Maischberger

„Dem Mann wird durch das Scheidungsrecht Polygamie erlaubt“

Wie begräbt man den Traum von einer heilen Familie? Bei Maischberger blickte Christa Müller auf ihre Scheidung von Oskar Lafontaine zurück. Es klang so, als sei das alles eine Frage der Einstellung.

Foto: ARD

Man fragte sich nicht nur einmal an diesem Abend, ob das überhaupt alles geht. Ob es wirklich möglich ist, das Scheitern eines Lebensplanes so professionell und ganz ohne Verbitterung zu managen, wie Christa Müller es offenbar geschafft hat. Die 58-jährige Ökonomin war 20 Jahre lang mit dem Spitzenpolitiker Oskar Lafontaine verheiratet und wirkt in der Rückschau so reflektiert und aufgeräumt, als habe sie nur ein komplexes Logistikproblem gelöst – und sich nicht von einem Traum verabschieden müssen. „Es war emotional eine große Herausforderung“, sagt sie. Es klingt nach einer Bergetappe im Radsport: nicht leicht, aber eine Frage der Einstellung.

Man muss das eigens betonen, weil es sonst automatisch verbittert und rachsüchtig klingt, was Christa Müller über das aktuelle Scheidungsrecht sagte. Das hat sich seit seiner Reform von 2008 in einem entscheidenden Punkt wesentlich verändert: in der sogenannten nachehelichen Eigenverantwortung. Die vom Stammtisch nicht ohne frauenfeindliches Ressentiment geprägte Formel „Einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin“ sollte es fortan schwerer haben. Für einen Ehepartner ergibt sich ein Unterhaltsanspruch seitdem nur noch, wenn er oder sie ehebedingte Nachteile geltend machen kann.

Die Nachteile einer Ehe

In Christa Müllers Fall heißt das, dass sie sich früh gegen eine Weiterführung ihrer politischen Karriere entschied. Heute kritisiert sie die Entlastung der Männer, die sich für sie de facto aus der Rechtslage ergibt: „Den Männern wird es leichter gemacht, sich zu trennen. Die Frau hat eine enorme Belastung, während der Mann nur seinen Job machen muss. Der Mann ist nochmal vogelfrei und kann sich dann die nächste Frau nehmen. Dem Mann wird nachfolgende Polygamie erlaubt.“

Wer mochte da nicht an Lafontaines jüngere Partnerin Sahra Wagenknecht denken, die alsbald an Christa Müllers Stelle trat? Aber es klang eben nicht böse und bitter, was die geschiedene Mutter sagte, es klang nach einer Analyse des Problems. Eines Problems, dem sich das ehemalige Model Rosalie von Breemen nach ihrer gescheiterten Ehe mit Filmstar Alain Delon mit generalstabsmäßiger Präzision annahm. Als sie feststellte, dass ihr neuer Mann, ein französischer Brillenmogul, sich nebenbei eine ansehnliche Zahl außerehelicher Affären genehmigte, machte sie kurzen Prozess. „Was du brauchst, sind ein guter Anwalt und ein guter Friseur“, sagte sie. Sie hat die Not zur Tugend gemacht und einen sicher amüsanten Scheidungsratgeber verfasst.

„Die Kinder werden instrumentalisiert“

Eher ärgerlich dagegen, dass Maischbergers Redaktion nach nur wenigen Monaten Detlef Bräunig wieder eingeladen hatte, einen Unterhaltsverweigerer, der schon vor einigen Monaten einen denkbar unsympathischen Auftritt in der Sendung hatte. Der frühere Bauleiter floh nach einem Unterhaltsstreit für einige Jahre nach Thailand. Auch nach seiner Rückkehr zahlt er - dem Anschein nach ohne schlechtes Gewissen – weder für seine Frau noch für seine Kinder. An seinen Einlassungen war so vieles krude, dass man sie kaum wiedergeben mag. Beispielhaft sei nur erwähnt, dass er seinen Kindern, deren genaues Alter er noch nicht einmal kennt, die Unterstützung nur deshalb verweigert, „weil sie instrumentalisiert werden“ – als könnten sie, wenn es denn überhaupt so ist, etwas dafür.

Für Anna Peters, eine frühere Physiotherapeutin, die ihren alkoholkranken Mann nach der Scheidung nun Unterhalt zahlen muss, blieb am Ende leider nur wenig Zeit. Das war umso bedauerlicher, als alle anderen Gäste, so interessant ihre Geschichten auch sein mögen, sich finanziell nicht die leiseste Sorge machen müssen. Anna Peters schon: Sie lebt aufgrund ihrer Zahlungen am Existenzminimum, sagt sie. Ihr Fall war damit der interessanteste. Ob sie ebenfalls wieder eingeladen wird? Man darf daran zweifeln.

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