Schriftzüge am Set

“Homeland ist rassistisch“: Künstler “hacken“ US-Serie

Der „Homeland“-Dreh sorgte in Berlin für Aufregung - und niemand merkte, dass Künstler Kritik an der Serie an die Setwände malten.

Die drei arabischen Street-Art-Künstler Heba Amin, Caram Kapp und Stone haben der von ihnen scharf kritisierten US-Serie-Homeland offenbar einen Denkzettel verpasst.

Wie sie im Blog der in Berlin und Kairo lebenden Künstlerin Heba Amin schreiben, waren sie an der Erstellung der Kulissen für die neueste Staffel, die vor allem in Berlin gedreht wurde, beteiligt. Die Künstler schrieben Schriftzüge auf Wände – in denen sie die Serie offen kritisierten. Allerding auf arabisch. Die Produzenten merkten es nicht, die Bilder wurden am 11. Oktober in der zweiten Folge der neuen Staffel in den USA ausgestrahlt.

“Homeland ist keine Serie.” “Diese Sendung gibt nicht die Ansichten der Künstler wieder.” “Homeland ist rassistisch.” “Homeland ist ein Witz, der uns nicht lachen lässt.” Und weitere kritische Bemerkungen prangen an den Wänden. Dabei benutzten die Künstler nicht das Wort “Homeland” in arabischen Buchstaben, sondern das arabische Wort “Watan”, was Heimat oder Nation bedeutet – mithin Homeland. Die Künstler zeigen in ihrem Blog Bilder aus der Sendung dazu.

„Homeland“ habe den Ruf, bigotter zu sein als jede andere

Anfang Juni 2015 seien sie von einem deutschen Freund angesprochen worden, der für die “Homeland”-Produktion arabische Graffiti-Künstler suchte, die der Kulisse eines Flüchtlingslagers an der libanesisch-syrischen Grenze Authentiziät verleihen könnten, schreiben die Künstler weiter.

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Wegen des aus ihrer Sicht zweifelhaften Rufes der Serie, zögerten sie. Die Serie habe den Ruf, bigotter zu sein als jede andere im Fernsehen, schreiben sie, da sie ein inakkurates, undifferenziertes, extrem einseitiges Bild von Arabern, Pakistanern und Afghanen zeige und auch die Städte Beirut, Islamabad und die sogenannte muslimische Welt insgesamt gänzlich falsch darstelle.

In dem Blog schreiben die Künstler mehrere weitere Absätze darüber, warum sie die Sendung ablehnen. Dennoch entschieden sie sich mitzuwirken – und die Chance auf ihre Art zu nutzen.

Hektik am „Homeland“-Set - niemand achtete auf den Inhalt

Sie wurden angehalten, unpolitische eigene Graffiti zu schaffen. Innerhalb von zwei Tagen musste alles fertig sein, am dritten wurde gefilmt, schreiben sie. Die Setdesigner seien zu hektisch gewesen, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Inhalt dessen, was dort an der Wand stand, habe nicht interessiert. “in ihren Augen sind arabische Schriftzüge nur eine visuelle Ergänzung, die die Horrorfantasie des Mittleren Ostens komplettiert”, heißt es im Blogbeitrag.

Das Ergebnis: Hinter den Hauptdarstellern prangt nun der Schriftzug: “Homeland ist keine Serie”. „Wir hätten uns gewünscht, diese Bilder vor der Ausstrahlung zu entdecken“, sagte „Homeland“-Erfinder Alex Gansa der Website deadline.com. Er zeigte sich sportlich: „Wir kommen nicht umhin, diesen Akt künstlerischer Sabotage zu bewundern.“

Ob die Sätze noch zu sehen sein werden, wenn die fünfte Staffel von Homeland voraussichtlich im Frühjahr 2016 in Deutschland ins Fernsehen kommt? Da müssen die Zuschauer dann genau hinsehen.

>>>Erste Folge von „Homeland“-Berlin kostenlos im Netz