ARD-Krimi

Der „Tatort“ aus Bremen macht viel Wind um Windkraft

Diesmal dreht es sich beim „Tatort“ um Offshore-Windparks in der Nordsee, deren Betreiber, einen Hedgefondsmanager und natürlich Natürschützer. Diese Figuren erstarren leider in Klischees.

Foto: Jörg Landsberg / dpa

Don Quijote, die wunderbare Hauptfigur aus Miguel de Cervantes’ großem Roman, kämpfte gegen Windmühlen. Er ritt, eingezwängt in seine verrostete Rüstung, auf dem Gaul Rosinante durch die kastilische Steppe, und in den Windmühlen am Wegesrand erkannte er gefährliche Riesen. Es war ein aussichtsloser Kampf gegen einen Gegner, den es gar nicht gibt.

Auch der Umweltaktivist Henrik Paulsen (Helmut Zierl) kämpft gegen Windmühlen, und obwohl diese wirklich existieren, erinnert sein Kampf von fern an Don Quijote. Es geht um die Offshore-Windparks in der Nordsee. Paulsen rast auf seinem Boot darauf zu, und dramatisch erklärt uns seine Stimme aus dem Off, was Umweltschützer gegen Windräder haben: Dass die Fundamente, wenn sie in den Meeresgrund gerammt werden, das Leben der Schweinswale empfindlich stören. Dass ihre riesigen Rotoren ganze Möwenschwärme zerhäckseln. Paulsen wedelt mit toten Vögeln in die Kamera.

Figuren erstarren in Klischees

Am nächsten Tag wird er verschwunden sein und einer seiner Naturschützerfreunde erschossen. Wir lernen den Windparkbetreiber Lars Overbeck kennen, den Thomas Heinze als Abziehbild des präpotenten Jungunternehmers spielt. Er nervt mit markigen Sprüchen. Aber Overbeck ist kein eiskalter Unternehmer, dem es nur um die Rendite geht. Diese Rolle fällt in diesem „Tatort“ dem Hedgefondsmanager Milan Berger (Rafael Stachowiak) zu, dem es, wie Regisseur Florian Baxmeyer im Interview sagte, „im Grunde egal ist, ob er mit Schweinehälften oder Windkraftanlagen sein Geld verdient“.

In diesem Spannungsfeld ermitteln Inga Lürsen und ihr Sidekick Stedefreund. Zwischen all den Ego-Maschinen, die aus anderen „Tatort“-Städten zugeschaltet werden, nehmen sich diese beiden fast wie unsichtbar aus. Der Fall steht im Vordergrund. Aber der sollte auch gut sein. Dieser hier hält sich exakt so lange, wie man die Umweltkontroverse auch interessant findet. Dann erstarren die Figuren in Klischees, und auch die kühnsten Volten im Plot können daran nicht viel ändern.