Sandra Maischberger

Warum die Deutschen nicht an den Titel in Brasilien glauben

Haben wir gute Chancen bei der Fußball-WM? Bei Sandra Maischberger war die Skepsis mit Händen zu greifen. Apropos greifen: Der Höhepunkt der Sendung waren die Hände Toni Schumachers.

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In den Tagesthemen – direkt vor Sandras Maischbergers Sendung in der ARD – hatte Christian Wulff einen großen Auftritt mit seinem neuen und Buch und der Anklage gegen die „Bild“-Zeitung. Zu viel Macht, zu viel Einfluss, eine Treibjagd, beschwert sich dort der Ex-Bundespräsident.

Vielleicht hat Wulff an diesem Abend ja zufällig danach die Talkrunde bei Maischberger geschaut. Dort reagierte unser ehemaliger Nationaltorhüter Toni Schumacher sehr gelassen und abgeklärt, als er zur Macht der „Bild“-Zeitung im deutschen Fußball befragt wurde. „Ich fand das normal“, sagte er in der Runde. „Ich wusste immer: Wenn man schlecht spielt, hauen sie dich in die Pfanne. Wenn du gut spielst, heben sie dich hoch.“

Alfred Draxler, inzwischen Chef der „Sport-Bild“ und ein Alleswisser, was das deutsche Fußballleben angeht, saß daneben und lächelte leise. Ach, Christian – was Toni längst wusste, hättest du doch auch ahnen können.

Doch eigentlich sollte es ja an diesem Abend um etwas ganz anderes gehen: die Fußball-WM in Brasilien, die in 48 Stunden beginnt. Und um die mangelnde Euphorie im Land – nur knapp ein Viertel der Deutschen glaubt an einen deutschen WM-Titel in Brasilien. Das sind magere 25 Prozent, keine Sommermärchenzahl. „Viele Brasilianer glauben an die Deutschen“, sagt Jana Ina aufbauend. Wer das ist? Sie ist die charmante Ehefrau eines Pop-Schmusesängers, der irgendwann mal Teil einer längst vergessenen Casting-Band war (zusammen mit Ross Antony). Und sie ist Brasilianerin. Und mag Fußball. Das reicht ja wohl für eine Talk-Show Teilnahme.

Wie stehen die deutschen Chancen?

Die restlichen Gäste neben Schumacher, Draxler und Jana Ina? Reiner Calmund, der Mann mit dem unglaublichen Fußball-Gedächtnis, zuletzt bekannt aus einer reizenden Supermarkt-Werbung. Oliver Pocher, der seinen Abgesang in der „Bunten“ offenbar fröhlich überstanden hat. Und Jörg Pilawa, ARD-Allzweckwaffe, der früher selber kickte. Wie, war nun die große Frage, sehen sie alle die Chancen für Deutschland in diesem Turnier? Wie weit wird die Mannschaft kommen? Sandra Maischberger ließ brav abstimmen, Vorrunde, Achtelfinale, Viertelfinale. Bis dahin waren noch alle Hände oben; aber danach glaubten nur noch Pocher, Calmund und Zweckoptimist Pilawa, dass die Deutschen noch dabei sind. Die anderen in der Runden gehen offenbar davon aus, dass Deutschland im Viertelfinale ausscheidet. Interessanterweise auch Alfred Draxler von der „Sport-Bild“. Wen sieht er als Weltmeister? Er druckst ein bisschen herum, Brasilien, Argentinien, Chile. Aus Europa käme wohl nur Spanien in Frage. Ein erster Abgesang?

Dass Jogi Löw als Trainer der Nationalmannschaft diese WM nicht überdauern wird, kitzelte Maischberger geschickt aus Draxler raus. Seine Logik ist einfach: fliegt Deutschland in der Vorrunde raus, muss der Trainer eh gehen. „Unterschreiben Sie hier, Herr Löw“, heißt es dann. Schaffen wir es – wider Erwarten – doch bis zum Titel, dann kann er auf dem Höhepunkt seiner Karriere das Amt räumen. „Und alles dazwischen?“, fragt Pilawa völlig berechtigt. Die Runde schaut erschrocken. Alles dazwischen – Vizemeister, Vize-vize-Meister, wieder Weltmeister der Herzen heißt womöglich, Löw bleibt weiter auf dem Posten. Aber das ist alles Zukunftsmusik.

Die Wissenschaft von der Aufstellung

Unterhaltsam war auch die mögliche Aufstellung der Deutschen für das erste Spiel. Oliver Pocher trat an die Magnettafel und sollte Spieler ins Feld schieben, andere auf der Bank belassen – alles mit Hilfe der Runde. Hinten war man sich einig. Lediglich Calmund mischte sich mehrmals belehrend ein: „Hallo, soll der da stehen? Ein bisschen nach links vorne!“ Dieser Pocher, schlampig an der Tafel. Vorne allerdings gab es doch Differenzen. Pocher schwankte, Poldi sollte ran, Müller ist auch ein Garant, aber auch Götze und Özil. Wer soll stürmen? Das Rumgeeiere konnte Draxler nicht ertragen, stand auf und mischte mit. Seine Variante, sprich die Variante der „Bild“: Er zog – zur Überraschung aller - Schürrle als Joker auf die Tafel. Dazu Müller und Podolski. Was Pocher spöttisch ausrufen ließ: „Da haben wir ja eine sensationelle Bank, mit Özil, Götze, Schweinsteiger!“ Nur an Klose wollte niemand richtig ran. Doch, Jana Ina. Aber die hat ja ein Herz für alle.

Was allerdings wirklich von diesem Abend der nostalgischen Einspieler und peinlichen WM-Hymnen aus den 60er, 70er, 80er und 90er Jahre bleibt, ist etwas ganz anderes: die Hände von Toni Schumacher. Die hielt er nämlich in die Kamera. Die Finger, alle krumm und schief. „Der war gebrochen. Der ist falsch angewachsen“, erklärt er trocken. Unglaubliche Hände. Allein dafür, diese Hände zu sehen, hat sich die Sendung gelohnt.

Und der Rest entscheidet sich eh erst ab Donnerstag. Wie sagte Pocher so treffend: „So lange wir noch im Turnier sind, können wir auch Weltmeister werden.“ Und im Turnier sind wir ja noch.