Hart aber fair

„Die realisieren nicht einmal, dass das Deutsche sind“

In Dresden standen die ersten Demonstrationen nach den Attentaten von Paris an. Tausende gingen auf die Straße. Wofür und wogegen eigentlich? Frank Plasberg wollte wissen, wie man mit so etwas umgeht.

Foto: ARD

Als Katrin Göring-Eckardt in der DDR zur Schule ging, trug sie ein Kreuz um den Hals. Sie hatte es von ihrer Patentante zur Konfirmation bekommen. Mit dem Kreuz wollte sie zeigen, dass sie jetzt konfirmiert, dass sie Christin war. Sie wurde von ihrer Lehrerin nach Hause geschickt – das Kreuz war zu groß. Göring-Eckardt ist heute Fraktionsvorsitzende der Grünen, sie war auch mal Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Episode aus ihrer Kindheit erzählte sie gestern bei „hart aber fair“, als es um Pegida, Terror-Angst und Islam-Hass ging.

Links neben Göring-Eckardt saß die Muslima Khola Maryam Hübsch. Sie trug ein Kopftuch und Göring-Eckardt war nach ihrer Einstellung zu dieser Kleidung gefragt worden, als sie die Episode aus ihrer Kindheit erzählte. „Insofern“, sagte sie dann, „habe ich großes Verständnis dafür, dass man sagt, ich möchte gern zeigen: das ist meine Religion und deswegen gehört das dazu.“ Wenn es aber ein Zeichen von Unterdrückung sei und wenn Frauen gezwungen wären, ein Kopftuch aufzusetzen, dann gehe das nicht.

Die erste Sendung nach dem Schock

Es war der Montag nach dem Schock und der Trauer in Paris, wie Moderator Frank Plasberg betonte. In Dresden waren wieder an einem Montagabend tausende Pegida-Demonstranten auf die Straße gegangen, als sich die Talk-Runde bei „hart aber fair“ mit ihnen befasste.

Frauke Petry, Vorsitzende der AfD in Sachsen, machte es sich zur Aufgabe, die Pegida-Bewegung zu verteidigen. Sie hatte sich am Mittwoch mit Vertretern von Pegida getroffen. Auch bei der AfD hätte man einige der Plakate, die in Dresden und anderen Städten zu sehen waren, für grenzwertig gehalten. Andererseits könnten viele Forderungen auch im Programm der Linken stehen, meinte Petry. Eine rassistische und fremdenfeindliche Gesinnung könne man nicht ableiten.

„Bild.de“-Chefredakteur Julian Reichelt konstatierte: „Es hat doch in sich etwas Absurdes und es zeigt doch, dass es da intellektuelle Schwierigkeiten gibt, wenn eine Organisation, die Angst vor den Fremden hat, primär gegen Leute auf die Straße geht, bei denen sie nicht mal realisiert, dass das Deutsche sind.“

„Aus Liebe zu Gott“

Khola Maryam Hübsch, die Frau mit dem Kopftuch, hatte da schon in breitem Hessisch gezeigt, dass sie in Frankfurt am Main geboren wurde. Warum trägt sie ein Kopftuch, hatte Plasberg sie gefragt? „Ich trage es aus Liebe zu Gott“, antwortete sie. Sie trage es aber auch aus gesellschaftlichen Gründen, es sei für sie auch ein Zeichen der Emanzipation.

Sie ist Journalistin und Buchautorin („Unter dem Schleier die Freiheit – Was der Islam zu einem wirklich emanzipierten Frauenbild beitragen kann“) und setzt sich für Toleranz im Islam ein. Plasberg fragte sie: Trauern um die Opfer von islamistischen Terroristen und Warnen vor der Gefahr der Islamisierung, warum passe das für sie nicht zusammen? „Ich glaube, das die Pegida-Bewegung indirekt den Terroristen in die Hände spielt“, sagte Hübsch. „Insofern, dass sie ein Klima schafft in unserer Gesellschaft, das antimuslimische Ressentiments befördert. Und das wiederum führt dazu, dass Muslime sich ausgegrenzt fühlen, vor allem junge Muslime. Und wir wissen ganz genau, dass dies ausgegrenzten Muslime in der Regel anfälliger sind, sich angesprochen zu fühlen von dschihadistischen Bewegungen.“

Fazit: eine interessante Runde, von der man gern noch mehr erfahren hätte.