Flüchtlingskrise

Günther Jauchs Talkrunde taumelt ihrem Ende entgegen

Der Zustrom der Flüchtlinge nach Europa verläuft chaotisch. So gesehen, war Günther Jauchs Talkrunde ein Abbild der Lage.

Der Moderator Günther Jauch wirkt in den letzten Ausgaben seiner Sendung nicht gerade motiviert.

Der Moderator Günther Jauch wirkt in den letzten Ausgaben seiner Sendung nicht gerade motiviert.

Foto: Karlheinz Schindler / dpa

Die einen fordern die „Festung Europa“, wollen die „europäischen Außengrenzen sichern“ und sehen Deutschland angesichts der Flüchtlingskrise „in einem völlig rechtlosen Zustand“, seit die Bundeskanzlerin die Grenzen für Tausende Zuzügler auf der Balkanroute öffnete. Sie setzen auf Abschreckung und Abschottung.

Die anderen sprechen unter dem Eindruck der langen Trecks verzweifelter Menschen, die in provisorischen Unterkünften fast ohne Lebensmittel ausharren, von der „Vorhölle Europas“ und mahnen „endlich eine gemeinsame Reaktion“ der Europäischen Union an angesichts dieser dramatischen Lage an. Sie stellen Humanität vor Prinzipien.

Eine Talkshow als Abbild des Gipfels

So ähnlich wie bei Günther Jauchs ARD-Runde muss auch die Konstellation in Brüssel gewesen sein, wo parallel am Sonntagabend die Staatenlenker von zehn EU-Ländern beim Krisengipfel um eine gemeinsame Haltung pokerten. Die Flüchtlingspolitik stürzt die Europäische Union in die wohl tiefste Krise ihres Bestehens. Wie konträr die Positionen, wie verhärtet die politischen Fronten und wie wenig bereit beide Seiten sind, auf die Argumente der Gegenseite einzugehen - der Jauch-Talk war ein Paradebeispiel dafür.

Frank A. Meyer (der mit der „Festung“), Schweizer Journalist mit Wohnsitz Berlin, findet: „Die Politik hat die Kontrolle verloren.“ Doch statt entschlossen zu handeln und die „Dinge zu kanalisieren“, habe sich in Berlin „eine publizistisch-politische Glaubensgemeinschaft gebildet“. Man habe sich festgelegt darauf, die Flüchtlinge ins Land zulassen. „Aber wer fragt uns denn?“, fragt Meyer und erhält großen Beifall.

Es geht jeder gegen jeden

Sein Widerpart an diesem Abend: Hans-Ulrich Jörges (der mit der „Vorhölle“). Auch er Journalist, auch er in Berlin zuhause. Und doch eine Stimme wie aus einer anderen Welt. Vielleicht deshalb, weil sich Jörges gerade in Slowenien umgesehen hatte, wo Zehntausende Flüchtlinge bei Kälte auf schlammigen Feldern campieren. „Das ist die Schande Europas“, kontert Jörges mit großem Pathos Meyers Haltung. Europa sei „schon lange keine Wertegemeinschaft mehr. Es geht jeder gegen jeden und fast alle gegen Deutschland“, findet Jörges.

Doch es sind nicht nur die unterschiedlichen Meinungen. Es ist auch der Umgang miteinander, der - in Europa wie bei Günther Jauch - zu wünschen übrig lässt. Ein ums andere Mal fallen sich die Kontrahenten eitel ins Wort, keifen sich gegenseitig an. Zuhören? Wieso, man hat doch sowieso recht! Mittendrin ein Moderator, der fast hilflos um Ordnung fleht (“Einer nach dem anderen“) und den Eindruck vermittelt, als wolle er die letzten Sendungen bis zum seinem Abschied von der ARD Ende November nur noch irgendwie über die Runden bringen. Eine traurige Veranstaltung.

Und sonst? Gauweiler, Brok, Jörges - drei Gäste mit Schnauzbart in einer Talkrunde. Hat man auch nicht alle Tage.