Günther Jauch

Rätsel Familiendrama – Wenn Väter ihre Liebsten ermorden

Der „Polizeiruf“ hatte ein bedrückendes Thema: Ein Vater lief Amok und versuchte seine ganze Familie auszulöschen. Bei Günther Jauch ging es um die Motive und die Warnsignale.

Foto: ARD-Screenshot

Diese Ausgabe von „Günther Jauch“ hatte eine Art therapeutische Funktion. Denn der „Polizeiruf“ aus Rostock, der in den anderthalb Stunden zuvor im Ersten lief, mutete den Zuschauern einiges zu, vielleicht sogar viel zu viel. Es ging um den Familienvater Arne Kreuz, der im Furor seine Familie auszulöschen versuchte und dem das auch fast in Gänze gelang. Andreas Schmidt spielte ihn nicht als Monster, sondern als gehetzten Gescheiterten. Ein schwer auszuhaltender Film über das, was Juristen einen „erweiterten Suizid“ nennen und Journalisten meistens ein „Familiendrama“. Das war das Thema der Sendung am Sonntagabend.

Und sie begann, wie auch der „Polizeiruf“ schon gewesen war: überaus bedrückend, traurig. Die Straußbergerin Doreen Salomon erzählte, wie sie ihren 2007 geborenen Sohn Sean verlor. Von ihrem Mann hatte sie sich kurz zuvor getrennt. Nach außen hatte die Familie einen intakten Eindruck vermittelt, erzählte Salomon. Doch hinter geschlossenen Türen gab es häufig Streit, vor allem seines cholerischen Temperaments wegen. Ihr Mann habe die Trennung nicht hinnehmen wollen - deshalb vergiftete er den fünfjährigen Sohn und sich selbst. Doreen Salomon fand die beiden Leichen.

„Er wollte mich bestrafen“

Die Würde, mit der sie von dieser gravierenden Verletzung ihrer Seele erzählte, machte sprachlos. „Warum hat Ihr Mann das getan?“, wollte Jauch verständlicherweise wissen, und sie sagte: „Weil er mich bestrafen wollte.“ Ihre Schilderung machte ein psychologisches Muster verständlich, das offenbar bei vielen erweiterten Suiziden wirksam ist. Wenn ein Mann seine Kinder und seine Frau tötet, dann geht es häufig auch um verletztes Besitzstandsdenken. Die Psychiaterin Heidi Kastner formulierte, solche Männer würden häufig so lieben, wie man vielleicht ein Haus liebe: wie einen Gegenstand also. Zudem seien sie auf sich selbst fixiert: Ihr eigenes Befinden stehe für sie im Mittelpunkt.

Axel Petermann, ehemals Leiter einer Mordkommission und heute als Berater für viele „Tatort“-Folgen tätig, bestätigte dies am Beispiel des Films: Oft stehe wirtschaftliches oder berufliches Scheitern in einem tragischen Zusammenhang mit der Entscheidung zu der auch „Intimizid“ genannten Bluttat. Wenn beides abhanden zu kommen drohe, dann würde „die scheinbar perfekte Scheinwelt“, wie Jauch sie nannte, zusammenbrechen. Zusammenbrechen in einer blutigen Orgie aus Gewalt und Zerstörung, für die man vielleicht ein paar einleuchtende Erklärungen findet. Ganz verstehen kann man sie trotzdem nicht.