Goldene Kamera

Für Ulrich Matthes war der Abend „wirklich balla balla“

Ulrich Matthes kam nicht weit. Bei der After-Show-Party der Goldenen Kamera wollten Gäste, Kollegen und Freunde dem kurz zuvor gekürten Berliner Schauspieler gratulieren. Wir haben mit ihm gesprochen.

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Berliner Morgenpost: Sie haben die Goldene Kamera als „Bester Schauspieler National“ gewonnen, Ihre Kollegin Martina Gedeck den entsprechenden Film- und Fernsehpreis bei den Frauen. Zwei Berliner in der Hauptkategorie – Herzlichen Glückwunsch, Herr Matthes.

Ulrich Matthes: Ja, danke! Ich bin völlig aus dem Häuschen. Total überwältigt. Ich habe so gekämpft, dass ich nicht weine. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Würden Sie sich als Außenseiter bezeichnen?

Nein, aber ich bin nicht so ein Super-Fernsehgesicht, ich bin nicht permanent auf dem roten Teppich. Deswegen habe ich damit auch nicht gerechnet. Und umso mehr freut es mich.

144 Kollegen haben sich für Sie entschieden, keine achtköpfige Fachjury.

Ja, haben Sie gesehen, dass mir die Tränen gekommen sind? So fühlt sich das an. Und so bin ich nicht, ich heule nicht immer. Und dann sind auch noch alle aufgestanden. Dann hatte ich auch noch Standing Ovations. Dieser Abend ist wirklich „balla balla“. Muss ich wirklich sagen. Ich bin wahnsinnig dankbar. 144 Leute! Beim Theater habe ich schon relativ viele Preise bekommen. Aber das ist noch mal etwas anderes.

Was ist das Besondere an der Goldenen Kamera?

Die Goldene Kamera hat diesen Nimbus. Ich habe schon als kleiner Steppke gesehen, wie Heinz Rühmann sie im Fernsehen bekommen hat. Und diese ganzen Hollywoodstars. Und wenn dann die von mir hochverehrte Susan Sarandon, Kevin Spacey, Arnold Schwarzenegger auf der Bühne stehen – und dann kommt von hinten noch dieser wahnsinnig lustige Danny DeVito um die Ecke, und dann stehe ich dann da selber und bekomme die Goldene Kamera! Das ist, wie schon gesagt, irgendwie noch mal etwas ganz Anderes.

Aufregend?

Das Theater hat einfach nicht den Glamour. Ich finde beides wunderbar. Aber an so einem Abend merkt man das. Theater ist eine andere Kunst als Fernsehen.

Wo stellen Sie das Ergebnis Ihrer Kunst, die Goldene Kamera, zu Hause in Berlin auf?

Das klingt jetzt weniger bescheiden – aber ich stelle sie tatsächlich zu meinen anderen Preisen, die ich schon bekommen habe. Auf meinen Schreibtisch.

Brauchen Sie da keinen Platz zum Arbeiten?

Wenn ich Steuererklärungen unterschreiben muss, fällt mein Blick wohlgefällig auf die Preise und ich denke mir: Ach, Kinder. (Er lacht.)

Das klingt ja fast nach „alles erreicht“. Welche Ziele gibt es da noch?

Natürlich gibt es noch andere Ziele. Gibt es doch immer. Mein nächstes ist in drei Wochen die Premiere von „Macbeth“ in Berlin. Shakespeare muss und will auch noch bewältigt werden.

Und was den Film und das Fernsehen, die Welt der langen Drehtage und glamourösen Gala-Veranstaltungen angeht?

Ich kann nur sagen: Diese beiden Drehbücher waren Wahnsinn. Das waren zwei Top-Regisseure und ein toller Cast. Wie ich schon in meiner Dankesrede gesagt habe: Man muss auch Glück haben. Das klingt langweilig, es ist aber so. Und dieses Glück wünsche ich mir wieder. Dass ich wieder so eine tolle Rolle wie in dem „Tatort“ angeboten bekomme. Das war eine Wahnsinns-Rolle.