Talk bei Markus Lanz

"Nicht vorstellbar, dass Winterkorn nichts wusste"

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bietet bei Markus Lanz zum Thema VW mehr Spannung als Thrillerautor Frederick Forsyth.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält es für unvorstellbar, dass VW-Chef Winterkorn nichts über die Manipulationen wusste

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält es für unvorstellbar, dass VW-Chef Winterkorn nichts über die Manipulationen wusste

Foto: Bernd Thissen / dpa

Er ist in diesen Tagen der VW-Affäre wohl der begehrteste Interviewpartner: Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg/Essen. Aber weil das so sperrig klingt, gilt er in den Medien wahlweise als „Autopapst“ oder „PS-Professor“.

Die „Zeit“ schrieb über ihn: „Ferdinand Dudenhöffer weiß vermutlich mehr über die Autoindustrie als sonst ein Mensch auf der Welt.“ Er ist ein beliebter Gesprächspartner der Medien, auch für diese Redaktion.

Und weil der Mann aus dem Ruhrgebiet zudem für seine zugespitzten und meinungskräftigen Kommentare bekannt ist, sitzt er an diesem Abend neben Thriller-Autor Frederick Forsyth im ZDF bei Markus Lanz und soll die Abgas-Betrügereien bei Volkswagen erklären.

Wer hat sich das ausgedacht? Dudenhöfer weiß es

„Niemand hätte sich das vorstellen können“, lässt Dudenhöffer zu Beginn wissen. Dann erklärt er in zwei drei sachverständigen Sätzen, in denen Begriffe wie „Motor-Management“ und „Verbrennungsprozess“ eine Rolle spielen, wie die VW-Techniker die Messprogramme austricksten.

Wer sich diese planmäßige Schummelei an Dieselmotoren wohl ausgedacht haben mag, will Gastgeber Lanz wissen. Dudenhöffer weiß es: „Das Problem kommt aus der zentralen Entwicklungsabteilung in Wolfsburg. Es gibt einen Verantwortlichen: Dr. Winterkorn.“ Es sei nicht vorstellbar,so Dudenhöffer, dass der Konzernchef „nicht darüber Bescheid wusste“.

VW als Dudenhöfers Lieblingsgegner

Nun muss man wissen, dass der Volkswagen-Konzern zu den Lieblingsgegnern Dudenhöffers gehört. Schon vor Jahren veröffentlichte der Professor aus dem Revier eine Studie, bei der VW nicht gut wegkam.

Ein anderes mal bespöttelte er den Weltkonzern in einem Interview als „österreichisches Familienunternehmen“ - mit Blick auf den aus Wien stammenden damaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piech. Und als VW sein Flaggschiff Golf mit Rabatt feilbot, fand Dudenhöffer dafür ein paar kritische Worte.

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„VW“, sagt Dudenhöffer nun bei Lanz, „steht Schlimmes ins Haus.“ Und das sieht laut Dudenhöffer so aus: Eine „riesige Klagewelle“ in den USA; Schadenersatz, Strafen und Kosten für Rückrufaktionen in Höhe von insgesamt „bis zu 20 Milliarden Dollar“.

Außerdem seien Dieselautos ab sofort „anrüchig“ und auf die so hoch geschätzte „deutsche Ingenieurskunst“ falle nun „ein Riesenschatten“.

„VW vom Kopf auf die Füße stellen“

Was nun zu tun sei? Dudenhöffer weiß Rat: Man müsse „VW vom Kopf auf die Füße stellen“.

Doch der Volkswagenkonzern ist nicht der einzige, der an diesem Abend sein Fett abbekommt. Denn da sind ja die Leute vom deutschen Kraftfahrtbundesamt, die sich von den Wolfsburger Ingenieuren hätten austricksen lassen. In Amerika, weiß Dudenhöffer, seien die Behörden viel strenger, weshalb der Betrug auch dort aufflog und nicht in Deutschland. Hierzulande seien die zuständigen Beamten leider „nicht so helle Onkel“.

Alles klar? Weiter geht’s mit Frederick Forsyth. Der erzählt recht langatmig von seinem neuen Buch und von der guten, alten Zeit im Kalten Krieg. Ferdinand Dudenhöffer lächelt. Er weiß, er hat gerade den spannenderen Thriller im Repertoire.