TV-Kritik

Beim „Tatort“ aus München gibt es eine Leiche zum Kamel

Ein Lamborghini rast durch München. Ein arabischer Prinz sitzt am Steuer, auf dem Beifahrersitz sein erschossener Freund. Batic und Leitmayr würden jetzt gern ermitteln. Aber sie dürfen nicht.

Foto: BR/Bildarchiv / BR/Heike Ulrich/Wibke Claussen

Schon lustig, was so ein Diplomat alles darf. „Ich kann mit 180 durch München fahren, ich kann koksen, soviel ich will“, belehrt der Prinz von Kumar die Münchener Kommissare Batic und Leitmayr – und tatsächlich sind sie ziemlich hilflos, als er genau das tut. Das historische Vorbild ist klar: Zwischen 2006 und 2010 sorgte in München Saif al-Arab, der Sohn des libyschen Diktators Muamar al-Gaddafi, mit allerlei Eskapaden für Aufsehen. Waffenschmuggel, Alkoholfahrten, Körperverletzung, Anstiftung zum Mord. Eigentlich viel Arbeit für die Polizei, aber ach, der Diplomatenstatus.

Der Prinz von Kumar also, fünfter Sohn des Emirs, rast mit seinem Lamborghini wie bescheuert durch München, die Leiche seines Freundes Karim auf dem Beifahrersitz. Als ihn die Polizei stoppt, erscheint sogleich der Generalkonsul, um den Ermittlern ihre Grenzen aufzuzeigen. Die verirrten sich dann trotzdem in einer seltsamen Gegenwelt zum Münchner Biedermeier: Der Prinz hält ein Kamel im Garten seiner Villa („Die anderen beiden sind zum Besamen in Wien“) und lässt dort seinen Freund Henk, übrigens gespielt von Wilson Gonzales Ochsenknecht, mit einem Maschinengewehr herumballern. Irgendwann lädt er die Kommissare großzügig zum Essen ein – auch dies übrigens eine Anspielung auf Safir al-Arab, der mit dem Münchener Polizeipräsidenten im Bayerischen Hof speiste.

Kameltreiber und Teppichhändler

Regisseur Rainer Kaufmann inszeniert die Geschichte als durchgeknallte, manchmal etwas hysterische Satire, die man eher von den Münsteraner „Tatort“-Machern erwartet hätte. Vom Kameltreiber bis zum Teppichhändler kommt so ziemlich jedes Araberklischee vor, garniert noch von der Standardempörung des kleinen Mannes, irgendwer glaube „sich wohl alles erlauben zu können“. Denn das tut Yasin el Harrouk als Prinz von Kumar die ganze Zeit, und das tut er manchmal so hinreißend lustig, dass man ihn dafür küssen möchte.

Aber wir haben es ja, wie man so sagt, mit einem Mord zu tun, und da kann man nicht die ganze Geschichte einfach verjuxen. Deshalb kommt natürlich noch die internationale Politik mit ihren seltsamen Waffendeals ins Spiel und ein deutscher Staatssekretär, der gar nichts davon wissen will. Und der natürlich am Ende doch überall mitmischt. Eine U-Bahn will der Emir also in der Wüste bauen, tolle Idee natürlich, und bei so einem lukrativen Plan hilft man doch gern und lässt auch was springen, wenn’s noch Zweifel an der Auftragsvergabe gibt.

Tatort: Wüstensohn. ARD, Sonntag, 20.15 Uhr