Hart aber fair

Was Kristina Schröder den Kita-Anfang ihrer Tochter verdarb

Wie sieht gute Familienpolitik aus, wie kann Politik familienfreundlicher werden? Bei Frank Plasberg ging es um Kitastreiks, Karriere und Lebensplanung. Dazu waren erstaunlich wenige Männer geladen.

Von Jan Draeger

Foto: ARD

Hoppla! Was war denn das für ein ungewohntes Bild bei „hart aber fair“? Vier Frauen und ein Mann sitzen da am Talk-Tisch, normalerweise ist es doch umgekehrt. Aber es ging um den Kitastreik und die Frage: Passen Job und Familie wirklich zusammen? Das können Frauen wohl besser diskutieren, dachte man anscheinend in Frank Plasbergs Redaktion. Eigentlich schade, andersherum hätte es diesmal auch interessant sein können. Moderator Plasberg ließ zumindest der ungewohnte weibliche Anteil etwas zahmer erscheinen.

Vieles wurde an-, aber nicht ausdiskutiert – soll man Kinder unter drei Jahren schon in die Kita stecken? Sind die Väter von heute verantwortungsbewusster? Aber was ist nun mit dem Kitastreik? Da waren die Botschaften klar. Deftige Worte fand die Hamburger Erzieherin Zita von Dijk, Mutter von vier Kindern. Sie fragte: „Warum ist es so schwierig, Erzieher zu bekommen?“ Und gab die Antwort: „Weil nicht nur die Ausbildung ohne jeden Cent ist, sondern auch noch noch anschließend die Bezahlung beschissen ist.“

„Um die Bezahlung beschissen“

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) setzte in ihrem Plädoyer für die Erzieher eine Frage in den Mittelpunkt: „Wie wertschätzen wir eigentlich Arbeit mit Menschen? Es ist schon so, dass die Arbeit mit Maschinen in der Industrie besser bezahlt wird als die mit kleinen Kindern oder auch als mit älteren Menschen in Pflegeheimen. Deswegen hat der Streik schon eine größere Dimension und zwar die: Wie viel ist uns eigentlich soziale Arbeit in Zukunft wert?“

Gefühlig gab sich auch der Quotenmann in der Runde – der „Zeit“-Journalist Heinrich Wefing. Er sagte: „Betreuung kann man outsourcen. Liebe kann man nicht outsourcen. Und deswegen will man ein ganz gutes Gefühl dabei haben, wenn man die Kinder in der Kita abliefert. Und dazu braucht es sehr gute Erzieher und Betreuer.“ Später forderte er die Politik: „Familienpolitik wird, glaube ich, in Deutschland viel zu eng gesehen. Das wird im Familienministerium angesiedelt. Politik für Familien müsste aber viel weiter gedacht werden“, meinte er. „Dann ist es selbstverständlich auch eine Aufgabe für die Arbeitsministerin, für den Wirtschaftsminister, für den Justizminister und natürlich auch für den Finanzminister. Nur wenn wir so breit Politik für Familien in Deutschland verstehen, dann kommen wir weiter, dann kommen wir auch weiter mit mehr Geld für die Erzieher.“

Plasbergs Ass im Ärmel

So wäre eigentlich ziemlich früh fast alles gesagt gewesen in Plasbergs Sendung, doch der Moderator hatte noch ein sogenanntes Ass im Ärmel – die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Nicht live in der Sendung, aber in einer Aufzeichnung wurde ein Gespräch mit ihr eingespielt. Schröder hatte während ihrer Amtszeit ein Kind bekommen und erzählte von der Doppelbelastung Beruf und Familie. Wie ihr beispielsweise der „Spiegel“ die Eingewöhnung ihrer anderthalbjährigen Tochter in die Kita verdorben hatte.

Sie hatte sich eigentlich die Woche frei nehmen wollen, dann erschien das Nachrichtenmagazin mit einem kritischen Titel zur Familienpolitik und die Ministerin musste reagieren: „Man kann doch nicht sagen: ich kann jetzt nicht. Dann wollte auch das Kanzleramt wissen: was passiert denn jetzt? Was macht die denn jetzt? Dann hing ich den gesamten ersten Tag in der Kita in Telefonkonferenzen draußen in der Garderobe. Und war dann am Abend traurig, denn ich wusste, dieser Tag kommt so nicht wieder.“

Keine Elternzeit für Abgeordnete

Schröder blieb nur zehn Wochen nach der Geburt ihrem Amt fern. Auch ihr Mann arbeitet in der Politik, er ist heute Staatssekretär im Innenministerium. „Es war schon für uns beide hart. Denn für uns war ja klar: wir können keine Elternzeit nehmen. Mein Mann hätte zum Beispiel auch gerne Elternzeit genommen, aber für Abgeordnete gibt es diese Möglichkeit nicht.“

Keine Elternzeit? Die Politik hinkt anscheinend noch in vielem hinterher.