Fußball-WM 2014

So gut sind Deutschlands WM-Moderatoren

Wenn wir vom Fußball sprechen, dann nicht nur von Jogi Löw und Thomas Müller, sondern auch von Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl. Welchen Stand haben sie in einem sozialen Netzwerk wie Twitter?

Jeder, der schon einmal einen richtigen Fußballabend erlebt hat, kennt das Genre der Moderatorenkritik. Nicht nur die Leistung der auftretenden Mannschaften wird kommentiert, wutschnaubend kritisiert und hin und wieder auch bejubelt. Auch die Fernsehjournalisten werden schnell zur Zielscheibe für gallige Kommentare, sehr selten auch für Lob. Nirgends kann sich so etwas besser entladen als in einem sozialen Netzwerk wie Twitter. Wer kommt dort am besten, wer am schlechtesten weg? Wir haben uns umgesehen.

Oliver Kahn und Oliver Welke

Die beiden haben ja beide für ihre Rolle als Fußball-Moderatoren eine gewisse Metamorphose hinter sich bringen müssen. Während man von Kahn über Jahre hinweg nur zornigste Entschlossenheit und gorillahaft herausgebrüllte Aggression kannte, erwartet man von Welke den augenzwinkernden Schmunzelspaßwitz, den er in der „heute show“ zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Nun muss Kahn den konzilianten Welterklärer geben, und weil sich ja nicht jede Fußballszene zu politischen Scherzen eignet, muss auch Welke den seriösen Journalisten zumindest simulieren. Doch die alten Rollen sind unvergessen:

Man merkt deutlich: Es schleicht sich schon ein bisschen Routine in die Moderationen der beiden ein. Und das ist sehr gut, denn Ziel der Übung muss es ja sein, ein latent voneinander genervtes, aber schicksalhaft miteinander verbundenes Männerpärchen nach dem Vorbild von Ernie und Bert, Waldorf und Statler oder Jack Lemmon und Walter Matthau zu bilden. Da sind die beiden auf einem ganz guten Weg, wie es scheint.

Fazit: Die Mehrheit der Netzgemeinde steht den beiden Olivers wohlwollend gegenüber, viele zeigen sich auch einfach erleichtert darüber, dass „bei zwei Olivers wenigstens kein Pocher dabei ist“. 6 von 10 Punkten.

Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl

Mehmet Scholl hat es schon geschafft, zum meistzitierten Moderator zu werden, bevor die Vorrunde vorbei ist. Legendär schon sein furioser Einstiegssatz, adressiert an Matthias Opdenhövel: „Hallo Martin!“. Und wenn Scholl einmal keine Lust hat, dann hat er eben keine Lust.

Scholl verbindet Sachkenntnis mit der Fähigkeit, die unter Sportjournalisten übliche Phrasendrescherei großräumig zu umfahren. Und wenn es mal langweilig wird während der endlosen Moderationsstrecken, dann versucht er das auch nicht zu verstecken. „Ein Bus, endlich sehen wir mal einen Bus“, rief er aus, als im Vorfeld des Portugal-Spiels der Mannschaftsbus der Portugiesen durchs Bild rollte. Scholl ist ja sowieso selten um einen Kalauer verlegen: „Ich hatte noch nie Stress mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsbild wollte.“ Doch verbindet er das mit tiefer Sachkenntnis, die von dem zurückhaltenden Opdenhövel so gekonnt inszeniert wird wie Thomas Müllers Tore durch die Vorarbeit von Toni Kroos. Das kommt sehr gut an bei der twitternden Gemeinde.

Fazit: In Opdenhövel und Scholl hat das Traumduo Gerhard Delling und Günter Netzer würdige Nachfolger gefunden. 9 von 10 Punkten.

Reinhold Beckmann und Giovane Elber

Fußballfans mögen das ja eher nicht so sehr, wenn sich jemand für alles zuständig fühlt. Und wenn dann auch noch zu tief im Emotional-Zwischenmenschlichen gegründelt wird, dann ist es mit der Sympathie schnell vorbei. So erklärt sich, warum viele Zuschauer ihre Probleme mit Reinhold Beckmann und seinem Sidekick Giovane Elber haben.

Leider kann Giovanne Elber das trotz seiner charmanten Lausbubenhaftigkeit auch nicht so ganz rausreißen. Dazu fehlt ihm die analytische Schärfe eines Mehmet Scholl und auch die Sprachgewalt. Fazit: Ein nett anzusehendes, aber allzu harmloses Duo. 4 von 10 Punkten.

Katrin Müller-Hohenstein

Frauen haben es erfahrungsgemäß schwer bei der Fußballberichterstattung. Das ist so evident, dass man das abgegriffene Schalke-05-Beispiel gar nicht erst zitieren muss. Katrin Müller-Hohenstein, die regelmäßig für das ZDF aus dem Quartier der deutschen Mannschaft berichtet, hat aber gar nicht mit unterstellter Inkompetenz zu kämpfen, sondern mit dem Vorwurf, es mangele ihr an Distanz. In der Tat haben ihre Berichte aus dem Campo Bahia etwas fast schulmädchenhaft Begeistertes. „Am meisten bewundere ich Bundestrainer Joachim Löw“, schwärmte sie ungeniert vor der nächtlichen Kulisse des Lagers ins Mikrofon, „und ich frage mich: Wie cool ist dieser Mann eigentlich?“ Der „11 Freunde“-Journalist Dirk Gieselmann hat ihr deshalb nicht ganz zu Unrecht vorgeworfen, Hofberichterstattung zu betreiben und die Pressearbeit für den DFB zu übernehmen. Bei Twitter sehen das auch einige User so.

Dazu informiert Müller-Hohenstein immer wieder über Randständiges und Irrelevantes, füttert gern mal ein Äffchen mit einer Banane oder taucht mit Lukas Podolski die Zehen in den Pool. Das ist nicht jedermanns Sache.

Fazit: Katrin Müller-Hohenstein hat, wie man es auf Motivationsseminaren formuliert, noch „Luft nach oben“. 4 von 10 Punkten.

Die Kommentatoren der ARD: Bartels, Simon, Gottlob

Tom Bartels scheint einen relativ guten Job zu machen: Bei Twitter halten sich Zuspruch und Kritik im Hinblick auf seine Moderationsleistung exakt die Waage. Einige hatten ihre Probleme damit, wie er die Leistung des deutschen Schiedsrichters Dr. Felix Brych beim Spiel von Uruguay gegen Costa Rica würdigte.

Doch sonst macht er einen passablen Job. 6 von 10 Punkten.

Der WDR-Sportchef Steffen Simon hat ja vor drei Tagen schon einen mittelgroßen Shitstorm losgetreten, als er in dem unspektakulären Vorrundenspiel des Iran gegen Nigeria plötzlich das Wesen der Menschen auf dem Platz charakterisierte. „Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert“, erklärte er einem Millionenpublikum vor den Bildschirmen. Das hat zu viel Kritik und Unverständnis in den sozialen Netzwerken geführt, und Simon hat einen schweren Stand. Seine Neigung zu klischierten Formulierungen wird ihm dort außerdem übel genommen – was oft zu groben Beleidigungen führt, die hier keinen Platz haben können. Deshalb nur ein harmloseres Beispiel.

Bei seiner derzeitigen Beliebtheit kann man Steffen Simon nur 2 von 10 Punkten geben.

Da macht sich Gerd Gottlob schon etwas besser am Mikrofon. Ihm fiel die Aufgabe zu, das erste Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft zu kommentieren. Einige monierten zwar, er habe sich zu sehr mit der deutschen Mannschaft verbrüdert und zu häufig das Personalpronomen „wir“ verwendet. So fragte sich der Sportjournalist Jens Weinreich, ob der Mann im deutschen Trikot moderiere. Doch die meisten Twitter-Benutzer empfinden seine Kommentierung als wohltuend gelassen. 7 von 10 Punkten.