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Nackte Léa Seydoux, böse Zombies: Um die Welt in 14 Filmen

| Lesedauer: 3 Minuten
Eberhard von Elterlein
Verführt ihren verheirateten Kumpel: die nackte Léa Seydoux mit Melvil Poupaud.

Verführt ihren verheirateten Kumpel: die nackte Léa Seydoux mit Melvil Poupaud.

Foto: Weltkino

Das Fest „Around the World in 14 Films“ findet zum 17. Mal statt. Es führt in den Iran, Ukraine und Palästina – und exotische Orte.

Berlin.  Es ist mittlerweile gute Berliner Tradition, die Highlights des Kinojahres bei einem Filmfestival zum Jahresende Revue passieren zu lassen und dabei im Sessel eine kleine Weltreise zu machen. „Around the World in 14 Films“ geht vom 1. bis 10. Dezember mittlerweile in seine 17. Auflage und versammelt dabei Highlights der kommenden Kinowochen mit Filmperlen, die es über Lob und Ehr’ bei diversen Filmfestivals leider (noch) nicht regulär in unsere Theater geschafft haben.

Das mit der Weltreise kann man dabei durchaus wörtlich nehmen, denn die 14 Filme im Wettbewerb, dessen Sieger sich über einen Preis von 5000 Euro für die beste Regieleistung freuen darf, führen von Chile („1976“ von Manuela Martelli) über die Philippinen („When the Waves Are Gone“ von Lav Diaz) bis nach Island („Godland“ von Hlynur Palmason) zu doch recht exotischen Filmorten.

Eine Rettungssanitäterin in der Ukraine

Spannend wird es bei Produktionen aus Ländern, die im Fokus politischer Weltöffentlichkeit stehen. So spiegelt Maha Hajs palästinensischer Beitrag „Mediterranean Fever“ in der tragikomischen Erzählung einer Männerfreundschaft den Nahostkonflikt, indem die Regisseurin tief in menschliche Abgründe hineinleuchtet.

Im ukrainischen Drama „How is Katia?“ zeigt Filmemacherin Christina Tynkevych, wie eine Rettungssanitäterin an ihre Grenzen gerät, als ihre Tochter von einem Auto angefahren wird. Auch hier keine Bomben, Gewalt oder Tod, aber eine Hetzjagd durch ein tiefkorruptes Gesellschaftssystem – gedreht vor dem Krieg.

Herzluftballons aus dem Iran

Auch aus dem dritten Unruhe-Land, dem Iran, sind keine Gewaltbilder zu sehen. Ali Behrad führt in seiner sensiblen Menschenstudie „Imagine“ vielmehr in die Tagträume eines Teheraner Taxifahrers, der sich in einen weiblichen Fahrgast verliebt und mit ihr intensive Gespräche über Liebe, Familie und Hochzeit führt. Mit einem Herzluftballon als eines von vielen schönen Bildern. Da das Land stets zuverlässiger Lieferant großartigen Arthouse-Kinos ist, gibt es einen „Special Focus on Iran“ mit zwei Beiträgen: „Keine Bären“ von Jafar Panahi, dem Goldenen Bären-Sieger von 2015, sowie „Leila’s Brothers“ von Saeed Roustaee.

Außerhalb des Wettbewerbs führen uns auch der Eröffnungs- und Abschlussfilm in ein beliebtes Filmland. Frankreich zeigt dabei seine ganze cineastische Vielfalt. In „An einem schönen Morgen“ sehen wir in der Opening Night eine wieder einmal wunderbare Léa Seydoux, wie sie als alleinerziehende Mutter zwischen der Liebe zu einem verheirateten Mann und der Suche nach einem Heim für ihren dementen Vater einen Platz im Leben zu finden anstrebt. Und dafür einmal mehr alle Hüllen fallen lässt.

Lustige Zombies in einem Splatterfilm

Das komplette Gegenteil zu dieser feinfühligen Charakterstudie stellt die durchgeknallte Genre-Hommage „Final Cut of the Dead“ in der Closing Night dar, der diesjährige Eröffnungsfilm von Cannes. Regisseur Michel Hazanavicius („The Artist“) führt uns dabei mitten hinein in die chaotischen Dreharbeiten eines Splatterfilms. Was zunächst billig wirkt, entwickelt sich zu einer mitreißenden, herzlichen Liebeserklärung ans Filmemachen.

Ein Trost: Sollte es für beide Werke keine Tickets mehr beim Festival geben – sie starten regulär im Kino. „An einem schönen Morgen“ bereits am 8. Dezember und „Final Cut of the Dead“ am 19. Januar.

Festival Around the World in 14 Films: 1.-10. Dezember in den Kinos Kulturbrauerei, Delphi Lux und Neues Off. Tickets gibt esdirekt in den Kinos oder im Internet unter https://14films.de/tickets-2022-2/