Sandra Maischberger

Til Schweiger zu CSU-General: "Sie gehen mir auf den Sack"

Mit emotionalen Gästen und einem soliden Talk über die Flüchtlingskrise hat sich Sandra Maischberger zurückgemeldet.

Zugeschaltet: Til Schweiger in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger zur "Flüchtlingskrise"

Zugeschaltet: Til Schweiger in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger zur "Flüchtlingskrise"

Eine halbe Stunde lang ist Til Schweiger eher gelassen geblieben, obwohl es ihm sichtlich schwer fällt - dann schaltet der Schauspieler genervt auf Angriff: "Sie gehen mir auf den Sack, echt!", faucht der per Video zugeschaltete Schweiger Richtung Sandra Maischbergers ARD-Runde. Und: "Ich werde Sie ab jetzt beobachten, Herr Generalsekretär!"

Adressat der drastischen Botschaft: CSU-Mann Andreas Scheuer, der angesichts der Tonlage, aber wohl auch aufgrund des nachdrücklichen Widerspruchs, ins Stammeln kommt - eher ungewohnt für den sonst so wortgewandten bayerischen Partei-"General".

Was war da passiert?

Til Schweiger, erfolgreicher Schauspieler und Filmproduzent, ist unversehens zum Sprecher der "Anständigen" in Deutschland geworden, die sich für Flüchtlinge einsetzen und Front machen gegen fremdenfeindliche Hetze. Als Zeichen seines Engagements will er jetzt eine Art Vorzeige-Flüchtlingsheim organisieren. "Ich wehre mich gegen faschistoides Gedankengut", sagt Schweiger bei Maischberger und zieht zu Felde gegen rechtsextreme Stimmungsmacher im Internet: "Ihr seid zum Kotzen!" Schweiger sieht sich damit in einer Reihe mit der ARD-Journalistin Anja Reschke.

Solidarität der Politiker wird vermisst

Reschke machte kürzlich an prominenter Stelle, im Kommentar der ARD-"Tagesthemen", die alltägliche und immer unverblümter daherkommende Hetze gegen Flüchtlinge zum Thema. Und ebenso wie Schweiger fordert Reschke, führende deutsche Politiker müssten sich klarer, eindeutiger und sichtbarer als bisher gegen fremdenfeindliche Akte und Anschläge auf Flüchtlingsheime zu Wort melden. Nach dem Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Frankreich, so Reschke, hätten alle europäischen Regierungschefs Arm in Arm in Paris Solidarität demonstriert: "Aber in Freital war keiner." In dem sächsischen Ort war es zuletzt mehrfach zu Ausschreitungen gegen ein Flüchtlingsheim und deren Bewohner gekommen.

"Ich hör' zu wenig", klagt auch Schweiger. Das will Andreas Scheuer nicht gelten lassen. Tagtäglich richteten sich CSU-Politiker gegen Fremdenfeindlichkeit. Gleichzeitig habe man es aber mit einer "neuzeitlichen Völkerwanderung" zu tun, so der CSU-Politiker: "60 Millionen stehen weltweit an den Grenzen."

Und dann wendet sich Scheuer direkt an Til Schweiger. "Wann gehen Sie denn mit Ihrem Flüchtlingsheim an den Start?", will er, genüsslich grinsend, wissen. Darauf hat Schweiger offenbar nur gewartet. "Ich finde das so geil, Ihren süffisanten Blick", ätzt der Schauspieler zurück, "weil Sie mich hier vorführen wollen".

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Doch Schweiger hat den Konter parat: Er werde "in sechs bis sieben Wochen" das geplante Flüchtlingsheim eröffnen; nicht wie zunächst geplant in Osterode im Harz, sondern in Osnabrück. Schweiger: "Das wird mein erstes Projekt." Dafür will er "so viel Kohle einsammeln wie es geht", um Sprachlehrer einstellen oder eine Holzwerkstatt einrichten zu können. Im Vorstand der Stiftung sollen laut Schweiger unter anderem SPD-Chef Sigmar Gabriel und Schauspieler-Kollege Jan-Josef Liefers mitarbeiten.

Auch wenn Schweiger gelegentlich argumentativ ins Schlingern gerät - etwa wenn er pauschal Amerikas Irak-Krieg "für den ganzen Scheiß" verantwortlich macht; oder wenn er fragt, warum man nicht einfach "zwei Hundertschaften Polizei nach Freital schickt", um den fremdenfeindlichen Mob "in den Knast zu stecken" - seine Botschaft ist klar: Er tut was, er bezieht klar Stellung - während die meisten Politiker nur auf die steigenden Flüchtlingszahlen verweisen und damit Angst in der Bevölkerung schüren.

Und deshalb - siehe oben - werde er ab sofort darauf achten, ob und wie lautstark der "Herr Generalsekretär" Scheuer künftig gegen Fremdenfeindlichkeit wettert. Als Til Schweiger nach 45 Minuten aus Maischbergers Talk-Runde aussteigt, hat er sich dann wieder ein wenig abgeregt - und leistet sogar, ungewohnt kleinlaut, Abbitte: "Mein kleiner Ausrutscher tut mir Leid." Und für "das mit dem Sack" möchte er sich entschuldigen. Da muss sogar Andreas Scheuer schmunzeln.