TV-Show

Ein einzelner Hacker legt Pilawas Sendung „Quizduell“ lahm

Am Ende des „Quizduells“ sagte Moderator Pilawa: „Das ging komplett in die Hose“. Das stimmte. Zuschauer konnten nicht gegen Kandidaten im Studio antreten. Schuld daran hatte angeblich ein Unbekannter.

Foto: ARD

Die Idee überzeugte alle sofort. Das Spiel hatte ja auch wie ein Virus um sich gegriffen. Nachdem die App „Quizduell“ aus der Werkstatt einer schwedischen Entwicklerfirma im Sommer 2013 auf den Markt gekommen war, hatte sie es binnen weniger Monate zur beliebtesten Smartphone-Anwendung in Deutschland gebracht. Mehr als 16 Millionen Nutzer sollen sich hierzulande angemeldet haben, und wer selbst ein Smartphone besitzt und Freunde mit Smartphone hat, der weiß, dass diese Zahlen realistisch sind.

Sie erschien also nur folgerichtig, die Idee, die App ins Fernsehen zu bringen und ganz nebenbei auch ein traditionelles mit einem interaktiv-modernen Medium zu versöhnen. Als die ARD vor einigen Wochen ankündigte, mit Hilfe der App eine tägliche Fernsehshow auf die Beine zu stellen, gab es deshalb wenig Kritik und viel Applaus. So groß war die Begeisterung in den Reihen des öffentlich-rechtlichen Senders, dass man selbst die Kritik der knapp eine Million Fans der Seifenoper „Verbotene Liebe“ hinnahm – deren Lieblingssendung, immerhin schon 4500 Folgen lang im Rennen, kurzerhand vom angestammten Sendeplatz verbannt wurde. Das würde sich schon quotenmäßig rechnen, dachte man wohl. So weit die Theorie.

Pilawa plauderte und nichts geschah

Was Jörg Pilawa nun präsentierte, war das Scheitern aller ehrgeizigen Pläne. Die Sendung begann jovial, Pilawa referierte die simplen Regeln. Die vier Studiokandidaten, dieses Mal vier Lehrer aus Tostedt, sollten zuerst in einer Schnellraterunde den Einsatz festlegen – sie landeten bei 22.000 Euro. Dann sollten die 187.204 „Quizduell“-Nutzer, die sich das für die Sendung vorgesehene Update installiert hatten, in der bekannten Weise die Fragen aus einem bestimmten Wissensgebiet beantworten. Pilawa erläuterte noch, dass sich unter dem sogenannten „Team Deutschland“ 36 Prozent Frauen befänden und das Durchschnittsalter bei 38 Jahren läge.

Dieser anonyme Gegner sollte nun spielen, Pilawa plauderte mit den Kandidaten. Es zog sich. Pilawa fragte die Regie, ob es schon weitergehen könne. Es ging nicht. Pilawa plauderte weiter. Dann sagte er, man spiele jetzt doch lieber mit dem Studiopublikum. Überlastete Server, hieß es zunächst.

Aber das war nicht die ganze Geschichte. Während Pilawa nun ein relativ konventionelles Quizsspielchen seiner vier Lehrer aus Tostedt gegen die anderen Gäste moderieren musste, erklärte er mehrfach, die Server seien gehackt worden. „Ein einzelner User blockiert derzeit 15.000 Server weltweit“, schob er hinterher. Für den Laien hörte es sich an, als habe ein höhnisch lachender Bösewicht alle Verkehrsampeln des Landes gleichzeitig auf Rot gestellt.

Einladung an einen Hacker

Diesen Bösewicht lud Pilawa nun freundlich dazu ein, ihn doch einmal in der Sendung zu besuchen - nicht um vorgeführt zu werden oder gar um juristische Sanktionen zu erdulden, sondern allein, um sich einmal zu erklären. Das wirkte locker und erstaunlich souverän für einen Moderator, der gerade ungewollt die antiquierteste anstelle der modernsten Ratesendung hatte präsentieren müssen. „Das ist komplett in die Hose gegangen“, lautete sein Resümee, und er hatte recht.

Sicher ist: Die ARD wird sich etwas einfallen lassen müssen, um solche Probleme in Zukunft schon vorher auszuschalten. Sonst werden die Quoten dieses Formats in ungeahnte Tiefen sacken. Und eine technische Erläuterung, wie das genau funktioniert mit dem Lahmlegen von 15.000 Servern weltweit, die kann sie gerne auch noch nachliefern.