Tatort

Schweigen bei Ermittlungen unter Asylbewerbern

Im Schweizer "Tatort" geht es um Mord, Fremdenhass und rigide Einwanderungsgesetze.

Kommissar Flückiger hat Kopfschmerzen, furchtbare Kopfschmerzen. Die Welt verzerrt sich, alles dröhnt, Menschen ändern ihre Gestalt. „Es gibt da eine einfache Entspannungsübung“, sagt sein Arzt. Er zieht eine Grimasse, es sieht grotesk aus.

Vielleicht ist es die kaputte Schweiz, die schuld an Flückigers Zustand ist. Es ist ein dreckiges, verwahrlostes Luzern, durch das ausgemergelte Gestalten taumeln, schlaflos und alkoholabhängig. Minderjährige Asylsuchende kommen hierher, und weil sie erst volljährig wieder abgeschoben werden können, gleiten sie in die kriminelle Szene ab. Sie schlafen auf versifften Matratzen in dreckigen Wohnungen, sie handeln mit Drogen und schicken das Geld nach Hause. „Wenn sie Glück haben, schickt man sie in Handschellen zurück“, sagt eine Sozialarbeiterin. „Wenn sie Pech haben, in einem Sarg.“

Der letzte „Tatort“ vor der Sommerpause geizt nicht mit brutalem Realismus. Es ist eine einfache, harte Geschichte, die Regisseur Manuel Flurin Hendry erzählt: Ein junger Afrikaner wird erstochen unter einer Brücke aufgefunden. Er heißt Ebi und kommt aus Nigeria. Die Ermittlungen sind zäh, naturgemäß in diesem Milieu, niemand will mit Polizisten reden. Und so richtig erwünscht sind sie auch nicht. „Der Asylant ist ja schon abgewiesen worden und untergetaucht, also aus den Akten aussortiert und somit gar nicht mehr existent“, sagt der Polizeichef (Jean-Pierre Cornu), auch diesmal hauptzuständig für nervtötende Floskeln: „Sie müssen wissen, alle Menschen sind gleich. Aber manche sind eben gleicher.“

Leider ist die ganze Episode ein wenig so wie dieser Satz: abgegriffen. Das liegt nicht so sehr an der Handlung und am Milieu. Es ist eine spannende Geschichte in einem glaubwürdigen Umfeld. Die Monotonie stellt sich vielmehr ein, weil die Figuren nicht recht sichtbar werden, weil sie blass und eindimensional bleiben. Das gilt für Liz Ritschard (Delia Mayer) ebenso sehr wie für Reto Flückiger (Stefan Gubser). Er hat Kopfschmerzen, schlimme Kopfschmerzen. Doch von ihnen bleibt am Ende nur eine Grimasse.

ARD, Sonntag um 20.15 Uhr