TV-Kritik

Im „Tatort“ aus Luzern sind alle ständig auf der Flucht

Paranoia ist kein Grund dafür, dass man nicht doch verfolgt wird: Der heutige „Tatort“ erzählt von einer verhängnisvollen Affäre und von dunklen Geheimnissen des Schweizer Bankwesens.

Foto: SRF/Daniel Winkler

Hektisch geht es los. Ein Mann im Anzug (Alexander Beyer) rennt durch die Straßen Luzerns, er fühlt sich verfolgt. So heißt auch dieser „Tatort“: „Verfolgt“. Wer verfolgt ihn? Oder flieht er nur vor seiner Tat? In hektischen Schnitten wird uns vorgeführt, wie eine Frau tot in einer Wohnung aufgefunden wird. Ihr schönes, blutüberströmtes Gesicht füllt den Bildschirm. Und wir sehen eine junge Mutter (Karina Plachetka) mit ihrer Tochter. Auch sie ist auf der Flucht vor jemandem. Darunter immer diese wummernden Beats, als hätte jemand das beschauliche Luzern in einen Technoschuppen für Paranoiker verwandelt. Was ist hier nur los?

Das wollen auch die Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) wissen. Vor ihnen entrollt sich zunächst die alte Geschichte fremdgehender Eheleute. Denn unser flüchtender Mann im Anzug, verheiratet mit der flüchtenden Mutter, hatte eine Affäre mit der nun ziemlich toten Frau. Deren Mann tobt vor Eifersucht und hat die Liebschaft fotografisch dokumentiert. Ist er vielleicht der Täter? Flückiger und Ritschard arbeiten sich durch den üblichen Fragenkatalog.

Aber die Sache ist verwickelter. Denn der Anzugträger hat in einem Bankhaus gearbeitet. Er stellt sich der Polizei und erklärt, warum er sich verfolgt fühlt: Weil er eine CD mit Daten deutscher Steuersünder der Polizei übergeben hat. Damit tritt er natürlich einer Reihe wichtiger Leute auf die Füße. Haben sie mit dem Tod der Frau zu tun? Sie sind jedenfalls dafür verantwortlich, dass aus einem rasant startenden Krimi am Ende eine zähe und klischeelastige Veranstaltung wird. Denn so hölzern wie diese Bankleute und Politiker, so platt wie der Vorgesetzte der Kommissare: So ist niemand in der Realität. Solche Figuren gibt es nur in mittelmäßigen „Tatort“-Folgen.

ARD, 20.15 Uhr.