Maischberger

Als Ronald Schill spricht, ist Maischberger fassungslos

Jobverlust, Insolvenz und Kokain: Wie geht man damit um, wenn die Karriere so endet? Das war das Thema bei Sandra Maischberger. Höhepunkt war der Auftritt des ehemaligen Richters und Senators Schill.

Foto: ARD

Sandra Maischberger ist eine abgeklärte Frau, man hat sie bislang selten fassungslos gesehen. In dieser Sendung aber war sie es, verständlicherweise. Sie hatte Ronald Schill gerade zehn Minuten lang zugehört. Dann wendete sie sich ihm zu und sagte: „Dass Sie mal Richter und Innensenator waren, das kriege ich mit Ihrer Persönlichkeit nicht zusammen.“

Es ging in dieser spannenden Sendung um die Frage, wie man mit Abstürzen im Leben umgeht. Sandra Maischberger wollte wissen, wie man ein plötzliches Ende der Karriere oder die private Insolvenz persönlich verarbeitet. Mit dem Schlagersänger Nino de Angelo und dem früheren Nationaltorwart Eike Immel waren zwei Gäste zugegen, die den Absturz aus höchsten Sphären selbst erlebt haben. Beide sind in sehr jungen Jahren zu sehr viel Geld gekommen, und beide waren unfähig, damit umzugehen.

Eike Immel macht Geschenke

Immel etwa kaufte teure Geschenke für seine Frauen. Er kaufte sündhaft teure Luxuswohnungen im nordrhein-westfälischen Hagen-Haspe, ohne sich vorher die Frage zu stellen, wer denn ausgerechnet in Hagen luxuriös wohnen will. Auch de Angelo wurde mit seinem Hit „Jenseits von Eden“ 1983 zum Millionär, trug sein Geld aber lieber ins Bordell und zum Kokain-Dealer, als nachhaltig damit zu wirtschaften. Bei ihm wie bei Immel war das Ergebnis gleich: Insolvenzverfahren.

Mit dem ehemaligen Unternehmer Wolfgang Ködel und der Heilpraktikerin Yvonne Holthaus waren auch noch zwei Menschen zu Gast, die nicht Dauergäste auf den Roten Teppichen des Landes sind: Ködel lebte nach seinem wirtschaftlichen Scheitern drei Jahre lang im Wald, Holthausen geriet an einen betrügerischen Mann und geriet durch ihn in die Schuldenkrise. Dann kam der Auftritt des Ronald Schill, auf den Ronald Schill selbst sicher am ungeduldigsten gewartet hatte.

Reue und Selbstkritik? Nicht mit Ronald Schill

Man muss sich noch einmal kurz vor Augen führen: Dieser Mann hat es zunächst als „Richter Gnadenlos“ zunächst zu bundesweiter Berühmtheit gebracht, indem er drakonische Urteile für Bagattelldelikte verhängte. Er hat bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft mit seiner Law-and-Order-Bewegung „Partei Rechtsstaatliche Offensive“ im September 2001 aus dem Stand fast 20 Prozent der Stimmen geholt und wurde daraufhin in einer Koalition mit Unionsmann Ole von Beust Innensenator.

Nachdem er diesem gedroht hatte, dessen Homosexualität öffentlich zu machen, schmiss ihn von Beust aus dem Amt. Schills Karriere als Parteivorsitzender währte auch nur bis 2003. Kokaingerüchte überschatteten seine gesamte politische Karriere. Um einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu entgehen, begab er sich nach Südamerika. Freunde des Trashfernsehens konnten ihn noch in diesem Sommer in der zweiten Staffel der Sendung „Promi Big Brother“ sehen, wo er ein paar Boulevardschlagzeilen produzierte.

Ohne Moral lebt es sich leichter

Und nun? Reue? Selbstkritik? Aber nein. Immer wieder wollte Maischberger von ihm wissen, mit welchen Gefühlen er seinen Erpressungsversuch und seinen Kokainkonsum heute sehe. „Ich bin kein Moralist“, sagte Schill. Eine interessante Formulierung, weil sie diejenigen, die etwas von Anstand und Gesetzestreue halten, eine etwas verknöcherte, biedere Gesinnung unterstellt. Schill dagegen berauschte sich mit den staunenden Augen eines Kleinkindes noch einmal an all den „Insignien der Macht“, die ihm sein damaliger Aufstieg bescherte: „Ich hatte einen Leibwächter, ich hatte ein gepanzertes Auto. Ich hatte eine Frau, die nur für meine Termine zuständig war. Ich hatte all diese überflüssigen Leute.“

Überflüssige Leute. Das waren wirklich seine Worte.

Ronald Schill zog nachts zu seinen „amourösen Abenteuern“ (auch das seine Worte) mit einer ungesicherten Schnellfeuerwaffe los, weil er seine private Sicherheits-Eskorte im Schlafzimmer schlecht gebrauchen konnte. Sein Kokainkonsum? Im Grunde auch die Schuld des politischen Gegners, so Schill. Denn man hatte ihn ihm das ja zunächst unterstellt, um ihn zu diskreditieren. Sein Verhalten gegenüber Ole von Beust? Eine Art heroischer Idealismus, wenn man ihn fragt: Er habe die brutale machttaktische Option gewählt, um seine „Politik der Rechtssicherheit“ weiter betreiben zu können. Heute sei er „Hedonist“ und das Leben in Rio verschlinge nun einmal viel Geld, deshalb auch der Auftritt beim „Promi-Big-Brother“. Wie man denn als Hedonist im Armenviertel so lebe: Das war eine der vielen Fragen, die Ronald Schill wortreich unbeantwortet blieb.

Wie man sich selbst sieht

So blieb am Ende tatsächlich nur Fassungslosigkeit. Über Herrn Schills selbstgerechte und kuriose Sicht auf das eigene Leben. Aber das ist ja eigentlich seine Sache. Viel fassungsloser machte das, was auch Frau Maischberger nicht verstehen konnte: Dass wir einem wie Ronald Schill in diesem Land einmal ein paar der wichtigsten Aufgaben überließen, die wir zu vergeben haben.