Hart aber fair

Was kann man tun, wenn Muslime als Polizisten auftreten?

Sie nannten sich „Shariah Police“ und patrouillierten auf der Straße. Wie soll die deutsche Politik darauf reagieren? Welche Grenzen hat die Religionsfreiheit? Die Runde bei Plasberg stritt munter los.

Foto: Boris Roessler / dpa

„Lass die Finger vom Glücksspiel, komm lieber in die Moschee.“ Mit einem derartigen Spruch traten junge Männer vor einigen Wochen auf der Straße in Nordrhein-Westfalen an Leute heran. Sie trugen orangefarbene Westen mit dem Aufdruck „Shariah Police“. Auch Sounia Siahi, eine Journalistin mit marokkanischem und deutschenm Pass, begegnete ihnen. Sie sagten ihr, dass sie ein Kopftuch tragen soll. Die 37-Jährige lebt den Islam modern: Glaube ja, Kopftuch nein. Gegen die Missionierungsversuche der selbsternannten Ordnungshüter konnte sie sich wehren. „Aber ich glaube, andere, die schwächer sind, lassen sich davon beeinflussen.“

Siahi schilderte ihre Begegnung in einem Einspieler bei „Hart aber fair“. Frank Plasberg hatte geladen zu dem Thema „Auf Streife für Allah – vor welchem Islam müssen wir Angst haben?“ Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte: „Gegenüber den total intoleranten Leuten darf es keine falsche Toleranz geben. Wir haben eine tolerante Gesellschaft. Wenn jemand unterwegs ist, diese Toleranz, die Meinungsfreiheit, die Glaubensfreiheit in Frage zu stellen mit seinem Fanatismus, dann muss diese Gesellschaft sagen: Hier ist stopp.“

„Völlig alberne Aktion“

Volker Beck von den Grünen kritisierte, dass die deutsche Innenpolitik auf die Aktion „wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen“ reagiert habe: „Ich fand es völlig richtig, dass der zuständige Innenminister in Nordrhein-Westfalen gesagt hat: Das ist verboten, niemand darf auf der Straße Polizei spielen, der nicht Polizei ist.“ Dann wandte er sich an Herrmann: „Dass dann aber nach einem Islam-Gipfel gerufen wurde oder einem Gipfel zur Überprüfung unserer gesamten Gesetzgebung auf Islamistenfestigkeit, das fand ich reichlich übertrieben. Halbstarke Idioten gehen auf die Straße, nehmen sich die Schutzweste aus dem Kofferraum und kleben mit einem Klebeband ,Shariah Police' drauf, und wir werden alle verrückt. Diese Typen werden doch so zum Star gemacht, die rechnen darauf, die sind jetzt Helden in ihrer Szene mit einer völlig albernen Aktion.“

Sheik Hassan Dabbagh ist Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee, er zog die Weltpolitik heran: „Was haben sie gemacht, um dieses Drama in Syrien zu stoppen? Bis heute halten die westlichen Regierungen an Assad fest. Er hat Kinder geschlachtet und Frauen getötet. Das ist unverantwortlich.“ Doch wie steht er zu der eingangs erwähnten Aktion gegenüber der Journalistin Siahi? Kann er die Angst verstehen? Er sei gegen solche Aktionen, aber er könne diese Angst nicht verstehen, sagte er. Weil diese Leute nicht vergleichbar mit denen in Belgien und England seien, die dann Menschen zusammengeschlagen haben.

Eine muslimische Mission

Lamya Kaddor ist Lehrerin für Islamkunde in deutscher Sprache. Man könne nicht einfach auf Muslime und Nichtmuslime zugehen und die Sittenpolizei spielen, meinte sie. „Das ist ein Unding. Das fällt auf uns alle Muslime zurück.“ Weil man dann plötzlich nicht mehr differenziere. „Man sagt: alle Muslime versuchen in Deutschland zu missionieren. Was nicht so ist und nicht so sein soll.“

Sie kritisierte, dass es eine Unterscheidung zwischen Deutschen und Muslimen gebe. Das passiere ihr tagtäglich. Zu Plasberg sagte sie: „Ich bin genauso deutsch wie Sie auch.“ Und: „Es wird immer suggeriert, man kann als Muslim nicht Deutscher sein. Schon gar nicht loyaler deutscher Staatsbürger.“

Eine muntere Runde, die zeigte: es gibt noch viel Erklärungsbedarf.