Konzertkritik

Satter Sound und kluge Texte: Joe Jackson im Admiralspalast

Joe Jackson stellt im ausverkauften Admiralspalast brandneue Songs von seinem mittlerweile 20. Album vor. Das Publikum ist begeistert.

Joe Jackson blickt auf eine 40 Jahre dauernde Karriere zurück (Archivbild).

Joe Jackson blickt auf eine 40 Jahre dauernde Karriere zurück (Archivbild).

Foto: Luigi Rizzo / picture alliance / Pacific Press

Ein pulsierendes Drumpattern klingt aus den Lautsprechern. Das Licht im Saal verlöscht. Im fahlen Schein kommt Schlagzeuger Doug Yowell auf die Bühne, setzt sich hinter sein Instrument und übernimmt den Drumbeat. Bassist Graham May folgt ihm und steigt mit tiefen Tönen ein. Dann geht Gitarrist Teddy Kumpel auf seinen Posten und komplettiert das musikalische Geflecht. Als schließlich Sänger und Keyboarder Joe Jackson am Freitagabend auf die Bühne des ausverkauften Admiralspalastes tritt, brandet ihm lautstarker Jubel entgegen.

Mit dem brandneuen Song „Alchemy“ eröffnet Jackson ein Berlin-Konzert, in dem er sich ganz seiner inzwischen 40 Jahre währenden Karriere widmet. Ein Heimspiel. Seit Mitte der 2000er-Jahre lebt der 64-jährige Brite mit zweitem Standbein in New York hauptsächlich in Berlin. Hier entstanden auch die Stücke für sein neues, 20. Album „Fool“, das sich als eines seiner besten erweist. Gleich fünf Stücke davon gehören zum aktuellen Programm, das sich ansonsten den vier Dekaden einer vielseitigen Musiker-Karriere widmet.

Melodieverliebte Songperlen

Der klassisch geschulte Pianist hat sich schon immer dem Pop näher gefühlt als der Klassik und debütierte 1979 mit dem überragenden Album „Look Sharp“, vom dem es als zweites Stück des Abends das druckvolle „One More Time“ gibt. Mit „Is She Really Going Out With Him“ legt er gleich noch einen Erfolg der späteren 70er-Jahre nach.

Joe Jacksons Lieder sind melodieverliebte Songperlen, die auch ihre Ecken und Kanten haben. Bei ihm fließen Punk und Reggae, Musical und Jazz, Latin und Soul mühelos ineinander und tragen seine kraftvolle, mal schnoddrige, mal klagende Stimme durch kluge Texte mit Witz und einem Schuss Gesellschaftskritik. In sattem Sound und vor einem wallend drapierten Vorhang als Bühnenbild springt er mit seiner Band durch die Jahrzehnte, von den 80er-Jahren mit „Another World“ in die 90er mit „My House“ und in die 2000er-Jahre mit dem in Berlin entstandenen Album „Rain“.

Er scheut sich nicht vor Experimenten

Ja, die Platte habe er hier in der Stadt aufgenommen, erzählt er. Und es sei eine seiner liebsten. Aber es gebe darauf kein Stück mit dem Titel „Rain“. Darum habe er sich für diese Tournee einfach „Rain“ von den Beatles ausgeborgt. Sie spielen die Lennon/McCartney-Komposition mit kraftvoll persönlicher Note, um ihr mit „Invisible Man“ und „Wasted Time“ dann zwei Stücke vom „Rain“-Album folgen zu lassen. Später wird es auch noch eine Coverversion von Steely Dans „King Of The World“ geben.

Musikalisch hat sich Joe Jackson immer wieder gehäutet, hat neben Rockplatten Swing- und Jazzalben eingespielt, sich der Musik Duke Ellingtons gewidmet, eine Sinfonie komponiert. Er scheute sich nie vor Experimenten und landet doch immer wieder bei Songs, die einfach zu gut sind für den Mainstream.

Gute zwei Stunden lang spielt er sich durch sein Werk, von den frühen Jahren mit „Sunday Papers“ oder „I’m The Man“ bis in die Neuzeit mit der eigenwilligen „Ode To Joy“ oder dem von lateinamerikanischen und orientalischen Elementen angetriebenen „Fool“. Als dritte und letzte Zugabe spielen sie noch einmal den Konzertauftakt „Alchemy“.

Das Publikum feiert ihn dankbar

Joe Jackson verabschiedet sich unter aufbrausendem Applaus. Die Band spielt weiter. Dann verlässt der Gitarrist seinen Posten. Der Bassist folgt ihm. Und schließlich hebt der Drummer die Arme in die Höhe und der Drumbeat kommt wie zu Beginn wieder aus der Konserve. Ein gelungenes Finale. Ein gelungener Abgang. Das Publikum feiert dankbar und lang anhaltend einen der außergewöhnlichsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte.