„Tatort“

Lena Odenthal und die Sache mit der Frauenquote

Im ARD-Tatort geht es um Kollegenzwist zwischen Tradition und modernem Profilertum. Das ist schwammig und ärgerlich. Das eigentliche Thema, die Frauenquote, wird zur Klischeeparade.

Von Felix Müller

Foto: Alexander Kluge / SWR/Alexander Kluge

Noch ist Lena Odental nicht ausgezogen, aber die Kartons sind gepackt. Kopper möchte den Auszug aus der Wohngemeinschaft mit Pasta und Wein feiern, wie üblich halt, er sitzt dann aber alleine da mit seinem Glas Rotwein. Für Lena gilt: Die Pflicht hat Vorrang, denn Platz zu lassen zwischen sich und der Arbeit, wie ihr Psychotherapeut es empfiehlt, geht bei ihr nicht.

Ein Dienstmädchen ist im Treppenhaus eines Luxushotels in den Tod gestürzt. Vorher hat sich ein Politiker im Hotelzimmer über sie hergemacht, Joseph Sattler, gespielt von Peter Sattmann. Die Anleihen an den Fall des ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und sein Treiben in einer New Yorker Suite sind überdeutlich. Denn auch um Joseph Sattler machen sich nun Gerüchte breit: Ist Sattler in eine Falle getappt? Ein erfolgreicher Politiker hat meistens Gegner, die ihm ans Leder wollen. So auch dieser: Er will die Frauenquote für Dax-Unternehmen durchsetzen. Da fürchten einige um ihre Pfründe.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) muss wieder mal ertragen, wie die jüngere Kollegin alles besser kann und ihr das auch noch selbstbewusst unter die Nase reibt. Die Jüngere (Lisa Bitter) kommt vom LKA, heißt Johanna Stern und macht sich mit schweren silbernen Koffern im Konferenzraum breit. Zuerst packt sie einen Beamer aus. Das sei Hightechzeug aus dem LKA, erfahren wir. Lena schaut sich indessen gefühlt 20-mal in der Hotelsuite um, führt bedeutungsschwangere Gespräche und belehrt ihre neue Kollegin: „Das muss man schon mit eigenen Augen gesehen haben.“

Lena Odenthal ist wieder ganz die Alte

Der Zuschauer sieht das alles erst mit Überdruss und bald mit wachsendem Ärger. Das Duell zwischen traditioneller Polizeiarbeit und modernem Profilertum bleibt schwammig und kommt mindestens zehn Jahre zu spät. Das eigentliche Thema des Krimis, die Frauenquote im Berufsleben, ist da um einiges aktueller, aber hier wird es zur ermüdenden Klischeeparade: Lena Odenthal ist die kinderlose Frau, die ihre Leere mit Arbeit füllen will. Johanna Stern ist das, was sie vor zehn Jahren hätte sein wollen: jung, mit Familie und beruflicher Perspektive. Und dann lernen wir auch noch die desillusionierte Frau des Politikers kennen, die seine sexuellen Eskapaden seit Jahren erträgt: Valerie Sattler alias Susanne von Borsody darf aber nur Aufziehpuppensätze sagen wie den, dass ihre Beziehung eine ganz besondere sei und ihr das deshalb alles nichts ausmache.

In ihrem vorletzten Fall stand Lena Odenthal kurz vor dem Absturz. Die Figur gewann plötzlich eine Tiefe, die man ihr nicht zugetraut hätte. Jetzt aber ist sie wieder ganz die Alte. Das ist nicht als Kompliment gemeint.

Pfingstmontag ARD, 20.15 Uhr.