Tatort

„Preis des Lebens“: Ermittler in der Gewissenskrise

Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) treffen auf gewalttätige Renter und Selbstjustiz.

Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) laufen im Tatort „Preis des Lebens“ der Zeit hinterher.

Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) laufen im Tatort „Preis des Lebens“ der Zeit hinterher.

Foto: Stephanie Schweigert/SWR / dpa

Stuttgart.  Was, wenn die Guten zu den Bösen werden? Wenn ein Rentnerehepaar, Marke die Netten von nebenan, einen Verbrecher hinrichtet, der nach verbüßter Strafe gerade mal eine Stunde aus dem Knast heraus ist? Und was, wenn die beiden alles tun, um den Komplizen auch noch in ihre Fänge zu bekommen? Rache ist der Antrieb in Roland Suso Richters Stuttgarter „Tatort: Preis des Lebens“, der ein bisschen leichtfertig mit der Selbstjustiz hantiert.

Schauspielerisches Glanzstück

Das Drehbuch von Holger-Karsten Schmidt liefert uns die Täter früh aus, aber das muss ja kein Fehler sein, wie man aus vielen Krimis gelernt hat. Die Eltern wollen den Tod ihrer Tochter rächen, die vor 15 Jahren vor laufender Videokamera von zwei Männern auf abscheuliche Weise ermordet wurde.

Der Züricher Bühnenschauspieler Robert Hunger-Bühler und Michaela Caspar liefern ein schauspielerisches Glanzstück an Understatement ab als graues, desillusioniertes Paar auf dem Grat zwischen schmerzvoller Erinnerung und dem wach gebliebenen Antrieb, die Schuldigen zu richten. Mehr ist von ihrem traurigen Leben nicht geblieben, ihre trostlosen Gesichter zeugen von den vielen schweren Stunden, die sie durchlebt haben. Dass der Film Verständnis für ihr Tun signalisiert, zumal ihr Opfer ein besonders widerlicher Geselle ist, stößt freilich unangenehm auf.

Vom Schicksal verprügelt

Sind die Täter bekannt und ist ihr Motiv klar, bleibt der Regie immer noch der Wettlauf gegen die Zeit, und für den entscheidet sich Roland Suso Richter. Die Alten entführen die Tochter des Ermittlers Bootz (Felix Klare) und stürzen ihn in die für einen Polizisten schlimmste Gewissenskrise: Soll er ihnen, damit er sein Kind wiedersieht,wie verlangt, den Mordkomplizen ans Messer liefern, der gerade in Schutzhaft sitzt? Eine spannende Frage, aus der dieser „Tatort“ erstaunlich wenige dramaturgische Funken schlägt. Zwar bemüht Felix Klare als Bootz das Bild des Verzweifelten, der nach Alkoholexzessen und Scheidungsdrama nun wieder vom Schicksal verprügelt wird, aber echte Dramatik vermittelt Richter in seinen Bildern kaum. Seltsam unterkühlt bewegen sich die Mitspieler um Klare herum, allen voran Richy Müller als sein Partner Lannert, der so blass wirkt wie selten und eine Teilnahmslosigkeit ausstrahlt, die zum Geschehen überhaupt nicht passen will.

Viel Stofffür 90 Minuten

Richter und Schmidt pressen so viel Stoff in die 90 Minuten, dass für die nötige Tiefenschärfe, für das Auskosten des Moments, keine Zeit bleibt, ohne dass die Atemlosigkeit dabei wenigstens Spannung produzierte. Selbst der Knall zwischen den beiden Polizisten, die der Fall logischerweise auseinandertreiben muss, verpufft im Stuttgarter Wind: „Wir werden nicht mehr die Alten sein“, sagt Bootz, und Lannert antwortet: „Das sind wir schon jetzt nicht mehr.“ Man wird sehen, welche Auswirkungen das für die nächsten Folgen hat.

Fazit: Ein Rentnerpaar auf Rachefeldzug und ein Polizist in der Gewissenskrise – ein „Tatort“ mit spannender Ausgangslage, der zu oberflächlich ist, um sein Potenzial abzurufen.