Hart aber fair

Warum Lisa Fitz bis drei Uhr nachts im Koran liest

Was haben Terror im Namen Allahs und Islamismus mit dem Leben der Muslime in Deutschland zu tun? Müssen wir uns bedroht fühlen? Bei Frank Plasberg ging es um die Angst vor einer Weltreligion.

Foto: ARD

Lisa Fitz hat eigentlich hauptberuflich mit Humor zu tun. Warum sie gestern als Gast in der Fünfergruppe bei „Hart aber fair“ saß, war nicht ganz klar. Man kann aber sagen, dass die Kabarettistin den Ernst des Themas der Sendung am besten verstanden hat. Denn sie bohrte, fragte präzise.

„Deutschland und der Islam - wie passt das zusammen?“ Das war die Frage, auf die man sich Antworten und Aufklärung erhoffte. Lisa Fitz erzählte, dass sie in der Nacht zuvor noch bis drei im Koran gelesen hatte. Und sie fragte: Soll man den Koran wörtlich nehmen, wenn es beispielsweise heißt, du sollst mit Ungläubigen keine Freundschaft schließen? Warum wird Ehebruch mit dem Tod bestraft? Warum steht der Mann über der Frau? Aber so genau wollte man nicht ins Detail gehen, deshalb blieben ihre Fragen leider unbeantwortet. Die Turkologin Özlem Nas meinte letzteren Punkt nur erklären zu können, wenn die Sendung doppelt so lange wäre. Überhaupt fragte sie sich, warum sie wieder in einer Talk-Show sitze, bei der es um das „bei euch ist das so, bei uns ist das so“ geht. Ganz schön viele Fragen auf einmal.

Viele Deutsche sind in Sorge

Nach einer Umfrage, die Plasberg am Anfang seiner Sendung präsentierte, gibt es Klärungsbedarf in Sachen Islam. „Machen sie sich Sorgen, dass sich der Islam in unserer Gesellschaft zu stark ausbreitet?“ Immerhin 42 Prozent machen sich danach große Sorgen.

Lisa Fitz hatte in Plasbergs Diskussionsrunde den Platz in der Mitte, ganz links von ihr saß Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Er meinte leicht mokant, wenn er die Zeitungen aufschlage, bekomme er selbst Angst vor dem Islam, der in diesen Medien dargestellt werde. Da würde Propaganda betrieben. „Manchmal stelle ich mir die Frage, nach 9/11: Sind wir intellektuell über dieses Niveau nicht hinausgekommen? Sind wir nicht in der Lage nicht immer ständig die eine Frage zu stellen: Hat das doch etwas mit dem Islam zu tun?“ – Plasberg: „Was ist so schlimm an dieser Frage?“ – Mazyek: „Ich finde sie nicht schlimm, ich finde sie nur peinlich. Wir können uns doch auch mal die Frage stellen: Was denken denn die Menschen muslimischen Glaubens darüber?“ Er plädierte für einen Pakt der Toleranz und einen Aufstand für den Frieden.

Woran es dem Islam fehlt

Für Wolfgang Huber, den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, hat der Islam ein „Glaubwürdigkeitsdefizit“, weil er sich nicht klar genug von der Gewalt distanziert. „Ich habe gedacht, wie stellen sich vergleichbare Probleme in der eigenen Religion, im Christentum. Kann ich sagen, mit den Kreuzzügen haben wir als Christen gar nichts zu tun, kann ich sagen mit der Hexenverfolgung haben wir als Christen gar nichts zu tun? Haben wir nichts damit zu tun, dass genau vor 100 Jahren, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, Gott in Anspruch genommen wurde? Nein, muss ich sagen, das ist ein Teil meiner Tradition, und ich bin in der Mitverantwortung dafür, dass vergleichbares nicht noch einmal im Namen des christlichen Glaubens geschieht.“

Aus der intensiven Beschäftigung mit der eigenen Geschichte habe er Selbstkritik gelernt und darum könne er Muslimen nur raten, dieselbe Art von Selbstkritik aufzubringen. Und nicht zu sagen, dass sie damit, was im Norden Syriens passiere, nichts zu tun hätten. „Wenn es im Keller des eigenen Hauses so zugeht, dann beeinträchtigt das auch die höheren Stockwerke.“

Die Publizistin Birgit Kelle ging noch weiter: „Wenn der Islam zu Deutschland passen möchte, dann stellt sich nur die Frage, möchte er sich unserer Verfassung unterwerfen? So wie jede andere Religion das auch tut.“

Viele Meinungen, die letztlich ergebnislos aufeinander prallten. Vielleicht wäre es munterer geworden, wenn sich der eine oder andere wie Lisa Fitz die Mühe gemacht hätte, zuvor noch einmal in den Koran zu schauen.