Hart aber fair

Wenn Operationen nur Geld kosten, aber keine Heilung bringen

Sind deutsche Krankenhäuser zu reinen Profitmaschinen verkommen? Wieviel Vertrauen kann man in unser Gesundheitswesen stecken? Bei Frank Plasberg war ein Mann zu Gast, der damit abgeschlossen hat.

Foto: WDR Presse und Information/Bildk / WDR/Klaus Görgen

Der Berliner Sascha Banaszak hatte vor drei Jahren einen Meniskusriss. Ärzte im Krankenhaus schnitten ihm das Knie auf und machten eine Kniespiegelung. Nur vier Tage später hatte er starke Schmerzen. Wieder wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Man stellte eine schwere Infektion im Knie fest – ausgelöst durch Krankenhauskeime. Banaszak hat mittlerweile 16 Operationen hinter sich. Früher arbeitete er auf dem Bau, fuhr in seiner Freizeit Wasserski. Heute kann er nur Büroarbeit erledigen, mit seinen beiden Töchtern nicht mehr richtig spielen. Gegen das Krankenhaus prozessiert der 31-Jährige. Er sagt, die Schuldigen sollen zur Rechenschaft gezogen werden.

Es war ein sehr emotionaler Moment am Montagabend bei „hart aber fair“, als Banaszak seine Leidensgeschichte erzählte. Der Betroffene selbst kämpfte mit den Tränen. Es war aber auch der einzige berührende Moment bei einem Thema, das vielleicht ein wenig mehr Sensibilität gebraucht hätte. „Profit vor Patient – wie krank sind unsere Krankenhäuser?“ – darüber diskutierten Gäste, die sozusagen vom Fach waren. Allerdings: Hätten Ärzte sich so in einem Operationssaal gestritten, der Patient hätte wohl wenig Chancen gehabt, die Behandlung heil zu überstehen.

Wie beim Versicherungsvertreter

Katastrophale Hygienemängel, unnötige OPs aus reinem Profitstreben und: Sind Patienten eigentlich nur Kunden? – Das waren die Stichworte. Dr. Paul Brandenburg ist Arzt und Buchautor („Kliniken und Nebenwirkungen“). Er wandte sich direkt an Moderator Frank Plasberg: „Ein alter Chef von mir hat mal gesagt, ein Patient, der nicht zustimmt, der ist falsch aufgeklärt. Das bedeutet, wenn wir uns in einen Raum setzen, alleine, ich ziehe mir einen weißen Kittel an und schaue Ihnen tief in die Augen und sage: Herr Plasberg, haben Sie nicht gelegentlich dieses Magengrummeln? Wollten Sie dagegen nicht schon immer was tun? Das ganze wird dann wie eine Verkaufsgespräch bei einem Versicherungsvertreter.“

Der Patientenanwalt Burkhard Kirchhoff kritisierte: „Fakt ist doch, dass etwa 50 Prozent der Kliniken in Deutschland am Rand der Überschuldung sind, große wirtschaftliche Probleme haben. Damit sind wir schon bei dem Widerspruch an sich. Medizin ist Daseinsvorsorge, Sorge für den Patienten, und die kann schwerlich stattfinden, wenn 50 Prozent der Klinken Probleme haben, ihre Bilanz zum Jahresende glatt zu bekommen. Deshalb ist der Patient in Deutschland selbstverständlich nicht mehr an erster Stelle Patient, sondern die Patienten in ihrer Gesamtheit sind ein Wirtschaftsfaktor, den man möglichst melken möchte.“

Geschäfte wie in einer Dosenfabrik?

Gilt also der Vergleich, dass die Geschäfte in einem Krankenhaus wie die in einer Dosenfabrik geführt werden? Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, versuchte zu vermitteln: „Es ist in der Tat so, dass wir die Krankenhäuser in ein ökonomisches System gestellt haben, wo sie sich im Wettbewerb bewähren sollen. Das führt dann zu Auswüchsen, nicht gleich wie eine Dosenfabrik und nicht gerade, dass man auf dem Marktplatz die Patienten holt. Aber der Verwaltungsdirektor hat heute auch das Problem, dass er am Ende des Jahres seine Bilanz ziehen muss.“ Dies sei ein Dilemma, das die Politik in die Krankenhausfinanzierung eingebaut habe und welches vernünftig gelöst werden müsse.

Wie sehr kann man nun noch seinem Arzt im Krankenhaus trauen? Montgomery meinte: „Es gibt erstaunlicherweise noch sehr viele, sehr zufriedene Patienten.“ Sascha Banaszak, der Mann mit den 16 Operationen, gehört sicher nicht dazu.