24. Februar

Berliner Filmemacher gewinnt einen Oscar

Überraschungserfolg in Hollywood für einen Berliner Regisseur. Mit seinem Kurzfilm "Spielzeugland" hat Jochen Alexander Freydank einen Oscar nach Deutschland geholt. Nach der Landung in Tegel rollte sein Filmteam den roten Teppich für ihn aus. Mit dem Oscar in der Hand kam Freydank durch die Kontrollen.

Es regnete Rosenblätter, Küsse und Glückwünsche, als der Berliner Filmregisseur und Oscar-Gewinner Jochen Alexander Freydank aus Hollywood zurückkehrte. Auf dem Flughafen Tegel wurde er von einigen Mitgliedern seines "Spielzeugland"-Filmteams herzlich begrüßt. Sogar einen kleinen roten Teppich samt goldigem "Oscar"-Schriftzug rollten sie für den 41-Jährigen aus.

Der zeigte sich gerührt: "Der Oscar ist auch ein großes Dankeschön an mein gesamtes Team." Dazu gehört auch Co- Drehbuchautor Johann A. Bunners, mit dem Freydank das Drehbuch geschrieben hat. "Ich freue mich wahnsinnig für uns alle. Jetzt aber freue ich mich auf meine Familie, die hat schließlich einen hohen Preis für den Film zahlen müssen."

Als Erstes wollte er mit seiner Familie anstoßen ("mindestens mit Apfelsaft") und dann schlafen. In den vergangenen beiden Nächten in Los Angeles habe er jeweils nur eineinhalb Stunden Ruhe gefunden. Party, Presse, pausenloses Telefonklingeln. "Ich habe 500 E-Mails, 300 SMS und unendlich viele Anrufe bekommen. Es ist total irre", sagte Freydank euphorisch mit der glitzernden Statue in der Hand: "Er bekommt einen Ehrenplatz im Regal in meinem Büro."

Die kleine Statue hatte Freydank in jeder Sicherheits-, Pass- und Zollkontrolle in der Hand - und traf damit auf äußerst gut gelaunte Kontrolleure. Er sei meist sofort gefragt worden: "Ist das der richtige?", erzählte er. Angst, dass er mit dem Goldmann jemanden erschlagen könnte, hatte offenbar niemand.

Freydank will in Deutschland bleiben

Auch Schauspielerin Julia Jäger gehörte zum Empfangskomitee. Sie war zwei Stunden vor Freydank in der Hauptstadt gelandet und schwärmte noch immer vom Moment der Preisverleihung: "Es war unglaublich. Ich dachte erst, ich hätte mich verhört."

Freydank will auch trotz seines Triumphes in Hollywood mit beiden Beinen auf der Erde bleiben. Auf die Frage, ob er jetzt eine Hollywood-Karriere im Blick habe, sagte der 41-jährige Regisseur in Berlin: "Ich weiß, dass ich meine nächsten Schritte eindeutig hier in meinem Land machen werde."

"Natürlich ist der Oscar ein starker Rückenwind für einen bis dahin nicht so bekannten Regisseur eines Kurzfilms. Aber es ist immer noch ein weiter Weg für mich. Und ich mache ja in erster Linie nach wie vor nicht Filme, um Preise zu gewinnen, sondern um Menschen zu erreichen."

Immerhin habe er in Amerika schon vielversprechende Kontakte auch mit Produzenten und ein für Kurzfilmer bemerkenswertes Medienecho gehabt, was ihm Mut gemacht habe. "Möglich, dass sich meine Arbeit nun beschleunigen wird." Er hoffe, dass er nun auch im größeren Kino-Format arbeiten, also bald auch einen Spielfilm drehen könne.

Am Sonnabend, 28. Februar wird Freydank aber erst einmal bei "Wetten, dass..." zu Gast sein und neben Jennifer Aniston, Owen Wilson und Boris Becker und Freundin auf dem Sofa sitzen.

Freydanks in Berlin gedrehter Kurzfilm handelt von einer Mutter, die in der NS-Zeit ihren kleinen Sohn vor der Wahrheit über die Deportation der jüdischen Nachbarn und damit auch seines kleinen Freundes schützen will.

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