Jörg Kachelmann im ZDF

"Es wäre falsch, wenn Verbrecher einfach so davonkämen"

Jörg Kachelmann war zu Gast bei "Pelzig hält sich" im ZDF, trank Bowle und fragte sich, was sein Sohn eines Tages googelt.

"Schlechter als das Zeug im Knast in Mannheim wird es nicht sein", sagt Erwin Pelzig. Und Jörg Kachelmann, Ex-Wettermoderator der ARD, nimmt noch einen Schluck von der grünen Bowle, obwohl sie ihm ganz offensichtlich nicht schmeckt. Knast in Mannheim, das war 2010, nachdem Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Frau festgenommen worden war.

Von diesem Vorwurf ist der Schweizer 2011 freigesprochen worden. Doch erledigt ist der Fall Kachelmann damit noch lange nicht. Erst kürzlich erstritt er vor dem Landgericht Köln 635.000 Euro Schmerzensgeld vom Springer-Verlag. Es ging um die Berichterstattung in der "Bild"-Zeitung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Springer will Berufung einlegen. Doch es wäre die höchste Schmerzensgeldsumme, die ein deutsches Gericht in so einem Fall jemals zugesprochen haben würde.

Seit dem Vergewaltigungsprozess ist Kachelmann im deutschen Fernsehen so gut wie nie zu sehen. Die ARD ließ ihn nicht mehr das Wetter moderieren, vielen im Gedächtnis ist noch der gemeinsame Auftritt mit seiner Frau bei Günther Jauch. Drei Jahre ist das jetzt her. Diesmal hat Kachelmann einen intimeren Rahmen gewählt. "Pelzig hält sich" im ZDF ist eine kabarettistische Talkshow, die Frank-Markus Barwasser in seiner Figur Erwin Pelzig oft kluge Fragen stellen lässt, was nicht selten zu überraschenden Antworten führt.

Zum Beispiel fragt Pelzig, ob Kachelmann nach den Prozessen, die waren und angesichts derer, die noch kommen, ein zermürbter Mensch sei. "Es wäre falsch, wenn die Verbrecher einfach so davonkämen", antwortet Kachelmann, und meint neben dem Springer-Verfahren noch Prozesse gegen die Frau, die ihn beschuldigt hat und die Staatsanwaltschaft Mannheim. Er klingt dabei mehr entschlossen denn wild.

Klar, es gibt auch witzige Momente. Wie immer bei Kachelmann. Etwa wenn er Knast-Anekdoten erzählt, von denen einige auch schon in seinem Buch gestanden haben.

Doch am Ende des Gesprächs wird Kachelmann noch einmal ernst, spricht über seinen jüngsten Sohn: "Wenn er mal groß genug ist, um zu googeln, will ich ihm sagen können, dass sein Vater alles getan hat, um als Ehrenmann dazustehen. Weil ich einer bin."