Hart aber fair

Warum Stefan Effenberg die Fußball-WM in Katar verteidigt

Die Fußball-Welmeisterschaft im Heimatland eines autoritären Regimes – und das auch noch in der Weihnachtszeit? Die Fußball-WM in Katar ist umstritten. Bei Plasberg fand sie dennoch Verteidiger.

Foto: ARD

Stefan Effenberg konnte immer gut mit dem runden Leder umgehen. Ja, er war ein brillanter Fußballer. Aber jetzt ist nicht mehr auf dem Spielfeld aktiv und wird auch mal in Talk-Shows eingeladen – und da muss er mit Worten umgehen. In seiner aktiven Zeit kickte Effenberg ein paar Monate in dem Wüstenstaat Katar, dort wo 2022 die WM stattfinden soll.Viele finden das nicht richtig, weil in der Vorweihnachtszeit gespielt wird, weil die Menschenrechtssituation schlecht ist, weil das Vergabeverfahren umstritten ist. Effenberg findet aber, Katar habe die Chance einer Fußballweltmeisterschaft verdient, wie Südafrika die Chance 2010 verdient hatte.

Vielleicht hatte es Effenberg auf dem Spielfeld manchmal leichter als am Montagabend bei „hart aber fair“ als er auf seiner Position doch recht einsam wirkte. „Unser wüsten Freunde – kaufen die Scheichs nach der WM auch unsere Moral?“ hatten Frank Plasberg und sein Team flapsig das Thema der Sendung formuliert.

Den Hintern abfrieren

Jürgen Trittin von den Grünen gab einen einen fast intimen Einblick in seine verletzte Fußballfanseele: Er habe keine Lust, sich beim Public Viewing den Hintern abzufrieren. Und dann attackierte er Effenberg von der Seite aus: „Es gibt eben einen Unterschied zwischen Südafrika und Katar. In Südafrika ist auch nicht alles in Ordnung, aber es ist eine Demokratie mit einem funktionierenden Rechtsstaat, wo Leute wegen Korruption und ähnlichen Dingen auch vor Gericht landen. All dieses ist in Katar nicht gegeben.“ Dann stellte er die Frage, ob durch große Sportevents die Menschenrechtssituation in solchen Ländern besser oder schlechter werde – und beantwortete sie selbst: „Wenn es besser werden würde, müsste in Russland jetzt die Demokratie ausgebrochen sein. Weil – in Sotschi hat das Ganze schon mal stattgefunden.“

Für den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber ist Katar „ein Land mit einem irrsinnig hohen Pro-Kopf-Einkommen, im übrigen auch mit dem höchsten CO2-Ausstoß in der ganzen Welt, und gleichzeitig mit erbärmlichen Verhältnissen für die Arbeiter“. Er will nicht, dass die WM in die Katar stattfindet. „Und wenn es stattfindet, dann werde ich ganz bestimmt am 23. und 24. Dezember nicht auf eine Fanmeile gehen, sondern Weihnachten vorbereiten.“

Wandel durch Handel?

Veränderung? Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung, sagte, er, er glaube an eine langfristige Entwicklung. „Gerade, wenn Sie uns in der Wirtschaft betrachten: Wir haben Millionen von Verbindungen zu den einzelnen Menschen in allen Ländern der Welt. Die Mehrheit der Länder ist nicht demokratisch.In der Mehrheit der Ländern werden die Menschenrechte nicht akzeptiert. Durch die permanente Verbindung, die wir dort haben, verändern wir was.Wir verändern die Seelen, den Zeitgeist.“

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger ist Mitglied des Exekutivkomitees der FIFA. Auch er hielte es wie Huber für das beste, wenn die WM in Katar nicht stattfinde, sagte er in einem Einspieler. „Es ist eine absolute Fehlentscheidung gewesen. Und sie ist aus meiner Sicht auch respektlos den anderen Mitbewerbern gegenüber. Es gab bessere Bewerbungen.“ Wenn allerdings in den nächsten Woche darüber abgestimmt wird, ob die WM tatsächlich in die Weihnachtszeit verlegt wird, wird er zustimmen, „auch wenn es mit Sicherheit nur die zweitbeste Lösung ist.“

Effenbergs Weihnachten

Und Stefan Effenberg? Bleibt bei seiner Meinung. „Wir spielen die Bundesliga, den DFB-.Pokal, die Champions League auch bis kurz vor Weihnachten hinein. Wir haben in England in der Premier League den Boxing Day, wo am 26. Dezember weiter gespielt wird, Also, das sind nicht wirklich alles so Argumente, dass man sagt, ja, ich mache die erste und zweite Kerze an und muss mir die WM angucken.“

Effenberg, soviel scheint klar, ist im Jahr 2022 nicht auf ein besinnliches Weihnachtsfest aus.