“ Und Brandenburg würde gegenwärtig mit Verantwortlichen der Wojewodschaft Gorzow genau über so ein gemeinsames Kommissariat verhandeln.

Stolz ist der Koordinator des gemeinsamen Zentrums, dass seine Dienststelle in Swiecko als Kulisse im Film immer wieder auftaucht. „Die Dreharbeiten im Sommer waren sehr aufwändig, aber die Darstellung deutsch-polnischer Kooperation ist ja im polizeilichen Interesse“, so Buschmann.

Darsteller gefeiert wie Hollywood-Stars

Wie zeitraubend Filmaufnahmen sein können, hatten auch zahlreiche Studenten der Frankfurter Europa-Universität Viadrina damals erfahren müssen. Einen ganzen Sommertag lang hatten viele von ihnen in einem der Hörsäle verbracht – als Statisten für eine Episode. Gezeigt wurden im Film davon dann etwa 20 Sekunden, wie einige bei der Preview enttäuscht feststellen mussten.

Die beiden Hauptdarsteller Maria Simon und Lucas Gregorowicz als ihr neuer polnischer Kollege Adam Racek werden vom Frankfurter Publikum dennoch gefeiert wie Hollywood-Stars und müssen eifrig Autogramme geben. Und auch die polnischen Schauspieler kommen an. Überhaupt wird im neuen Polizeiruf viel Polnisch gesprochen; und das ganz ohne deutsche Untertitel.

Endlich einmal in seiner Muttersprache spielen dürfen

„Wir erfahren eine neue Lebendigkeit durch die polnischen Kollegen. Das inspiriert mich“, sagt Simon. Der gebürtige Pole Gregorowicz freut sich, endlich einmal in seiner Muttersprache spielen zu dürfen. Und der ebenfalls polenstämmige Regisseur Jakob Ziemnicki, der mit deutsch-polnischen Klischees spielt, erinnert sich vor allem an das „babylonische Sprachgewirr“ am Set. „Amtssprache war Englisch – das verstanden sowohl die Polen, als auch die Deutschen“, sagt er.

Das Publikum im Frankfurter Kino beeindruckt er vor allem mit den immer wiederkehrenden Aufnahmen aus der Vogelperspektive: So schön haben sie den einstigen Grenzübergang Autobahn, die mehrspurige Brücke über die Oder oder auch die Frankfurter Stadtbrücke nach Slubice wohl noch nie gesehen.

Für Buschmann ist das, womit sich Lenski und Racek in ihrem ersten Fall auseinandersetzen müssen „durchaus vorstellbar“. Es geht um einen polnischen Studenten der Frankfurter Uni, um tschetschenische Flüchtlinge, illegale Boxkämpfe und deutsch-polnische Befindlichkeiten. Während des Falles wechseln die Ermittler ständig die Oderseite, „Grenzgänger“ eben, wie auch der Film betitelt ist, der am 20. Dezember 2015, um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird. Übrigens am selben Tag wie im polnischen Telewizja Polska, mit dem der RBB erstmals zusammen arbeitete.

Anfang dieser Woche fiel bereits die Klappe zum zweiten deutsch-polnischen "Polizeiruf", auf den Buschmann während der Dreharbeiten erneut als „Realitychecker“ eingesetzt wird.